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Basketball Der gestrauchelte Riese Yao Ming

20.08.2008 ·  China ist beim olympischen Basketball-Turnier in Peking von Litauen gestoppt worden. Die Fans reagieren undankbar und überheblich. Vor allem mit dem Superstar des Teams hat niemand Mitleid.

Von Cai Tore Philippsen, Peking
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Stolz und mit durchgedrücktem Rücken marschierte Yao Ming in das Nationalstadion ein, führte Chinas Olympiamannschaft als Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier an. Nicht nur für die jubelnden Chinesen war das der bewegendste Augenblick der dreistündigen Show. Dreizehn Tage später wendete China seinem Nationalhelden kalt den Rücken zu.

Schon bevor das Viertelfinale des olympischen Basketball-Turniers gegen Litauen zu Ende ging, strömten viele Zuschauer aus der Wukesong Arena in Peking. Nach der Schlusssirene gab es dann kein Halten mehr. Nur ein kleiner Teil der 18.000 spendete noch Beifall, als die geschlagenen Helden in den roten Trikots ins Publikum winkten. 68:94 hat China gegen Litauen verloren.

Vorhersehbares Ergebnis

Dieses Ergebnis hatten alle Basketballfans und Experten vorausgesagt. Doch das Publikum wollte nicht akzeptieren, dass schon das Erreichen des Viertelfinals ein Erfolg für Yao Ming und sein junges Team war. Wie stark der kleine Baltenstaat im Vergleich zum Riesenreich ist, zeigt auch, dass Litauen zum fünften Mal hintereinander im Semifinale des olympischen Turniers steht; 1992, 1996 und 2000 gewann das Team Bronze. China kam bisher noch nie über das Viertelfinale hinaus. Von seinem verletzten Hürdenstar Liu Xiang hatte sich das Land noch mit vereinter Trauer und Genesungswünschen aus der obersten Parteiführung verabschiedet.

Mit dem gestrauchelten Riesen Yao Ming, der das Ende der Partie mit hängendem Kopf auf der Bank erlebte und dann schleppenden Schrittes aus der Halle ging, hatte niemand Mitleid. Was für eine Undankbarkeit, was für eine Überheblichkeit.

Abhängig wie Deutschland von Nowitzki

„Jetzt, wo wir am Ende unserer Reise sind, bin ich glücklich, dass wir soviel geschafft haben und bedauere, dass wir nicht das Halbfinale erreicht haben“, sagte Yao Ming später diplomatisch. Geschichte habe er mit seiner Mannschaft schreiben, das bisher beste Ergebnis für den chinesischen Basketball erreichen wollen. Doch Litauen war viel zu stark. In der Defensive nahmen die Litauer, die fast alle bei europäischen Spitzenklubs spielen, Yao Ming in harte Doppel- oder sogar Dreifachdeckung. Und China ist von seinem NBA-Star ebenso abhängig wie Deutschland von Dirk Nowitzki. 19 Punkte gelangen Yao Ming nur und er war damit schon der beste Werfer der Chinesen.

Auch für die Offensive hatte der litauische Trainer Ramunas Butautas seine Taktik ganz auf den 2,26 Meter großen Center von den Houston Rockets abgestimmt. „Weil Yao Ming unter dem Korb so stark ist, haben wir viel von den Außenpositionen geworfen“, sagte Butautas. 39 Punkte machten die Litauer von der Drei-Punkte-Linie, ihre Trefferquote betrug überzeugende 42 Prozent.

Die Erklärungen genügten nicht

Allein Sarunas Jasikevicius von Panathinaikos Athen traf bei sechs Versuchen fünfmal aus der Ferne, er war mit 23 Punkten der beste Werfer. Im Halbfinale trifft Litauen nun auf Spanien, das sich 72:59 gegen Kroatien durchsetzte. Wie schon in den Partien zuvor spielte China zu behäbig. Die Pässe waren zu lange in der Luft, um den Gegner überraschen zu können. Zudem war die Wurfquote zu schlecht, um schon bei den Topteams mithalten zu können.

Den chinesischen Journalisten reichten solche Erklärungen nicht, sie fragten Yao Ming immer wieder, was sich denn im Vergleich zu 2004 verbessert habe, damals sei das Team schließlich auch Achter geworden. „Wir haben die Lücke etwas weiter geschlossen, aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns“, verteidigte sich Yao Ming mit blumigen Worten. „Dank unserer Tapferkeit sind wir überhaupt so weit gekommen, unsere Fähigkeiten sind begrenzt.“

Zwischen Vergötterung und Verachtung

Sein Hinweis auf die schwere Vorrundengruppe mit den Weltklasseteams Amerika, Griechenland und Spanien sowie Deutschland und Angola schien ungehört zu verhallen. Auch der chinesische Trainer, der Litauer Jonas Kazlauskas, musste sich fragen lassen, warum seine vierjährige Tätigkeit keine zählbare Verbesserung gebracht habe. Weil er Yao Ming im letzten Gruppenspiel gegen Griechenland für das bereits erreichte Viertelfinale schonte, hatte sich Kazlauskas ohnehin Feinde gemacht.

Hätte China dieses Spiel gewonnen, wäre es in der Gruppentabelle an Griechenland vorbei auf den dritten Platz gezogen. Unabhängig vom Ausgang des Viertelfinales wäre China dann als Turniersechster in der Statistik geführt worden. Für dieses Ziel hätte es sich gelohnt zu kämpfen, so die einhellige Meinung in China. Doch der Trainer sah nach einem 24-Punkte-Rückstand zur Pause keine Chance mehr, das Spiel zu gewinnen und setzte den großen Star gegen dessen Willen auf die Bank. „Er wollte spielen. Aber ich bin der Trainer, ich treffe die Entscheidungen“, sagte Kazlauskas knapp. Seine Zeit im fernen Osten wird wohl nach Olympia enden.

Yao Ming will dagegen in London 2012 einen neuen Versuch starten, Historisches für China zu erreichen. Das aus westlicher Perspektive schwer verständliche Wechselspiel aus Vergötterung und Verachtung wird Chinas besten Basketballspieler weiter begleiten.

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Jahrgang 1970, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

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