14.08.2008 · Dieses 3:0 gegen Ägypten war der erste Sieg einer deutschen Volleyballmannschaft bei Olympia seit den Spielen von 1972. Für Trainer Stelian Moculescu ist das Turnier die Krönung seiner Arbeit, die er nach diesen Spielen beenden wird.
Von Peter Penders, PekingVermutlich lag es daran, dass es bei dieser olympischen Spielstätte um die große Sporthalle des Pekinger „Institute of Technology“ handelt und die Atmosphäre abfärbte. Stelian Moculescu jedenfalls wirkte manchmal wie ein Oberstudienrat, der jahrelang mit seinen Schülern eifrig geübt hat, und der ihnen nun aufmerksam und ein wenig stolz bei der Abschlussprüfung zusieht. Bisweilen lächelte Moculescu sogar, als wisse er das Ergebnis schon, und zumindest wusste er wohl, dass es nicht schief gehen könne.
„Ägypten“, sagte er nachher, „Ägypten spielt ganz nett mit, aber das Team hat nicht die Qualität, um gegen uns zu gewinnen.“ Drinnen, in den Katakomben des Instituts sprach Werner von Moltke, der Präsident des Deutschen Volleyball-Bundes, derweil „von einem historischen Ereignis“. Schließlich war dieses 3:0 (29:27, 25:21, 25:21) der erste Sieg einer deutschen Volleyballmannschaft seit den Olympischen Spielen 1972. Historisch wäre dann aber auch die Auftaktniederlage gegen Polen gewesen, denn seit München ist ja keine deutsche Mannschaft mehr bei Olympischen Spielen dabei gewesen. Für Moculescu hingegen spielte das alles keine Rolle, historisch war für ihn die Qualifikation im Mai. Den Sieg nun gegen Ägypten hatte er ganz einfach erwartet.
Schlüsselspiel gegen Serbien
Es ist schwer, sich völlig auf eine Aufgabe zu konzentrieren, wenn die nächste und alles entscheidende Prüfung schon vor der Tür steht. Am Samstag trifft die deutsche Mannschaft im vorletzten Gruppenspiel auf Serbien, und das ist das Schlüsselspiel für das Erreichen des Viertelfinales. Dass sich seine Mannschaft da im ersten Satz gegen Ägypten schwer getan hatte, wollte Moculescu nicht überbewerten. Drei Satzbälle musste die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) im ersten Durchgang abwehren, und der Trainer stand fast regungslos als interessierter Zuschauer an der Seitenlinie.
Er hat viel erlebt mit dieser Mannschaft in den neun Jahren, in denen er sie seit 1999 wieder trainiert, und er findet, dass sie sich über all die Jahre treu geblieben ist: „Wir hätten eigentlich viel höher gewinnen müssen. Aber sie gönnen mir eben keinen ruhigen Tag.“ Denn wird er ganz sicher auch am Samstag wieder nicht haben, wenn es ähnlich emotional wie bei der Achterbahnfahrt während der Olympia-Qualifikation in Düsseldorf zu gehen könnte.
Diese Olympiateilnahme ist die Krönung seiner Arbeit
Wieder einmal kann das deutsche Team mit nur einem Spiel einen großen Schritt weiterkommen. Zu oft aber hatte sie den letzten, entscheidenden Zug in der Vergangenheit verpasst und das Image der ewigen und nervenschwachen Verlierers in wichtigen Momenten verpasst bekommen - teilweise sogar von den Funktionären des eigenen Verbandes. „Aber“, sagt Mittelblocker Ralph Bergmann, „wir haben in Düsseldorf bewiesen, dass wir auch in solchen Partien bestehen können.“ Zwei 3:2-Siege über Kuba und Spanien hatten Deutschland da nach Peking gebracht, und Moculescu hatte mehr als nur ein paar Freudentränen verdrückt. Diese Olympiateilnahme ist die Krönung seiner Arbeit, die er nach diesen Spielen beenden wird.
„Das hier sind die einfachsten Spiele, seit ich Bundestrainer bin“ sagt er, „ich verspüre keinen Stress. So viele haben es probiert, zu Olympischen Spielen zu kommen, aber wir sind jetzt hier.“ Das klingt, als sei der 58 Jahre alte Trainer mittlerweile altersmilde gestimmt, aber zumindest ein Freund der Funktionäre war er nicht und wird er wohl auch nicht mehr. Dass für ihn, seinen Ko-Trainer Stewart Bernard und den Spielbeobachter kein Platz im Olympischen Dorf war, hat Moculescu verstimmt, obendrein erschwere es auch die Arbeit.
„Wir wollten diesen Traum eigentlich als komplette Gruppe leben“
Und es nimmt dem Erlebnis wohl auch etwas die Würze - 36 Jahre, nachdem Moculescu dieses Erlebnis schon einmal als Spieler 1972 in München hatte. Bergmann hat Verständnis für den Trainer: „Wir wollten diesen Traum eigentlich als komplette Gruppe leben“, sagt er. Das aber sei nicht gegangen, wehrt DVV-Präsident von Moltke ab, weil der Deutsche Olympische Sportbund der Volleyball-Reisegruppe nur 16 Plätze zur Verfügung gestellt habe.
Klingt trotzdem ein wenig unprofessionell, zumal sich mit etwas Nachforschen vermutlich die fehlenden drei Betten hätten auftreiben lassen. „Ich rege mich darüber nicht mehr auf, ich genieße meine letzten Tage hier“, sagt Moculescu. Sie könnten am Samstag noch einmal von einem ganz großen Paukenschlag begleitet sein, wenn es den Deutschen gelingt, die Leistung von der unglücklichen 2:3-Niederlage gegen Russland noch einmal zu wiederholen. „Wenn wir so spielen, dann ist ein Erfolg gegen Serbien realistisch“, sagt Bergmann. Nur Stelian Moculescu wird vermutlich nicht wieder so ruhig an der Seitenlinie stehen. Vielleicht aber wird er lächeln. Nach dem Spiel.