31.07.2008 · Russlands Leichtathletik wird von einem Dopingskandal erschüttert. Sieben russische Olympia-Athletinnen sollen Proben manipuliert haben. Ausfälle wegen Dopings sind jedoch nicht nur in Russlands Leichtathletik festzustellen.
Eine Woche vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking wird Russlands Leichtathletik von einem Dopingskandal erschüttert. Wie der Internationale Leichtathletikverband (IAAF) am Donnerstag mitteilte, wurden sieben russische Athletinnen, darunter drei olympische Goldhoffnungen, wegen des Verdachts der Manipulation von Dopingproben vorläufig gesperrt. Sie würden definitiv nicht bei Olympia an den Start gehen, obwohl die Schuld der Sportler nicht erwiesen sei, sagte Verbandspräsident Valentin Balachnitschew.
DNA-Auffälligkeiten sind ausschlaggebend für die Entscheidung der IAAF gewesen. Bei neuerlichen Analysen von gelagerten Dopingproben aus dem vergangenen Jahr wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt. Diese Methode verfolgt der Weltverband nach eigenem Bekunden seit mehr als einem Jahr. Die Athleten werden beschuldigt, bei Dopingkontrollen den Urin in betrügerischer Absicht ausgetauscht zu haben, so die IAAF. Dies ist ein Verstoß gegen Regel 32.2 des Weltverbandes und wird wie eine positive Dopingprobe gewertet. Balachnitschew zeigte sich verärgert und forderte die IAAF zu einer Stellungnahme auf. Die russische Regierung hatte zuletzt mitgeteilt, den Kampf gegen das oft organisierte Doping zu forcieren.
Olga Jegorowa hat schon 2001 traurige Berühmtheit erlangt
Zu den vorläufig Gesperrten gehören die frühere Weltmeisterin über 5000 Meter, Olga Jegorowa, Hallen-Weltrekordlerin Jelena Sobolewa, Europameisterin Tatjana Tomaschowa und Julia Fomenko, die Zweite der Hallen-WM (alle 1500 Meter) sowie die Europameisterin Darja Pischchalnikowa (Diskuswurf) und die EM-Dritte Gulfija Khanafejewa (Hammerwurf). Olga Jegorowa hat schon 2001 traurige Berühmtheit erlangt; sie war damals eine der ersten überführten Epo-Sünderinnen. Allerdings führte die Analyse des Pariser Labors nicht zu einer Sperre.
Die IAAF musste eingestehen, dass bei Jegorowa nicht das seit den Olympischen Spielen in Sydney 2000 wissenschaftlich wie rechtlich anerkannte kombinierte Blut/Urin-Verfahren angewandt worden war, sondern allein die zwar aussagekräftige, aber zum damaligen Zeitpunkt noch nicht abgesicherte Urin-Methode. So konnte sie bei den Weltmeisterschaften in Edmonton starten und unter dem Protest von Zuschauern wie Gegnerinnen den Titel über 5000 Meter holen. Valentin Balachnitschew, schon 2001 Verbandspräsident, hatte empört jeden Verdacht gegen seine Athletin zurückgewiesen. Kurz darauf stellte sie in Berlin sogar einen Weltrekord auf.
Ausfälle wegen Dopings sind vor Peking nicht nur in Russlands Leichtathletik festzustellen. Das Nationale Olympische Komitee Rumäniens (COSR) muss über die Teilnahme der beiden 1500-Meter-Läuferinnen Elena Antoci und Cristina Vasiloiu nachdenken. „Sie stehen unter Verdacht“, sagte Octavian Morariu, Vorsitzender des COSR. Grund sei bei beiden Athletinnen ein erhöhter Hämoglobinwert in der A-Probe, der ein Hinweis auf Epo-Doping sein kann. „Wir werden nun das Ergebnis der B-Probe abwarten“, sagte Morariu. Vor drei Wochen erst war 1500-Meter-Läuferin Liliana Popescu in der A-Probe auffällig geworden. Das Ergebnis der B-Probe steht aus.