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Kommentar Die vergebliche Jagd nach dem Olympia-Trend

22.08.2008 ·  Die olympische Gesellschaft altert. Deshalb versucht das IOC, sich der Jugend der Welt mit Trendsport anzubiedern. 2008 ist es BMX, 2012 Skateboard. Bemühungen, die nur noch mit Ironie zu beobachten sind. Golf oder Squash könnten es doch auch mal probieren, oder?

Von Cai Tore Philippsen
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Die Jugend der Welt trifft sich zu den Olympischen Spielen und zu Hause sitzen nur Oma und Opa vor dem Fernseher. Das ist nicht nur in Deutschland so, wo der Zuschauer der öffentlich-rechtlichen Olympiasender ARD und ZDF durchschnittlich bald sechzig Jahre alt ist.

Wer schaut sich Olympia dann in zwanzig Jahren noch an, haben sich die alten Herren im Internationalen Olympischen Komitee gefragt? Schließlich sind die Fernsehmilliarden ihr Lebenselixier. Und so hat das IOC den Kampf um die Teenager der Welt ausgerufen, veranstaltet 2010 in Singapur zum ersten Mal Olympische Jugendspiele.

Wohlstandskinder wollen nicht mehr beim Schießen zuschauen

Im Ringen um Aufmerksamkeit zählt Tradition nur noch wenig. So schickte Deutschland den Neuling Dirk Nowitzki und nicht wie üblich einen erfolgreichen Olympioniken als Fahnenträger in die Eröffnungsfeier, damit der Funke auch auf die jungen Leute überspringe (siehe auch: Olympia 2008: Nowitzki deutscher Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier).

Die Wohlstandskinder wollen nicht mehr beim Schießen zuschauen, für einen Marathon fehlt ihnen die Geduld, und das Einzelzeitfahren auf dem Rad finden sie einfach öde. Die mittlerweile erwachsene MTV-Generation und ihr You-Tube-Nachwuchs will ständig unterhalten werden; wenn nichts passiert, wird weggezappt und weitergeklickt. Die Teenies wollen nicht mehr im spießigen Verein Wettkampfsport betreiben, sondern Funsport in der Clique. Nervenkitzel ist gefragt, nicht Trainingsalltag.

Baseball verschwindet nach 2008 wieder, BMX könnte auch scheitern

Deswegen feierte BMX nun olympische Premiere. Auf kleinen Rädern rasen die Männer und Frauen über einen Rundkurs mit Rampen, Hügeln und Steilkurven. Ein Durchgang dauert ein paar Sekunden, es gibt spektakuläre Sprünge und üble Stürze. Die harten Kerle auf zwei Rädern müssen in China früh aufstehen, damit der amerikanische Olympiasender NBC das Spektakel in der besten Sendezeit präsentieren kann.

Doch ist BMX eine Disziplin, die in der Sportwelt irgendeine Bedeutung hat? Was dem IOC mit Mountainbike, Snowboard und Triathlon gelungen ist, könnte mit BMX scheitern. Baseball verschwindet nach 2008 wieder. Das Spiel sollte den amerikanischen Fernsehmarkt glücklich machen, doch die Profis aus der Major League Baseball (MLB) scherten sich nicht um Olympia, und außerhalb von Japan, Kuba, Taiwan und Amerika interessiert sich niemand ernsthaft für das zumindest mit unseren europäischen Augen schwer durchschaubare Ballspiel.

Die schwere Jagd nach dem Trend

2012 in London wird dann auch noch Skateboard gefahren. Das Brett hat zwar vier Räder, wird aber vom Internationalen Radsportverband vertreten. Nur so konnte das IOC seine eigenen Regeln umkurven. Denn einen neuen Sport zu etablieren, ist viel schwerer, als eine neue Disziplin aufzunehmen.

Vielleicht hätte Rugby eine Chance, wenn es sich über ein Jahrhundert nach der Abspaltung des Fußballs vom Rugby endlich von der Last seiner Tradition lösen und dem Fußballverband anschließen würde. Und Golf könnte doch ganz bestimmt als Unterdisziplin bei den Hockeyspielern unterkommen - beide Sportarten haben doch schließlich ähnliche Schläger in beiden Händen, oder? Für die Squasher böten sich die Kollegen vom Tischtennisverband als olympiaermöglichende Freunde an. Die Bälle sind ja schließlich ähnlich groß.

Das Beispiel Squash zeigt noch etwas anderes. In den achtziger und neunziger Jahren wurden landauf, landab unzählige Boxen gebaut, heute stehen sie leer. Überall auf der Welt versuchen Trendscouts meist vergeblich herauszufinden, was der Teenager von morgen cool findet. Warum sollte dieses Kunststück ausgerechnet dem IOC gelingen? (siehe auch: Der olympische Kampf um die Jugend der Welt)

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