Ein Ziel haben die deutschen Basketballspieler schon erreicht: Jeder von ihnen war bei den Olympischen Spielen am Ball. Ihren Auftaktsieg am Sonntagvormittag (Ortszeit) gegen Angola gestalteten sie mit 95:66 Punkten so überlegen, dass ihre Stärksten, Dirk Nowitzki (23 Punkte) und Chris Kaman (24), lange vor Spielschluss vom Feld gehen konnten.
Als Nowitzki sich in der 27. Minute mit einem Freiwurf verabschiedete, stand es 69:50. Als auch noch die Reservisten Philip Zwiener und Tim Ohlbrecht (zwei Punkte) ihren Beitrag zum Spiel geleistet hatten, war der Vorsprung von 19 auf 29 Punkte gewachsen.
Nowitzki: „Wir wollen ins Viertelfinale, dafür müssen wir besser werden“
Die Angolaner, vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft noch ein Gegner, den niederzuringen die deutsche Auswahl drei Verlängerungen brauchte, hatte ebenfalls aufgesteckt. Doch dabei sein ist nicht alles bei der Mission Olympia, zu der der 2,13 Meter lange Nowitzki aus der NBA den deutschstämmigen, ebenso großen Center Chris Kaman mit in die Nationalmannschaft gebracht hat. „Wir wollen ins Viertelfinale, und dafür müssen wir noch viel besser werden“, sagte er nach der Partie und schlug damit neue Töne an - in den vergangenen Tagen hatte der Fahnenträger der deutschen Olympiamannschaft immer davon gesprochen, dass er und das Team vor allem Spaß haben wolle.
Doch den hat ein ehrgeiziger Leistungssportler eben nur, wenn er siegt. „Wir haben eine unglaublich schwere Gruppe“, fuhr Nowitzki fort, „in zwei Tagen spielen wir gegen Griechenland, dann kommt Spanien, der Weltmeister. Die werden uns ganz anders unter Druck setzen.“
Yao Ming unter den Zuschauern
Hinter dem Korb saß, wie zur Erinnerung, dass weitere schwere Aufgaben in der Gruppe B warten, während des gesamten Spiels Yao Ming, der Superstar der Chinesen. Die Deutschen können es auch als Kompliment nehmen, dass der wohl am meisten umjubelte Athlet dieser Spiele am hellen Vormittag zu ihnen in die Halle kam, in der er am späten Abend gegen das Team der Vereinigten Staaten spielte. Er wollte offenbar schauen, wie sich Kamann macht, mit dem er es unter dem Korb zu tun bekommen wird.
Nowitzki lobte den beidhändigen Center aus Los Angeles, den er für die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft und die Mitwirkung in der deutschen Auswahl gewonnen hat, über die Maßen: „Eine phänomenale Leistung, wie er ihnen unter dem Korb seinen Willen aufgezwungen hat.“ Dabei war er es, der sechs Rebounds holte, übertroffen lediglich von dem Angolaner Joaquim Gomes (8/2 Punkte) und vor allem seinem deutschen Mannschaftskameraden Jan Jagla, der elf Rebounds holte und zehn Punkte erzielte. Aufbauspieler Steffen Hamann kam auf 13 Punkte. Erfolgreichster Angolaner war Eduardo Mingas mit 24 Punkten. Kaman holte zwei Rebounds, machte aber nicht nur mit seiner Leistung auf dem Spielfeld Hoffnung auf mehr. „Ich glaube, wir sind besser, als wir glauben“, sagte er.
Kaman und die Diskussion um olympische Vaterlandsverräter
Womöglich lobte Nowitzki seinen neuen Mannschaftskameraden nicht nur, weil dieser der deutschen Mannschaft mit seinen Treffern, seinen Pässen und seiner Verteidigung eine neue Dimension eröffnet, der die gegnerischen Spieler auf sich zieht und damit Distanzschützen wie Demond Greene (10 Punkte) und Sven Schultze (2) Chancen eröffnet. Der 26 Jahre alte Neu-Deutsche kann auch Zuspruch deshalb gebrauchen, weil in Amerika eine Diskussion um vermeintliche olympische Vaterlandsverräter ausgebrochen ist, in deren Mittelpunkt Becky Hammon steht, die amerikanische Basketballspielerin in der russischen Nationalmannschaft.
„Ich habe meinen amerikanischen Pass noch“, sagte Kaman auch deshalb nach der Partie. „Meine Entscheidung ist nicht gegen die Vereinigten Staaten gerichtet.“ Er wisse gar nicht, was er tun werde, wenn Deutschland gegen Amerika antrete und beide Hymnen gespielt werden. „In der Liga lege ich bei der Hymne immer meine Hand aufs Herz“, sagte er und meinte selbstverständlich die amerikanische. „Ich fühle mich schlecht, für Becky und für mich“, sagte Kaman. „Sie und ich wir sind Amerikaner. Wir wollen nur Basketball spielen.“
Eine Überraschung fürs Viertelfinale
Vor allem gehe es ihm in den Länderspielen darum, im Sommer auf einem hohen Niveau spielen zu können, behauptete Kaman. „Wir hatten gar nicht damit gerechnet, dass wir uns für Olympia qualifizieren.“ Deshalb macht er seine Zukunft in der Nationalmannschaft davon abhängig, ob Nowitzki nach Peking weiterspielt oder nicht. „Wenn Dirk Pause macht, dann weiß ich nicht, ob ich nächstes Jahre noch dabei bin“, sagte er über die Europameisterschaft in Polen. „Wenn er spielt, bin ich auch dabei.“
Doch zunächst ist es Ziel der Deutschen, dem Pflichtsieg gegen den Afrikameister eine Überraschung folgen zu lassen, einerlei ob gegen Griechenland, Spanien, China oder die Vereinigten Staaten. Mit zwei Siegen dürfte das Viertelfinale erreicht sein. „Wir haben nichts zu verlieren hier“, machte Nowitzki sich und seiner Mannschaft Mut. „Schauen wir mal, was herauskommt.“
