12.08.2008 · Anja Mittag hat die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft mit dem Siegtreffer gegen Nordkorea ins Viertelfinale geschossen. Im FAZ.NET-Gespräch spricht die Stürmerin von Turbine Potsdam über ihre Rolle als Joker und die Glückwunsch-SMS von DFB-Präsident Theo Zwanziger.
Anja Mittag ist der Glücksgriff von Silvia Neid. Die Bundestrainerin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft hatte sich erst kurz vor Nominierungsschluss entschieden, die Stürmerin von Turbine Potsdam mit zu den Olympischen Spielen zu nehmen. Die oft mit Selbstzweifeln behaftete Mittag war an beiden Toren ihrer Mannschaft maßgeblich beteiligt. Nach der Vorarbeit des Siegtreffers gegen Nigeria hat Mittag nun den einzigen Treffer beim 1:0-Sieg Nordkorea selbst erzielt und Deutschland die Qualifikation fürs Viertelfinale gesichert. Im FAZ.NET-Gespräch erzählt Sie von Ihren Glücksgefühlen nach dem sechsten Länderspieltreffer im 48. Einsatz und den Glückwünschen von DFB-Präsident Theo Zwanziger.
Glückwunsch, Sie sind offensichtlich die perfekte Einwechselspielerin?
Eigentlich bin ich das im Klub natürlich nicht so gewöhnt, aber ich muss hier eben meine Chance nutzen. Dann probiert man eben sein Bestes.
Sie sind gegen Nigeria in der 63. Spielminute in ein zerfahrenes Spiel gekommen und haben umgehend den Siegtreffer vorbereitet. Jetzt sind Sie wieder in der 63. Minute hereingekommen und haben den Siegtreffer erzielt.
Das Einwechseln scheint mir auf jeden Fall Glück zu bringen, das ist richtig. Ich schieße ja in der Nationalmannschaft normalerweise nicht so viele Tore.
Haben Sie diese Entwicklung erwartet, nachdem Sie bis zum Nominierungsschluss als Wackelkandidatin galten?
Ich war mit dem Kopf ja lange gar nicht bei den Olympischen Spielen. Ich wurde erst nachnominiert für den Vorbereitungslehrgang. Als ich es am Ende in den Kader geschafft habe, war ich schon superglücklich. Dass es nun so gut läuft ist ein Traum.
Ist das auch eine Genugtuung, nachdem in der Frauenfußballszene gelästert wurde, Sie seien nur als erklärte Lieblingsspielerin von DFB-Präsident Theo Zwanziger quasi dank einer Wildcard ins Team gerutscht.
So was ist natürlich dummes Gerede. Dann hätte mich Silvia Neid ja auch nicht vorher aussortieren dürfen. Ich musste mich genauso wie alle anderen sportlich beweisen und habe das glücklicherweise rechtzeitig geschafft.
Hat Zwanziger Ihnen wenigstens schon gratuliert?
Ja, der Theo hat mir eine SMS geschrieben.
Was steht da drin?
Er hat geschrieben, dass er sich sehr für mich gefreut hat. Das hätte er aber wohl auch jeder anderen Spielerin so geschrieben, weil er uns alle gut leiden kann.
Sie gelten als Spielerin mit großen Selbstzweifeln. Sind die nun nach einem Torerfolg und einer Torvorlage verflogen?
Ich weiß zumindest, dass ich gut in Form bin und auch das nötige Quentchen Glück habe. Ich habe auch Selbstbewusstsein, aber eben nicht in übertriebenem Maße. Ich kann mich sehr gut selbst einschätzen und sehe noch Potenzial zur Verbesserung.
Gegen Nordkorea haben Sie in Tianjin und somit nur 80 Kilometer von Peking entfernt gespielt. Als Gruppenzweiter müssen Sie nun zum Viertelfinale gegen Schweden wieder nach Shenyang. Entfernen Sie sich wieder vom Olympiaflair?
Bisher haben wir wirklich noch nicht so viel Olympiastimmung mitbekommen. Aber wir wollen auf jeden Fall noch nach Peking. Also müssen wir einfach das Viertelfinale gewinnen.