12.02.2010 · Auf die Sportler wartet in Vancouver die Bettwanze. Nicht auszudenken, dass die Tiere sich in die Athletenkörper bohren und den Medaillenspiegel manipulieren. Streusalz - die FAZ.NET-Kolumne zu den Olympischen Winterspielen.
Von Thomas KlemmZu Beginn eine gute Nachricht für alle Daheimbleibenden: Die Olympischen Winterspiele müssen uns nicht jucken. Und jetzt die schlechte Nachricht für die Vancouver-Reisenden: Während Teilnehmer und Touristen aus aller Herren Sportländern nach und nach in Kanada eintrudeln, hat sich ein fieses Tier dort längst breitgemacht. Nein, vor den Murmeltieren rund um Whistler muss sich niemand fürchten, denn die halten Winterschlaf.
Nein, auch die 71 Schwarzbären in dem Skigebiet sind keine große Gefahr, obwohl die Bobbahn und der Biathlon-Schießstand mitten in ihrem Lebensraum liegen und die Tiere womöglich einen Bärenhunger verspüren, so dass sie an der Rennstrecke vorbeitapsen und die olympische Ruhe stören könnten. Ja, zum großen Störenfried könnte ein kleiner Parasit werden, der es sich in kanadischen Betten schon gemütlich gemacht hat und nun als Gast auf einen Wirt wartet: die Bettwanze.
Einheimische und Kanada-Touristen haben schon Alarm geschlagen, weil sich der Blutsauger vor allem an der Westküste rasend vermehrt hat. Leidtragende warnen via Internet, dass mehr als 200 Herbergen Vancouvers unter Bettwanzenbefall leiden. Wissenschaftler treffen sich zur ersten kanadischen Bettwanzen-Tagung, leider aber in Ottawa und leider erst eine Woche nach dem Ende der Winterspiele. Zu spät also, um zu verhindern, dass ein fünf Millimeter kleiner Schädling sein Speicheldrüsensekret in deutsche Modellathletenkörper absondert und damit vielleicht den Medaillenspiegel manipuliert.
Bettwanze keine Hilfe bei der Doping-Bekämpfung
Nicht auszudenken, wenn der hinterhältige Blutsauger im Olympischen Dorf Nacht für Nacht und Stich um Stich über unsere Wintersportler herfällt und ihnen Juckreiz, Hautentzündungen und womöglich Sehstörungen verursacht, so dass sie sich am Wettkampftag auf Hänge und Pisten schleppen. Nicht auszumalen, wenn Fernsehbilder um die Welt gehen, in denen unsere Biathleten am Schießstand das Gewehr beiseite legen, um sich erst mal ausgiebig am Rücken zu schubbern.
Und nicht anzuhören die Erklärungen der Skilangläufer für ihr enttäuschendes Abschneiden: Nicht das falsche Wachs unterm Ski war's, sondern die wahre Wanze im Bett. Um eventuellen Schuldzuweisungen vorzubeugen: Die kanadischen Gastgeber können nichts dafür, sie haben den Schädling weder gezüchtet noch ausgesetzt, um die starke Konkurrenz zu ärgern und somit ihren fünften Platz im Medaillenspiegel von Turin 2006 aufzubessern.
Schade nur, dass der organisierte Sport es nicht geschafft hat, sich der Bettwanze bei der Doping-Bekämpfung zu bedienen. Denn es wäre eine verlockende Vorstellung, dass die Wanzen in der Lage wären, Blutdoper am Geschmack zu erkennen.