02.08.2008 · 235 Wochen hieß die Nummer eins der Tenniswelt Roger Federer. Nun wird Rafael Nadal den Schweizer ablösen. Wann genau, hängt von den nächsten Ergebnissen des Spaniers ab. Doch Zeit zum Auskosten der Ablösung hat er derzeit nicht.
Rafael Nadal hat es endlich geschafft: Der Spanier wird nach drei Jahren als Kronprinz neuer Tennis-König. Nadal erreichte am Freitag (Ortszeit) mit 7:6 (7:3), 6:1 über Nicolas Lapentti aus Ecuador das Halbfinale beim Masters-Turnier in Cincinnati und feierte damit den letzten notwendigen Sieg, um Roger Federer als Nummer eins abzulösen.
Der Schweizer hatte am 2. Februar 2004 die Spitze übernommen und mit seiner 235 Wochen dauernden Regentschaft für einen Rekord gesorgt. „Ich bin sehr glücklich, denn die Nummer eins ist ein Geschenk für die viele Arbeit in der Vergangenheit“, sagte Nadal, „andererseits will ich oben bleiben. Mein Ziel ist, bei den Olympischen Spielen und den US Open weiterzumachen - also keine Zeit zum Freuen.“
Wann wird Nadal offiziell den Thron besteigen?
Die Glücksgefühle seien anders als die spontane Freude nach einem Finalsieg bei den French Open oder Wimbledon, erklärte Nadal, der als dritter Spanier nach seinem am Freitag ausgeschiedenen Mentor Carlos Moya und Juan Carlos Ferrero die Nummer eins wird. Seit Einführung der Computer-Weltrangliste vor 35 Jahren ist der Rechtshänder, der Tennis aber mit links spielt, der 24. Spitzenreiter. Seit dem 25. Juli 2005 war er die Nummer zwei - niemand vor ihm belegte so lange ununterbrochen diesen Rang.
Offen ist noch, wann der 22-Jährige den Thron offiziell besteigen wird. Sollte das Kraftpaket aus Mallorca in der Nacht zum Sonntag das schwere Halbfinale gegen Australian-Open-Sieger Novak Djokovic verlieren, wird er erst nach dem Olympia-Turnier am 18. August ganz vorn stehen. Falls Nadal in das Endspiel von Cincinnati einzieht, wird er bereits am 11. August die Führung in der Rangliste übernehmen. Gewinnt er das Turnier, reist er bereits an diesem Montag als Nummer eins zu den Olympischen Spielen nach Peking.
Kohlschreiber: „Ich habe nicht viel falsch gemacht“
Bevor Nadal gegen Lapentti seine persönliche Rekordsiegesserie auf 32 Erfolge ausbaute, zog der Serbe Djokovic mit 6:3, 6:4 gegen den Letten Ernests Gulbis in die Vorschlussrunde ein. Im ersten Semifinale traf der Schotte Andy Murray am Samstag auf den Kroaten Ivo Karlovic. Der 2,08 Meter große Karlovic hatte Philipp Kohlschreiber im Viertelfinale mit 7:6 (8:6), 7:6 (7:3) bezwungen.
„Ich habe nicht viel falsch gemacht. Ich bin zweimal in den Tiebreak gekommen, habe da nicht das beste Tennis gespielt - das hat den Ausschlag gegeben“, sagte Kohlschreiber nach seiner ersten Erfahrung gegen den wohl besten Aufschläger auf der Tour.
Schüttler hofft noch auf kurzfristiges Olympia-Ticket
Kohlschreiber erging es wie zuvor Federer: Der Augsburger gab nicht einmal seinen Aufschlag ab und schied trotzdem aus, auch weil Karlovic aus seiner Sicht von der Grundlinie gut spielte. Der Olympia-Teilnehmer flog trotz der Niederlage insgesamt zufrieden am Samstag zurück nach Deutschland, wollte daheim einmal übernachten und sich nach dem „kurzen Boxenstopp“ bereits am Montag auf die Weiterreise nach Peking machen.
Dort soll Kohlschreiber neben dem Einzel im Doppel mit Nicolas Kiefer antreten. Mit Blick auf Rainer Schüttler, der noch immer auf ein Olympia-Ticket in letzter Minute hofft, erklärte der Davis-Cup-Spieler: „Mir wurde von Anfang an erzählt, dass ich Doppel spiele und sich daran nichts ändern wird - egal wer mitkommt.“
„Momentan verdiene ich diesen Platz nicht“
Unterdessen hat Jelena Jankovic den Sprung auf Platz eins der Damentennis-Weltrangliste abermals verpasst. Beim WTA-Turnier in Montreal verlor Jankovic ihr Viertelfinale gegen Dominika Cibulkova aus der Slowakei 5:7, 2:6 und ließ zum zweiten Mal innerhalb von 14 Tagen die Chance, French-Open-Siegerin Ana Ivanovic (beide Serbien) zu stürzen, ungenutzt. Jankovic zeigte sich nach der Niederlage selbstkritisch.
„Momentan verdiene ich diesen Platz nicht, weil ich nicht in Bestform bin. Ich denke aber auch gar nicht groß darüber nach. Sollte es irgendwann passieren, dann passiert es eben“, sagte die 23-Jährige. Jankovic hätte in Montreal das Finale erreichen müssen, um die Spitze zu übernehmen. Ivanovic war im Achtelfinale an Tamira Paszek (Österreich) gescheitert.
Die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste seit 1973:
1. Ilie Nastase (Rumänien), 23. August 1973, 40 Wochen
2. John Newcombe (Australien), 3. Juni 1974, 8 Wochen
3. Jimmy Connors (Vereinigte Staaten), 29. Juli 1974, 268 Wochen
4. Björn Borg (Schweden), 23. August 1977, 109 Wochen
5. John McEnroe (Vereinigte Staaten), 3. März 1980, 170 Wochen
6. Ivan Lendl (Tschechosl./Ver. Staaten), 28. Februar 1983, 270 Wochen
7. Mats Wilander (Schweden), 12. September 1988, 20 Wochen
8. Stefan Edberg (Schweden), 13. August 1990, 72 Wochen
9. Boris Becker (Deutschland), 28. Januar 1991, 12 Wochen
10. Jim Courier (Vereinigte Staaten), 10. Februar 1992, 58 Wochen
11. Pete Sampras (Vereinigte Staaten), 12. April 1993, 286 Wochen
12. Andre Agassi (Vereinigte Staaten), 10. April 1995, 101 Wochen
13. Thomas Muster (Österreich), 12. Februar 1996, 6 Wochen
14. Marcelo Rios (Chile), 30. März 1998, 6 Wochen
15. Carlos Moya (Spanien), 15. März 1999, 2 Wochen
16. Jewgeni Kafelnikow (Russland), 3. Mai 1999, 6 Wochen
17. Patrick Rafter (Australien), 26. Juli 1999, 1 Woche
18. Marat Safin (Russland), 20. November 2000, 9 Wochen
19. Gustavo Kuerten (Brasilien), 4. Dezember 2000, 43 Wochen
20. Lleyton Hewitt (Australien), 19. November 2001, 80 Wochen
21. Juan Carlos Ferrero (Spanien), 8. September 2003, 8 Wochen
22. Andy Roddick (Vereinigte Staaten), 3. November 2003, 13 Wochen
23. Roger Federer (Schweiz), 2. Februar 2004, bisher 235 Wochen
24. Rafael Nadal (Spanien), spätestens ab 18. August 2008