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Großes Tennis Zwischen Pomp und Peking

26.08.2008 ·  Eine rauschende Party sollten die US Open werden, noch größer, noch glamouröser als in den Jahren zuvor. Doch gerade die Olympiasieger Rafael Nadal und Elena Dementjewa schwebten am ersten Turniertag noch zwischen Jetlag und Goldfieber.

Von Thomas Klemm
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Das haben sich die Amerikaner schön ausgedacht! Eine rauschende Party sollten die US Open gleich von Beginn an werden, noch größer, noch glamouröser und mit noch mehr Publikum als in den Jahren zuvor. Die übliche Vorabbegeisterung der New Yorker Veranstalter schien sich geradezu ins Unermessliche gesteigert zu haben. Der Kartenvorverkauf deutete schon auf einen Zuschauerrekord hin, und der amerikanische Tennisverband tat das Seinige, um die Stimmung anzuheizen, und plante eine Jubiläumsfeier mit Pomp und Pathos. Als am Montag die Party zum vierzigjährigen Bestehen der Open-Ära dann über die Tennisbühne ging, hielt sich jedoch die gute Laune in Grenzen: und das, weil der Schatten der Olympischen Spiele bis New York reicht.

Halbe Weltreise und mentale Leere

Es sind vor allem die Olympiateilnehmer von gestern, die nicht recht teilhaben mögen an der Festtagsstimmung von heute. Zwar sind sie als Handlungsreisende in Sachen Tennis gewohnt, von einem Turnier zum nächsten zu hetzen. Doch zwei Großereignisse direkt in Folge – das ist selbst den Mittzwanzigern des Guten zu viel.

Vor allem die Goldmedaillengewinner Rafael Nadal und Elena Dementjewa wussten am ersten Turniertag gar nicht, wie ihnen geschah. Der Spanier klagte über seine halbe Weltreise, um schnell von Peking nach New York zu kommen, und er beklagte seine mentale Leere. Die Russin, die immer noch vom olympischen Geist beseelt ist, erschreckte die Amerikaner mit der Feststellung, in ihrer Heimat kenne zwar jeder die Olympischen Spiele, aber kaum jemand das Grand-Slam-Turnier.

Reizüberflutung mit dem Racket

Bei den Tennisprofis ist die Reizüberflutung in New York besonders groß, weil sie in diesem Jahr wegen Olympia einen noch strafferen Turnierplan hinter sich haben als gewöhnlich. Darum werden ihnen kleinere Ausfälle eher verziehen als jenen, die nicht mehr das Racket schwingen, sondern repräsentieren sollen. Dass sich eine Reihe von Altstars bei der Feier zum Open-Jubiläum ihrer öffentlichen Rolle verweigerten, drückte die Stimmung spürbar: Die mit Glanz und Glamour verwöhnte Öffentlichkeit bemerkte am Montag weniger jene Champions wie Boris Becker, die aus dem Kreise der 39 noch lebenden Turniersieger angereist waren; sondern sie reagierte vergrätzt ob all jener, die nicht das Rampenlicht suchten.

Dass unter denen, die durch Abwesenheit glänzten, ihre Landsleute Jimmy Connors, Pete Sampras, Andre Agassi sowie dessen Frau Steffi Graf waren, empfanden die Amerikaner geradezu als Affront. Diese Startprobleme haben gezeigt, dass die diesjährigen US Open ihren Platz zwischen Pomp und Peking noch finden müssen. Vielleicht schafft es ja der Sport, dass die zweiwöchige Show-Veranstaltung zum Erfolgserlebnis wird.

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