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Tobias Angerer über Wachs „Ich reise immer mit 40 Paar Skiern“

 ·  Teuer wie Kaviar: der richtige Gleitbelag unter den Brettern. Langläufer Tobias Angerer über den Dreiklang aus Ski, Schnee und Wachs. Teil 4 der Interview-Serie vor den Olympischen Winterspielen von Vancouver.

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So teuer wie Beluga-Kaviar: der richtige Gleitbelag unter den Brettern. Ski-Langläufer Tobias Angerer über die Wahl der Skier, die Form der Schneekristalle und der Griff zum richtigen Wachs.

Sie sind als Langläufer in der Formel 1 des Wintersports unterwegs - neben dem richtigen Wachs kommt es auf die Auswahl der Skier und den richtigen Schliff an.

Ja, das kann man vergleichen. Man muss sich das doch nur mal vor Augen führen: Jeder von uns reist mit rund vierzig Paar Skiern von Weltcup zu Weltcup, es gibt welche für die klassische Technik und andere für die Skating-Technik. Jeder von ihnen funktioniert in einem anderen Temperaturbereich am besten. Auch der Schliff unterscheidet sich von Schneeart zu Schneeart. Was es ein wenig einfacher macht, ist, dass fast überall nur noch auf Kunstschnee gelaufen wird. Da sind die Kristalle beinahe immer gleich. Aber natürlich schauen sich die Techniker immer wieder die genaue Strukturierung der Schneekristalle an. Nur wenn sie das richtige Wachs gefunden haben, hat der Läufer eine Chance. Der beste Athlet wird mit schlechten Skiern niemals gewinnen.

Das wird nicht so einfach sein, schließlich gibt es mehr als 150 verschiedene Wachssorten. Könnten Sie Ihre Skier überhaupt noch selbst fertigmachen für den Wettkampf?

Das könnte ich schon machen, bei kleineren Wettkämpfen ist ja auch nicht immer ein Techniker dabei. Aber im Weltcup muss man sich auf seine Hauptaufgabe konzentrieren: laufen. Da ist es wichtig, dass man das ganze Team zur Unterstützung dabei hat. Bei der Nationalmannschaft haben wir inzwischen ein Serviceteam mit acht Technikern, die jahrelange Erfahrung haben, und das ist auch gut so. Es gibt Spezialisten für alles. Einige beschäftigen sich nur mit dem Schleifen der Skier. Im Vergleich zu den Skandinaviern aber sind wir ein sehr kleines Team, die Norweger etwa kommen mit dreimal so vielen Technikern an die Strecke.

Wie finden Sie denn die richtige Kombination aus Skiern und Wachs für den Wettkampftag?

Bei minus zehn Grad Celsius nehme ich mir jene fünf Paar Skier, die für diesen Temperaturbereich am besten geeignet sind. Darauf kommt das gleiche Wachs, und ich fahre mit jedem Paar eineinhalb Stunden vor dem Wettkampf durch die Lichtschranke. Manchmal nehme ich auch zwei verschiedene Skier an die Füße, um den direkten Vergleich zu haben. Auf die besten Skier kommt das Rennwachs. Das, was die Techniker schon Tage vorher getestet und ausgesucht haben.

Wie lange dauert das endgültige Präparieren?

Keine Ahnung. Ich bin ja nie dabei, weil ich mich in dieser Zeit immer warm laufe. Aber eine Viertelstunde vor dem Rennen habe ich meinen Ski immer am Mann.

Und wenn die Skier dann nicht funktionieren?

Das kommt natürlich auch mal vor. Wenn plötzlich Schnee fällt oder die Sonne plötzlich hinter den Wolken hervorkommt. Wenn nichts geht, dann muss man das auch akzeptieren. Wir betreiben eine Freiluftsportart, und da kann man eben nicht immer alles berechnen und kalkulieren. Wir sind abhängig vom Schnee, von der Temperatur und von der Luftfeuchtigkeit.

Aber das muss doch frustrierend sein, oder?

Natürlich ist es das. Bei der Weltmeisterschaft 2007 in Sapporo bin ich mit der letzten Startnummer im größten Schneefall losgelaufen. Da hast du keine Chance. Gott sei Dank hat es irgendwann wieder aufgehört zu schneien, und ich wurde am Ende noch Dritter, weil die Skier doch noch funktioniert haben.

Das Wachsen ist eine teure Angelegenheit. 30 Gramm der edelsten Stoffe kosten mehr als 100 Euro - das ist ähnlich viel wie Beluga-Kaviar.

Ja, aber das sind ja auch hochwertige Fluor-Wachse. Die kommen aus der Industrie, und nur mit ihnen kann man tatsächlich erreichen, dass die Skier auch über eine längere Strecke nicht abbauen, dass man irgendwie die Geschwindigkeit behalten kann. Im Schnee ist so viel Dreck und Schmutz, das muss der Ski alles abweisen. Ansonsten wirst du langsamer und langsamer.

Ihnen ist Wachs de Luxe also lieber als Kaviar?

Natürlich, in meinen Fall ist das deutlich mehr wert.

So ein Wachs benutzen Sie dann aber doch nur an Feiertagen wie im Weltcup, oder?

Im Training käme so etwas gar nicht in Frage. Das wäre Wahnsinn, viel zu teuer, wenn ich mir da immer das teuerste Wachs überhaupt auf die Skier schmieren würde. Das ist es dann auch nicht wert. Im Training schadet es einem auch nicht, wenn man ab und an mal gegen ein paar Widerstände zu kämpfen hat. Und wenn die Skier nicht so schnell sind, dann muss man sich eben noch mehr anstrengen.

Müssen Sie die Trainingswachse denn selbst bezahlen?

Jeder von uns hat zu Hause seinen eigenen Koffer mit Material. Da sind Steigwachse und Gleitwachse drin, Bürsten und Abziehklingen, alles zusammen hat vielleicht einen Wert von 1000 Euro. Das muss man als Langläufer besitzen.

Die Fragen stellte Michael Wittershagen

Quelle: F.A.S.
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