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Silber und Bronze in der Dressur Genial und rätselhaft

19.08.2008 ·  Weil Satchmo in der Kür einen Aussetzer hatte, musste Isabell Werth im Dressureinzel mit der Silbermedaille vorlieb nehmen. Dritte wurde Heike Kemmer auf Bonaparte. Geschichte schrieb Anky van Grunsven mit ihrem dritten Olympiasieg in Folge.

Von Hans-Joachim Leyenberg, Hongkong
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Auch wenn sie es nicht öffentlich eingestand: Isabell Werth dürfte sich am Dienstag abend vom Wallach Satchmo in Stich gelassen gefühlt haben. Bei der Kür mit Musik gebärdete sich der Hannoveraner wie schon beim Grand Prix Special - die Prüfungen wurden für die Einzelwertung addiert - bei der Piaffe widerspenstig. So etwas stört natürlich den Gesamteindruck gehörig, denn das Ziel allen Bemühens lautet stets: reich an Höhepunkten, frei von Fehlern und das alles noch harmonisch im Einklang mit der Musik. Das bekam die Niederländerin Anky van Grunsven mit Salinero im Reitstadion zu Hongkong am besten hin.

Im Schatten des Dauerduells zweier Damen aus den Nachbarländern Deutschland und Holland holte Heike Kemmer aus Winsen mit Bonaparte Bronze. Sie wurde damit für ihre schmissige Kür mit Ohrwürmern wie „Monday, Monday“, „Good Vibrations“ und „Puppet on the String“ belohnt. „Bis auf einen kleinen Fehler war es ein perfekter Vortrag“, sagte die Niedersächsin und fügte hinzu: „Ich habe heute noch mit dem Pferd gesprochen und ihm gesagt, dass ich eine Einzelmedaille haben will.“ Sie will, auf den Geschmack gekommen, das Kunststück in London 2012 wiederholen.

Satchmos Macken gehören der Vergangenheit an - dachten die Fachleute

Dort wird der heute achtzehnjährige Salinero nicht mehr am Start sein. Anky van Grunsven wohl auch nicht, „es sei denn, mir schenkt jemand ein ähnlich tolles Pferd“. „Ich bin nicht mehr ganz so jung und muss mich auch um meine Kinder kümmern“, sagte die zweifache Mutter. Ihren Triumph, so wollte sei weismachen, „kann ich immer noch nicht glauben, ein Traum ist wahr geworden, der unglaubliche Traum, Gold zu holen“. Anky van Grunsven baute damit ihre imponierende Serie auf drei Olympiasiege in Serie aus. 2000 siegte sie mit Bonfire, 2004 wie diesmal mit Salinero.

Am Ende der Dressurtage von Hongkong können die deutschen Dressurreiterinnen immerhin auf Gold (in der Teamwertung), Silber und Bronze zurückblicken, wobei eine leise Enttäuschung über den hochbegabten, aber schwierigen Satchmo zurückblieb. Vielleicht wäre Isabell Werth besser beraten gewesen, auf die Piaffe an der Kopfseite des Vierecks zu verzichten. Satchmos Macken, so war man sich sicher, gehörten der Vergangenheit an. Wie sich doch selbst Fachleute täuschen können.

Das Dauerduell der unterschiedlichen Stilistinnen

Isabell Werth versuchte, nach dem Patzer die Fassung zu bewahren, die Enttäuschung war ihr allerdings deutlich anzumerken. „Schade, es war die beste Kür auf Satchmo. Aber nach so meinem Fehler ist das natürlich schon sehr enttäuschend“, sagte sie. Bereits zum Auftakt des Special am Samstag hatte er gebockt. „Das Pferd ist eben so genial, da passiert so was schon mal“, sagte Isabell Werth, sie wirkte dennoch etwas ratlos: „Ich kann es mir nicht erklären, dass es wieder zu dem Fehler kam.“ Weil es nun bei insgesamt fünf Goldmedaillen in der Laufbahn von Isabell Werth bleibt, kann sie vorerst nicht in die sportlichen Sphären eines Reiner Klimke vordringen.

Das Dauerduell der beiden unterschiedlichen Stilistinnen im Dressursattel, Anky van Grunsven auf der einen, Isabell Werth auf der anderen Seite, währt nun schon 15 Jahre. 2004 in Athen war Isabell Werth allerdings gar nicht am Start. Dem Gleichklang bei der Wahl der Kompositionen („Hymn for Emotion“) für Satchmo, („Dance of Devotion“) für Salinero folgten Wertungen, die sich am Dienstag letztlich um gut zwei Prozentpunkte voneinander unterschieden.

Als könnten sie in ihre Vierbeiner hineinhorchen

Isabell Werths knapper Vorsprung, den sie sich im Special erobert hatte, war spätestens nach Satchmos Fauxpas dahin. Die olympische Dressur bleibt so oder so fest in Frauenhand. Seit 1984 in Los Angeles, als Reiner Klimke mit Ahlerich die Goldmedaille gewann, standen ausnahmslos Frauen auf der obersten Stufe des Treppchen.

Früher zählte zu den olympischen Aufgaben eines Dressurpferdes, über sechs bis zu 1,10 Meter hohe und drei Meter breite Hindernisse zu springen. Heute müssen Dressurpferde, jedenfalls in der Kür - eine Erfindung der Neuzeit - auch noch musikalisch sein. Was den Rössern mehr liegt? Wer weiß das schon außer ihren Reitern in Frack und Zylinder, die sich immer so anhören, als könnten sie in ihre Vierbeiner hineinhorchen und dabei letzte Wahrheiten gewinnen.

Balagur begann als Polizeipferd

Etwa welche Musik die zum Typus passende sei. Sollte selbst das nicht vom Militär gerittene Pferd einst „gänzliche Vertrautheit bei Trommel, Schuss und Fahne zeigen“, so gilt der Anspruch heute für Klänge von Abbas „Chess“ bis zu Bernsteins „West Side Story“. Dazu sollen die Sportpferde die entsprechende Figur abgeben, harmonisch im Einklang mit der Musik.

Zum Beispiel einer wie Balagur. Der Warmblüter der Russin Alexandra Korelowa, der im Klassefeld der Elite Sechster wurde, ist wie geschaffen für eine so anspruchsvolle Angelegenheit. Der Achtzehnjährige, seit sechs Jahren im Stall der Dame aus den Weiten Sibiriens, hat mal als Polizeipferd angefangen. Elena Petruschkowa, die 1970 als erste Frau eine Weltmeisterschaft gewann, entdeckte das Talent Balagurs, dessen Künste in Deutschland entscheidend verfeinert wurden. Monica Theodorescu, in Hongkong als Ersatzreiterin des deutschen Teams dabei, ist nicht unschuldig an den Fortschritten der Kombination Balagur/Korelowa.

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Jahrgang 1943, Sportredakteur.

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