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Basketball-Niederlage gegen Spanien Ellbogen vom Weltmeister

14.08.2008 ·  Eine harte Verteidigung bremst Deutschlands Basketball-Star Dirk Nowitzki bei der 59:72-Niederlage gegen Spanien. Aber die Mitspieler machen Mut für das entscheidende Spiel gegen China. Deutschland kann mithalten.

Von Michael Reinsch, Peking
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Weltklasse, diese Spanier. Von der ersten Sekunde an dominierten sie die Begegnung, nach wenigen Minuten hatten sie sich uneinholbar in den Vordergrund gespielt. Es war Donnerstagmorgen neun Uhr, und sie waren bereit für eine Fiesta.

Das spanische Publikum übertraf beim 72:59 gegen Deutschland lange Zeit nicht nur die deutschen Fans, sondern auch die Mannschaft, die es unterstützte. Sprechchöre tönten durch die neue Basketball-Arena von Peking, spanische Flaggen wurden auf den steilen, von 14 000 Besuchern gefüllten Rängen geschwenkt, und drei kräftige, haarige Männer sprangen immer mal wieder auf und zeigten sich in ihren roten Flamenco-Kleidern.

Anfang der zweiten Hälfte nicht in die Gänge gekommen

Doch weniger zu Jubel als vielmehr zur Anfeuerung hatten die Spanier allen Grund. Denn so recht wussten Pau Gasol (13 Punkte) und die anderen spanischen Basketball-Stars mit dem Spiel zu fast nachtschlafender Zeit nichts anzufangen.

Und beinahe hätten die deutschen Basketballspieler Gewinn daraus geschlagen. „Wir waren dran“, ärgerte sich Dirk Nowitzki nach der Niederlage mit 13 Punkten. „Aber dann sind wir Anfang der zweiten Halbzeit nicht in die Gänge gekommen, und sie haben ein paar Schüsse von außen getroffen.“

Der freche Rubio

Aufbauspieler Steffen Hamann (15 Punkte) sah es so: „Anfang der zweiten Halbzeit haben wir ein bisschen geschlafen.“ Das war bitter, denn just als sich zeigte, dass die deutschen Spieler bis zum Aufstehen um fünf Uhr und einem kleinen Morgenlauf um den Block nicht genug Schlaf bekommen hatten, weckten die großartigen spanischen Zuschauer ihr Team.

Mumbru (14) begann die zweite Halbzeit mit einem Distanzwurf, Demond Greene (9) verlor den Ball unter dem Jubel der Spanier, was der siebzehnjährige Ricky Rubio (7) zum nächsten Treffer nutzte; außerdem bekam der Jugendliche von Joventut Badalona einen Freiwurf zugesprochen. Als Hamann endlich das Spiel, das in der ersten Halbzeit so gut gelaufen war, wieder in die Hand bekommen wollte, war es wieder der freche Rubio, der ihm den Ball aus den Fingern spitzelte.

Das Publikum schrie: „Olé!“

Nach ein paar Schritten machte der Profi, der aussieht wie ein Kind, wie im Vorbeigehen seinen Korb. Hamann schaute nicht so, als wollte er die Situation als ganz persönliches Souvenir an einen kommenden Weltstar in Erinnerung halten; schon jetzt gilt Rubio als prominente Verpflichtung der NBA-Saison 2010. Das Publikum schrie: „Olé!“, Rubio warf die Arme in die Luft und passte kurz darauf den Ball zum nächsten Treffer: 50:36 durch Garbajosa. Erst Nowitzki machte dem Lauf der Spanier mit einem Dreier ein Ende.

Vom Ausgleich 38 Sekunden vor der Halbzeitpause hatten die Spanier einen „Lauf“ von 14 Punkten gehabt. Nowitzki, den die harte, von den Schiedsrichtern nicht beanstandete Abwehr der Spanier, daran hinderte, mehr als 11 Punkte zu erzielen, hing der verpassten Chance nach. „Wir haben nicht gewonnen, also habe ich meinen Job nicht gut gemacht“, sagte der 30 Jahre alte Star ohne Hinweis auf seine Behandlung, obwohl er trotz der spanischen Härte keinen einzigen Freiwurf erhalten hatte: „Wenn wir den Rückstand auf sechs, sieben hätten reduzieren können, hätten wir es vielleicht schaffen können. Aber so ...“

„Endspiel“ gegen China

So haben die deutschen Basketballspieler, wollen sie das Viertelfinale des Olympia-Turniers am Samstagabend (14 Uhr Mitteleuropäischer Zeit) erreichen, wie sie es sich vorgenommen haben, das erwartete Entscheidungsspiel gegen China. Die Chinesen besiegten am Donnerstag Angola 85:68 und streben ebenfalls Platz vier in der Vorrunde an.

Immerhin war die Niederlage gegen die Spanier nicht auf ganzer Linie enttäuschend wie noch die gegen Griechenland zwei Tage zuvor. „Heute haben die Jungs all das gemacht, was sie im Spiel gegen Griechenland haben vermissen lassen“, lobte Bundestrainer Dirk Bauermann. Nowitzki, häufig von zwei Spaniern „gedoppelt“ und mit Ellbogenarbeit, Festhalten und anderen Kniffen daran gehindert, eine gute Angriffsposition einzunehmen, sah es genauso: „Das macht Hoffnung nach unserem Griechenland-Spiel, in dem nichts funktionierte.“

Spanien siegt im Stil der Europäer

So mussten die deutschen Basketballspieler, obwohl sie einer Chance auf einen überraschenden Sieg nachtrauerten, sich daran aufrichten, dass sie sich diese Gelegenheit überhaupt erspielt haben. „Das Spiel hat gezeigt, dass wir sehr gut vorbereitet waren. Wir sind noch emotionaler hineingegangen als gegen die Griechen“, sagte Pascal Roller. „Wir können mit Recht sagen, dass wir das Niveau haben, hier mitzuspielen.“

Zum Beispiel gegen den Weltmeister, der gegen die engagierte deutsche Verteidigung im Angriff nicht wie gewohnt ins Spiel kam. Allerdings zwangen die Spanier ihrerseits Nowitzki und Co. zu 27 Fehlwürfen bei 49 Versuchen und 18 Ballverlusten. Wer nur 59 Punkte zulässt, hat das Spiel über eine exzellente Verteidigung gewonnen: der Stil der Europäer.

Kapitän Femerling:„Wir werden bis zur letzten Sekunde kämpfen“

Das ist die Chance der Deutschen am Samstag: „Die Chinesen sind groß, schießen extrem gut“, sagte Nowitzki: „Die Halle wird voll sein, das wird ein Spiel werden, das Spaß macht.“ Weil die Chinesen vermutlich nicht mit der Härte spielen, die auch dem frisch eingebürgerten Center Chris Kaman gegen Spanien schwer zu schaffen machte. Weniger als siebeneinhalb Minuten setzte Bauermann den Amerikaner in der zweiten Halbzeit ein, obwohl er die meisten Rebounds holte (10/8 Punkte).

Der 2,13 Meter lange Center hatte sich schon von der harten Verteidigung der Griechen beeindrucken lassen. Die Taktik der Spanier, das Doppel Nowitzki/Kaman aus dem Angriffsspiel zu nehmen, ging auf. Das soll den Chinesen nicht gelingen. „Wir werden bis zur letzten Sekunde kämpfen“, sagte Mannschaftskapitän Patrick Femerling (2). Nowitzki fügte auf gut Deutsch hinzu: „Wir wissen, dass wir nicht die talentierteste Mannschaft sind. Wir müssen über Kampf ins Spiel kommen.“

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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