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Zwei Medaillen für die deutschen Schützen Der Nachfolger und sein Vorbild schießen Silber und Bronze

16.08.2008 ·  Ralf Schumann und Christian Reitz sind als Favoriten nach Peking gereist, lagen weit zurück und gewannen am Ende zwei Medaillen. Und die deutschen Schützen haben nach vielen Jahren der Suche einen Nachfolger für den fünfmaligen Medaillengewinner Schumann gefunden.

Von Elisabeth Schlammerl, Peking
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Mit der Ruhe eines olympischen Routiniers lehnte sich Ralf Schumann im Stuhl zurück und wartete auf das, was ihm dieser Tag in Peking noch bescheren würde. Er hatte seine Arbeit im Finale des Wettbewerbs mit der Schnellfeuerpistole getan, allerdings nicht so gut, wie sonst. 779,2 Ringe sind für den 46 Jahre alten Sachsen ein höchst durchschnittliches Resultat. Beim Weltcup in München hatte er im Mai immerhin 790 Ringe geschafft, das war damals Weltrekord gewesen.

Aber die anderen Schützen, diejenigen, die nach der Qualifikation auf den Medaillenplätzen lagen und am Ende des Finales ran mussten, hatten keinen großen Vorsprung. Er habe deshalb fast damit gerechnet, sagte er später, als er tatsächlich Silber gewonnen hatte und Reitz Bronze, dass es für eine Medaille reiche. „Ich weiß ja, wie es ist, da vorne zu stehen. Das muss man erst einmal ertragen.“

Die fünfte Olympiamedaille für Schumann

Ralf Schumann stand bei Olympia schon oft da vorne am Schießstand und ertrug es fast immer ganz gut. Peking sind seine sechsten Sommerspiele; dreimal gewann er Gold, 1992, 1996 und 2004. Bei seinem Debüt 1988 holte er Silber, nur in Sydney 2000 ging er leer aus. Und nun gab es noch einmal Silber. Dass es wieder geklappt hat mit einer Medaille, ist für Schumann, den praktizierenden Christen, kein Zufall. „Ich habe das alles Jesus zu verdanken. Er hat mir die Kraft gegeben. Ich weiß, dass er mir beisteht, auch wenn ich hier Letzter geworden wäre.“

Nur der Ukrainer Oleksandr Petriv schoss am Samstag mit 780,2 Ringen besser. Reitz landete mit 0,9 Ringen Rückstand auf dem dritten Platz und wusste zunächst nicht so recht, ob er sich über Bronze freuen oder ein bisschen ärgern sollte. Im letzten der vier Durchgänge hatte der Einundzwanzigjährige aus Löbau einmal eine Sieben vor dem Komma statt einer Zehn geschossen. „Das hätte mir fast das Genick gebrochen. Dass es dann noch zu Bronze gereicht hat, war schon Glück.“

„Ich habe den Puls unter dem Hörschutz gut gehört“

Vor gut einem halben Jahr hatte Reitz höchstens davon geträumt, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Er musste sich erst einmal in die deutsche Mannschaft schießen nach erfolgreichen Jahren bei den Junioren, um sich um ein Peking-Ticket bewerben zu können. Bei seinem Weltcup-Debüt in Rio de Janeiro landete er gleich auf Rang eins, es folgte ein zweiter Platz in München. In Mailand pulverisierte er den zwei Wochen zuvor von Schumann aufgestellten Weltrekord, schoss 794,0 Ringe und reiste deshalb als Medaillenkandidat nach Peking.

Dies zu verkraften, ist schwierig, selbst für einen nervenstarken und unbekümmerten Schützen wie Reitz. „Zwischendurch habe ich mein Handgelenk nicht fest bekommen. Und meinen Puls habe ich unter dem Hörschutz ganz gut gehört.“ Da half es ihm auch nicht, dass direkt am Stand daneben Schumann schoss. Der 25 Jahre ältere Kollege hatte ihn in den vergangenen Wochen ein bisschen auf Olympia vorbereitet. „Er ist ein Bezugspunkt für mich, aber zu sehr kann man sich nicht an anderen orientieren, sonst findet man seinen eigenen Weg nicht“, sagt Reitz.

„Jetzt haben wir den Nachfolger für mich gefunden“

Schumann ist überzeugt, dass Reitz den schon gefunden hat. „Wir haben in Deutschland lange einen Nachfolger für mich gesucht, jetzt haben wir ihn gefunden.“ Aber noch lässt er dem Jüngeren nicht den Vortritt. Wann das sein wird, „ist noch nicht klar.“ Schumann will auch 2012 in London dabei sein. „Ich bin zwar ein gesetzter Mann, aber nicht zu alt für den Sport.“

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