23.08.2008 · Eigentlich schade, dass erst jetzt, gegen Ende der Olympischen Spiele, die Phase der interkulturellen Gesprächseröffnungen anfängt. Es dauert einfach ein paar Wochen, bis die Menschen auftauen, selbst im dampfenden Peking.
Von Evi Simeoni, PekingEigentlich schade, dass erst jetzt, gegen Ende der Olympischen Spiele, die Phase der interkulturellen Gesprächseröffnungen anfängt. Es dauert einfach ein paar Wochen, bis die Menschen auftauen, selbst im dampfenden Peking. Doch nun wird endlich losgelegt nach dem Motto: Was die Chinesen schon immer über ihre Besucher wissen wollten, sich aber lange nicht zu fragen trauten. Plötzlich schießen sie los.
Die neueste Variante, vorgetragen in einem etwas schlüpfrigen und gleichzeitig verwunderten Ton: „Stimmt es eigentlich, dass die Deutschen von ihrer Regierung dazu aufgefordert wurden, mehr Kinder in die Welt zu setzen?“ Antwort: „Ja, das stimmt, aber wir sind auch nur 80 Millionen Einwohner, und unsere Bevölkerung schrumpft.“
„Wir sind zu viele“
Der junge Chinese, der sich zu fragen traute, wiegt den Kopf und sagt: „Wir sind viel zu viele. Schauen Sie sich Peking an. Überall Menschen. Wir werden uns bemühen, nun an der Qualität der Menschen zu arbeiten.“ Er ist Student, einer von Zigtausenden, die sich während der Spiele als Freiwillige Helfer einbringen, und arbeitet am Empfang eines IOC-Büros. Nun vertieft er sich erst einmal in ein Lehrbuch, aber er scheint sich vor lauter Neugier nicht konzentrieren zu können.
Olympiasieger Michael Gross ist irritiert von den Spielen in Peking. Bei seinem einwöchigen Besuch stellte der ehemalige Schwimmstar fest, dass die Spiele mehr und mehr zum Zirkus werden, der mit dem realen Leben nichts mehr zu tun hat. Im FAZ.NET-Video erzählt Gross von seinen Erlebnissen.
Eine weitere Frage drängt heraus. „Stimmt es eigentlich, dass die Deutschen in ihren Küchen eine erhebliche Anzahl von Messgeräten und Messbechern haben?“ Mal nachdenken: Stimmt das? Zugegeben: Ein paar Messbecher, Normlöffel und eine Präzisionswaage gehören heute schon zum Standard. Aber warum diese Frage?
„Bei uns ist Kochen keine Wissenschaft“
„Man sagt hier, dass die Deutschen beim Kochen alle Zutaten genau abmessen. Sie kochen nur nach Rezept“, berichtet der junge Mann verwundert, so verwundert, wie auch manch ein Fremder über China spricht. Dann wird er aber bitterernst: „Im Gegensatz dazu ist bei uns in China das Kochen keine Wissenschaft, sondern eine Kunst.“ Soso, junger Mann. Sie studieren wohl Ernährungswissenschaften?
„Nein“, sagt er. „Ich studiere Jura. Ehrlich gesagt, macht es mir aber keinen Spaß.“ Trotzdem, kommt heraus, will er das Studienfach nicht wechseln. Und zwar, weil man hier offenbar erst sein Studienfach nicht wechseln darf und anschließend schon zu weit fortgeschritten ist, um es noch zu tun.
Sein Vorbild ist Bill Gates
„Macht aber nichts“, erklärt der junge Mann. „Ich werde mein Examen machen und dann in einem anderen Beruf arbeiten.“ In welcher Branche? „Egal“, sagt er. „Vielleicht Elektronik.“ Elektronik? Wieso? Der junge Chinese ist kein bisschen verlegen. Er weiß nämlich genau, was er will. Sein Vorbild, sagt er, sei Bill Gates.