19.08.2008 · Die deutschen Hockeyspieler hatten prominente Unterstützung bei ihrem Sieg über Neuseeland: die ausgeschiedenen Handball- und Basketballspieler demonstrierten Mannschaftsgeist - und hatten Spaß bei den erfolgreichen Kollegen mit dem Schläger.
Von Peter Penders, Peking„Super, Carlos“, ruft der Riese begeistert von der Tribüne herunter und klatscht, und unten strahlt der Hockeyspieler, in jeder Hinsicht vergleichsweise ein Zwerg. Wenn sich Olympia mit all seinen Problemzonen überhaupt noch ein paar romantische Nischen erhalten hat, wo das Motto der Veranstaltung noch mit Leben und Sinn erfüllt wird, dann war hier gerade das Epi-Zentrum.
Der da oben war Dirk Nowitzki, 2,14 Meter großer Superstar der nordamerikanischen Basketball-Profiliga und zigfacher Millionär, der da unten Carlos Nevado, 1,70 Meter kleiner Hockeyspieler und Weltmeister des UHC Hamburg, der sich Sorgen macht, wie er nach der Rückkehr aus Peking seine Uni-Klausuren bestehen soll.
„Die Mannschaftssportarten haben vorgelebt, was Teamgeist bedeutet“
Die Basketballspieler, nach vier Niederlagen am Vorabend ausgeschieden, und die Kollegen vom Handball, als Weltmeister vom Vorrundenaus bis ins Mark getroffen, feierten die Hockeyspieler, die gerade mit dem 3:1 gegen Neuseeland den Sprung ins Halbfinale geschafft hatten. Hockey, das in der Regel nur alle vier Jahre beachtete mediale Stiefkind bekommt nun die ungeteilte Aufmerksamkeit, weil die anderen gescheitert sind.
Und trotzdem fühlen die, die plötzlich im Rampenlicht stehen, mit den Kollegen, bei denen nach den Niederlagen wohl nicht nur Tränen geflossen sind. „Die Mannschaftssportarten haben hier großartig vorgelebt, was Teamgeist bedeutet“, sagt Hockey-Nationalspieler Tibor Weissenborn. Sich gegenseitig zu unterstützen, sich auszutauschen, mit den anderen zu leiden und vor allem sich zu respektieren - auch das sei Olympia.
Für Häme ist kein Platz
Auch Superstars werden da zu Kollegen, mit denen man genauso rumblödeln könne wie mit seinen eigenen Mitspielern. „Das Irre ist, dass Nowitzki der größte Blödel von allen ist“, sagt Carlos Nevado. Die Gunst der Stunde zu nutzen, sich selbst wegen der Misserfolge der anderen ins rechte Licht zu setzen - so oft wie die Hockeyspieler am Morgen nach dem schwarzen Montag nach dem Grund für ihren Erfolg gefragt wurden, hätte der Reiz groß sein können.
Für Häme der vergleichsweise mager unterstützten Hockey-Amateure für die viel besser bezahlten Profis vom Basketball und Handball ist aber kein Platz. „Von uns hat sich keiner gefreut, dass die anderen ausgeschieden sind“, sagt Weissenborn. Auch der Bundestrainer läuft nicht in diese Falle, die scheinbar einzig erfolgreiche Ballsportart über die anderen zu erheben.
Maskottchen Nowitzki
„Außerdem spielen die Fußballspielerinnen doch um Platz drei, das kann uns auch noch passieren“, sagt Markus Weise, erzählt von der schweren Gruppe des Basketballteams und den Verletzungsproblemen der Handball-Weltmeister: „Wenn mir hier zwei wichtige Spieler ausfallen, dann geht's halt nicht.“ Draußen nimmt sich Nowitzki den Kopf des Maskottchen-Kostüms, das der Volunteer gerade ausgezogen hat, will mit den anderen „Maskottchen“ ins Stadion laufen. Das sorgt für helle Aufregung unter den freiwilligen Helfern, von überall wispert es plötzlich „Nowitzki“, bis jeder weiß, wer unter den Kostüm steckt.
„Der lebt das olympische Motto wie kein anderer“, sagt Rainer Nittel, der Hockey-Sportdirektor. Vielleicht ist noch nicht alles verloren gegangen von dieser olympischen Idee und dem Treffen der Jugend der Welt.