30.07.2008 · Es klang fast wie ein Mantra, das Helge Meeuw immer wieder in die Kameras wechselnder Fernsehsender sprach: „Ich bin heiß auf die olympischen Rennen.“ Der Frankfurter Schwimmstar will in Peking Bestzeit schwimmen.
Von Bernd SteinleEs klang fast wie ein Mantra, das Helge Meeuw wieder und wieder mit entschlossener Stimme in die Kameras wechselnder Fernsehsender sprach: „Ich bin heiß auf die olympischen Rennen.“ Ein Mantra freilich, das bei keiner der vielen Wiederholungen an Intensität und Energie einbüßte. Deshalb wurde eines schnell klar, als der Schwimmstar der SG Frankfurt mit seiner Vereinskollegin Meike Freitag Ende vergangener Woche Abschied nahm von seiner Trainingsstätte, dem Olympiastützpunkt Hessen in Frankfurt: Helge Meeuw hat sich einiges vorgenommen für die Olympischen Spiele in Peking.
Der 23 Jahre alte Europarekordhalter über 100 Meter Rücken hält damit nicht groß hinterm Berg. „Ich glaube, ich bin der Form meines Lebens“, sagt er. Das ist nicht nur so ein Gefühl, es wird auch bestätigt durch Messwerte und Ergebnisse im Training. Noch im Februar hat sich der Medizinstudent die Weisheitszähne ziehen lassen, um jegliches Risiko für die heiße Olympia-Phase auszuschließen. Er steigerte das Athletiktraining noch einmal, blieb im ganzen Trainingszyklus seit den deutschen Meisterschaften in Berlin ohne Krankheit und Verletzung. Die Konsequenz aus der vielversprechenden Vorbereitung: „Ich möchte in Peking Bestzeit schwimmen.“
Einer der wenigen Medaillenanwärter im deutschen Team
Ob ihn diese Zeit dann aufs Siegertreppchen führen wird, darüber will sich Helge Meeuw keine großen Gedanken machen. Natürlich hat auch die internationale Konkurrenz zugelegt, Anfang Juli schwamm der amerikanische Olympiasieger Aaron Peirsol in 52,89 Sekunden Weltrekord über 100 Meter Rücken. Dennoch zählt Meeuw zur raren Spezies der Medaillenanwärter im deutschen Schwimm-Team. Erwartungsdruck? „Das tangiert mich nicht“, sagt Meeuw, „ich stehe unter meinem eigenen Erwartungsdruck. Der ist für mich viel wichtiger.“ Und der heißt schlicht: Bestzeit schwimmen.
Bei diesem Vorhaben wird ihm auch in Peking sein Frankfurter Heimtrainer Jörg Bügner, Landestrainer beim Hessischen Schwimmverband, zur Seite stehen - ein großes Plus. „Es hilft natürlich, wenn man einen Ansprechpartner dabei hat, der einen kennt, der weiß, wie man drauf ist“, sagt Meeuw. Für ihn sind es nach Athen 2004 die zweiten olympischen Spiele, wenngleich die Ausgangssituation nun eine völlig andere ist als noch vor vier Jahren. „Damals war es eine Überraschung, dass ich überhaupt dabei war“, sagt Meeuw. In Athen landete er auf den Plätzen 13 und 18. Diesmal kann von Überraschung keine Rede sein. „Ich habe die Olympia-Norm insgesamt 24 Mal unterboten“, verdeutlicht er. Diesmal geht es für ihn nicht um zweistellige Plätze.
Letzter Test verlief hoffnungsvoll
Bis zum 6. August wird sich Meeuw mit den deutschen Schwimmern im Trainingslager in Kumamoto (Japan) noch den letzten Schliff holen. Während es für ihn hauptsächlich darum geht, sich an Zeitzone und klimatische Bedingungen zu gewöhnen, steht für Meike Freitag dort wesentlich mehr auf dem Spiel: In einem internen Wettkampf am 3./4. August wird die Besetzung der Staffeln ausgeschwommen. Meike Freitag hofft auf einen Startplatz in der 100- und in der 200-Meter-Freistilstaffel. Die Chancen über die längere Strecke stehen ausgezeichnet, „über die 100 Meter wird es etwas enger“, sagt sie.
Der letzte Wettkampftest beim Meeting in Magdeburg verlief freilich hoffnungsvoll: Meike Freitag schwamm Bestzeit, „und das aus dem Training heraus. Das war nicht unbedingt zu erwarten.“ So wird die Frankfurterin bei den Spielen in Peking denn ihren dritten Auftritt bei Olympia haben, nach 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney. „Ich bin nicht mehr ganz so hibbelig wie vor zwölf Jahren“, sagt sie. „Man weiß, was auf einen zukommt, man kennt den Ablauf, darum kann man es ein bisschen mehr genießen.“
Vertraut gemacht haben sich die deutschen Schwimmer auch schon mal in einem Testwettkampf mit der Schwimmhalle in Peking, dem „Water Cube“. Helge Meeuw hat er gefallen. Gut fürs Unterbewusstsein - mehr aber auch nicht. Denn, bei aller Olympia-Aufregung: „Die Bahn in Peking“, sagt Meeuw, „ist schließlich genauso 50 Meter lang wie die in Frankfurt.“