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Dream Team 2008 „Wenn wir hier verlieren, verlieren wir unsere Staatsbürgerschaft“

08.08.2008 ·  Einer größer als der andere, einer brillanter als der andere, einer reicher als der andere. Die Könige des Basketballs bitten zur Audienz: LeBron James, Jason Kidd, Kobe Bryant und Co. müssen in Peking nicht nur Gold gewinnen, sondern die Schmach von 2004 vergessen machen.

Von Cai Tore Philippsen, Peking
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Wenn die Könige des Basketballs zur Audienz bitten, kommen alle. 30 Kamerateams, über 500 Journalisten und mindestens 100 Fotografen aus aller Welt haben sich im riesigen Pressesaal des Main Press Center der Olympischen Spiele von Peking versammelt. Und dann erscheinen sie. LeBron James von den Cleveland Cavaliers, Jason Kidd, der Teamkollege von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks, Superstar Kobe Bryant von den L.A. Lakers und noch neun weitere Helden dieses Sports.

Einer größer als der andere, einer brillanter als der andere, einer reicher als der andere. Eigentlich sind es ja die Athleten aus den Randsportarten, die Olympia ausmachen, dennoch ist jeder Auftritt der amerikanischen Basketballer seit dem legendären „Dream Team“ 1992 ein Höhepunkt der Spiele.

Das „Albtraumteam“ kehrte nur mit Bronze heim

In Peking muss der Jahrgang 2008 nicht nur Gold gewinnen, damit würde sich nur ein Teil der unermesslichen Erwartung der Fans in der Heimat erfüllen. Sie muss vor allem mit einem überzeugenden Auftritt und der richtigen Portion Überlegenheit die Schmach von 2004 vergessen machen. Mit der unerträglichen Arroganz verwöhnter Millionärskinder war die Mannschaft damals schon vor dem ersten Spiel aufgetreten.

Doch die Stars hatten es mit ihrer zur Schau gestellten Lockerheit und ihrem Gangsterrapper-Gehabe übertrieben. Gleich im ersten Spiel gab es eine peinliche Niederlage gegen Costa Rica. Später schied das „Albtraumteam“ im Halbfinale gegen den späteren Olympiasieger Argentinien aus, kehrte nur mit Bronze heim. Schadenfreude und Häme begleiteten sie in Athen bei jedem Schritt.

„Unsere Einstellung ist eine ganz andere als 2004“

Diesmal soll alles anders, alles besser werden - nicht nur sportlich. Bescheiden wie eine Schülermannschaft präsentieren sich die Spieler zwei Tage vor ihrem ersten Match am Sonntag (22.15 Uhr Ortszeit / FAZ.NET-Olympia-Ticker) gegen Gastgeber China, beantworten jeweils umringt von einer drängelnden Reportertraube geduldig alle Fragen.

„Unsere Einstellung ist eine ganz andere als 2004“, sagt LeBron James. Der 2,03-Meter-Mann war auch in Athen im Team, konnte aber mit damals 19 Jahren die Erwartungen nicht erfüllen. Vor vier Jahren habe er noch nicht gewusst, wie es ist, die Farben seines Landes zu vertreten. Für ihn habe - wie für die meisten seiner Kollegen - nur die NBA gezählt.

„Es geht nur um Gold, unser einziges Ziel ist Gold“

„Jetzt denken wir nicht mehr an die Vergangenheit, jetzt konzentrieren wir uns auf diese Spiele“, betont er, typisch amerikanisch. Die neue Bescheidenheit verbietet auch jeden Vergleich mit dem „Dream Team“ um Earvin „Magic“ Johnson. „Es wird nie wieder ein „Dream Team“ wie 1992 geben. Wir wollen auch keine Nachfolger sein, wir müssen ein eigenes Team sein.“

Damit die Mannschaft von Headcoach Mike Krzyzewski sich einen eigenen Namen machen kann, muss sie Olympiasieger werden. „Es geht nur um Gold, unser einziges Ziel ist Gold“, sagt LeBron James. Kobe Bryant versucht dem Druck mit Humor zu begegnen: „Wenn wir hier verlieren, verlieren wir auch unsere Staatsbürgerschaft.“ Dazu zeigt er sein breitestes Lächeln. Es scheint, als hätten die Profis wirklich begriffen, dass ein Erfolg in Peking für sie persönlich und für ihr Image mehr Wert ist, als ein weiterer Schlitten in der XXL-Garage, eine weitere Million auf dem Konto oder die sounsovielte Einladung zum NBA-Allstarspiel.

Respekt vor Nowitzki, „einem der Besten der Welt“

Doch selbst wenn „Teamwork und Enthusiasmus“, wie Coach Mike Krzyzewski immer wieder betont, die Mannschaft von 2008 zu einer ganz besonderen macht, ist das Ziel Olympiasieg in diesem Jahr noch schwerer zu erreichen als 2004. Ein Vergleich mit 1992 ist auch deshalb nicht mehr zulässig, weil sich das Niveau der Gegner extrem verbessert hat. Und immer weiter steigt.

Fast in jedem Team, das sich für Peking qualifiziert hat, spielen mittlerweile Profis aus der NBA. Yao Ming (China/Houston Rockets), Pau Gasol (Spanien/L.A. Lakers) und der Deutsche Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks) sind sogar unangefochtene Anführer in ihren Klubs. Vor allem vor Nowitzki hat LeBron James großen Respekt: „Er ist einer der besten in unserer Liga, er ist einer der besten bei diesem Turnier.“ Seine Floskel „es gibt keine einfachen Spiele“ sei ihm verziehen. Die Vorrundengegner Griechenland und Spanien sind Weltspitze, China und Deutschland an guten Tagen eine Gefahr, lediglich Angola scheint leicht zu bezwingen zu sein.

„Zirkus, welcher Zirkus?“

Gleich zum Auftakt müssen die amerikanischen Boys gegen Gastgeber China mit ihrem Nationalhelden Yao Ming bestehen. Und weil China genauso verrückt nach Basketball ist wie Amerika, dürften die Einschaltquoten im Fernsehen alle Rekorde sprengen. Doch selbst wenn die 20.000 Zuschauer im Wukesong Indoor Stadium ein Höllenspektakel veranstalten, bleibt China ein Außenseiter. Doch das war Costa Rica vor vier Jahren auch.

Dann ist das größte Pressespektakel vor den Spielen zu Ende, die Riesen stehen behäbig von ihren Plastikstühlen auf und verabschieden sich freundlich. Was er den von diesem Medienzirkus halte, fragt ein Reporter LeBron James. „Zirkus, welcher Zirkus? Das ist in der NBA normal.“

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Jahrgang 1970, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

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