Athen. Er fühle sich hier in Athen, so sagt Patrick Femerling, „fast wie der Letzte vom Schützenfeste“. Das ist nicht unbedingt die angenehmste Rolle. Patrick Femerling ist jetzt 33 Jahre alt und hat am Mittwochabend im letzten Vorrundenmatch gegen Neuseeland immerhin zum 200. Mal für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft gespielt.
Wann genau er sein erstes Länderspiel bestritt, daran vermag sich der älteste Spieler im Kader von Bundestrainer Dirk Bauermann beim besten Willen nicht mehr zu erinnern. „Es muss irgendwann im Jahr 1996 gewesen sein. Jedenfalls war es ziemlich aufregend“, erklärt der 2,15 Meter große Center von Alba Berlin.
Center gleich Femerling, so lautete die einfache Formel
Der Rekordnationalspieler und Kapitän der deutschen Nationalmannschaft hat vieles erlebt und erreicht in seiner langen wie erfolgreichen Karriere. Er ist bei der Weltmeisterschaft 2002 Dritter geworden, drei Jahre später Europameisterschaftszweiter. Mit Alba Berlin wurde er dreimal deutscher Meister, und in Spanien und in Griechenland ging der intelligente Athlet ebenfalls erfolgreich auf Korbjagd. In der Nationalmannschaft war Femerling seit Urzeiten auf der Center-Position gesetzt. Center gleich Femerling, so lautete die einfache Formel der letzten Dekade.
Es wäre wohl auch alles genauso weitergegangen in diesem Jahr. Zumindest bis zum Ende des olympischen Qualifikationsturniers in Athen oder gar bis zu den Spielen selbst, die auch für Femerling die ersten wären. Doch seit der „just in time“-Einbürgerung des Amerikaners Chris Kaman ist auf der Center-Position für Femerling ein unerwarteter, nicht mehr zu stemmender Konkurrenzdruck erwachsen. Gegen den stramm nach vorne drängenden 19-jährigen Tim Ohlbrecht hätte er, zumindest bis Peking, seinen Stammplatz wohl noch verteidigen können. Aber an Kaman, den Center der Los Angeles Clippers aus der NBA, kommt Femerling nicht mehr vorbei.
Bauermann: „Er ist alt genug, damit umzugehen“
Für Nationalcoach Dirk Bauerman ist Kaman „erste Wahl“, wie er es ausdrückt. Und deshalb findet sich Patrick Femerling plötzlich in Athen in der Rolle des Einwechselspielers wieder. „Es war wohl das erste Mal seit zehn Jahren, dass er nicht in der Anfangsformation stand. Ich weiß, dass ihm das nicht leicht fällt. Aber er ist alt genug, damit umzugehen“, sagte Bauermann am Dienstag nach dem Auftaktsieg gegen die Kapverdischen Inseln.
Der Trainer bezeichnet seine Center-Auswahl als eine „Qualität, die in die Tiefe geht. Von einem Überangebot möchte ich nicht reden. Ich nenne das Luxus - endlich einmal“, schwärmt Bauermann, wenn er aus dem Vollen schöpfen kann. Andere europäische Top-Mannschaften wie Spanien oder Griechenland wären ja in derselben Situation und auch gerade deshalb so erfolgreich, fügt Bauermann an. Jedenfalls ist er sichtbar froh um das in Deutschland so seltene Phänomen, aus gleich drei Center-Spielern den passenden auswählen zu können.
„Wer mit mehreren Varianten eröffnen kann, gewinnt meistens“
Denn Spieler, die die für die Mannschaft tragende Center-Rolle ausfüllen können, sind rar, weil die Ansprüche hoch sind. Sie sollten möglichst über 2,00 Meter groß, körperlich stark und fast massig sein. Ein ausgeprägt gutes Wurfgefühl darf nicht fehlen. Qualitäten, über die Patrick Femerling zweifelsohne verfügt. Chris Kaman aber ebenso und in allem noch einen Tick besser. Besonders im Rebound (Brettabpraller) ist der Deutschamerikaner der eindeutig effektivere Spieler - wenn er sich denn in die Mannschaft integriert hat.
Femerling selber sagt zu seiner unerwarteten Reservistenrolle das, was Spielern in solchen Situationen immer einfällt, weil es nicht falsch ist und niemandem weh tut: „Ich stelle mich in den Dienst der Mannschaft. Unser Ziel heißt Olympische Spiele. Ob ich daran von der Bank aus oder direkt auf dem Spielfeld mithelfe, ist mir egal.“ Der Riese aus Berlin wirkt in diesen Tagen fast wie ein Fossil aus längst vergangenen Basketballjahren.
Fossil Femerling hält als Mannschaftskapitän den Laden zusammen
In der griechischen Hauptstadt, in der sich das Team zu einer ausschließlich zielorientierten Zweckgemeinschaft zusammengefunden hat, ist Femerling fast ein wenig aus der Zeit gefallen. „Opfer bringen“, sagt Trainer Bauermann dazu - und Patrick Femerling ist womöglich ein erstes. „Er hält als Mannschaftskapitän den Laden zusammen. Patrick wirkt integrativ und ist außerhalb des Feldes genauso verlässlich wie als Center unter dem Korb“, beschreibt der Bundestrainer die neue Rolle von Deutschlands ältestem Basketball-Nationalspieler. Auf individuelle Befindlichkeiten kann und will Bauermann keine Rücksicht nehmen. Das Ziel Peking steht über allem.
Nicht von ungefähr wählt der Trainerstratege zum Thema „Center-Luxus“ den Vergleich mit dem Strategiespiel Schach. „Wer mit mehreren Varianten eröffnen oder sie situativ einsetzen kann, der gewinnt meistens“, erklärt der Fünfzigjährige. Patrick Femerling will sich in Athen nicht dazu äußern, wie lange er noch in der deutschen Nationalmannschaft spielt.
Endlich
Alexander Dennig (donbal)
- 17.07.2008, 17:51 Uhr
Shawn Bradley.....
Sebastian Mende (lunde_de)
- 17.07.2008, 18:14 Uhr
bradley, femerling....viele flops im deutschen basketball
Alexander Dennig (donbal)
- 18.07.2008, 17:20 Uhr
