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Kommentar Der Rettungsring Britta Steffen

15.08.2008 ·  Dem Deutschen Schwimmverband ist die Totalblamage erspart geblieben. Britta Steffens Gold verdeckt die Wunde vorerst. Nach den Spielen steht jedoch eine genauere Untersuchung der Wehwehchen an.

Von Bernd Steinle
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Das Finale über 100 Meter Freistil der Frauen geriet aus Sicht des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) zu einer Miniatur dieser olympischen Schwimmwettbewerbe in Peking: bei Halbzeit Letzte im Feld, dann am Ende ein Erfolg, den kaum noch jemand für möglich gehalten hätte – die erste olympische Goldmedaille für die deutschen Schwimmer, seit Dagmar Hase 1992 in Barcelona Olympiasiegerin über 400 Meter Freistil wurde.

Der Sieg von Britta Steffen war für den DSV ein unverhoffter Rettungsring in höchster Seenot – zu einem Zeitpunkt, als den deutschen Beckenschwimmern schon das größte anzunehmende Ungemach drohte: ohne Medaillengewinn von den Spielen in Peking nach Hause reisen zu müssen.

Ein Kunststück, das van Almsick verwehrt blieb

Umgehend stellten sich die ersten Zeichen der Entwarnung ein. Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes und Chef de Mission in Peking, Michael Vesper, nannte Britta Steffens Erfolg „eine späte Genugtuung für das deutsche Schwimmen“. Eine Genugtuung? Das könnte diese Goldmedaille höchstens für Britta Steffen selbst sein – auch wenn sie eine solche vermutlich nicht empfindet.

Mit ihrem Olympiasieg gelang ihr ein Kunststück, das dem einstigen deutschen Schwimmstar Franziska van Almsick stets verwehrt blieb. Jener Franziska van Almsick, gegen die Britta Steffen im Wettkampf so oft das Nachsehen hatte, während sie ihr im Training so oft davonschwamm.

Nach Olympia Wundbeschau

Zudem ist der Olympiasieg für Britta Steffen auch eine Bestätigung für ihre umstrittene Entscheidung, in Peking nicht in der 4 × 200-Meter-Freistilstaffel anzutreten. Die deutsche Staffel schied im Vorlauf aus, von einer Medaille war sie fast zwölf Sekunden entfernt. Die kann selbst eine Britta Steffen schwerlich wettmachen.

Das Beispiel 4 × 200-Meter-Staffel zeigt, dass die ersehnte Goldmedaille dem deutschen Schwimmsport allenfalls ein wenig Luft verschafft hat. Sie sei wie ein Pflaster auf der Wunde, sagte Cheftrainer Örjan Madsen. Nach Olympia müsse man dieses Pflaster abreißen und sehen, wie groß die Wunde wirklich ist.

Britta Steffen hat ein Zeichen gesetzt

Madsen selbst macht sich da nichts vor. „Das Gold überdeckt nicht den schlechten Zustand insgesamt“, sagt er. Das kann der Norweger deshalb so deutlich sagen, weil er nach den Spielen aufhört. Die DSV-Spitze ist dabei, die neue Führung, bestehend aus einem Sportdirektor und einem Cheftrainer, zusammenzustellen. Sie wäre gut beraten, die Empfehlung Madsens zu beherzigen, wonach der Cheftrainer, anders als sein Vorgänger, die Chance haben muss, seine Schwerpunkte und seine Methoden, im Zusammenspiel mit den Stützpunktleitern, auch durchzusetzen – nicht dirigistisch, sondern kooperativ.

Britta Steffen hat ein Zeichen gesetzt, was selbst in Zeiten dramatischer Leistungssteigerungen in der Weltspitze auch in Deutschland im Schwimmen möglich ist – ein Zeichen von kaum schätzbarem Wert, für ihren Sport, aber auch für sie selbst. „Eine olympische Medaille“, sagt der Amerikaner Michael Phelps, und der hat weiß Gott genug Erfahrung damit, „die bleibt dir für immer, egal was passiert, die wirst du immer an deiner Seite haben.“ Britta Steffen hat sich dieses Gefühl nach Jahren voller Rückschläge und Enttäuschungen hart erarbeitet.

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