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Susanne Riesch über Konzentration „Wer überlegt, ist schnell draußen“

10.02.2010 ·  Nachdenken oder nicht? Slalomläuferin Susanne Riesch über Kopf und Konzentration. Teil 6 der Interview-Serie vor den Olympischen Winterspielen von Vancouver.

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Nachdenken oder nicht? Slalomläuferin Susanne Riesch im Gespräch über Kopf und Konzentration.

Slalom, heißt es, spiele sich mehr als jede andere alpine Disziplin im Kopf ab. Warum?

Im Slalom hat alles mit Selbstvertrauen zu tun. Wenn man zwei-, dreimal hintereinander ausgeschieden ist, geht das Selbstvertrauen verloren und man kann seine Leistung nicht abrufen. Man traut sich nicht, die engste Linie zu fahren.

Ist Konzentration im Slalom wichtiger als in anderen Disziplinen?

Vielleicht deshalb, weil im Slalom die Tore am schnellsten auf dich zukommen. Im Riesenslalom hat man zwischen den Toren mehr Zeit zu überlegen.

Absolvieren Slalomfahrer ein gezieltes Konzentrationstraining?

Nicht direkt. Aber wir haben beim Skiverband schon mit einem Mentaltrainer gearbeitet, jeder individuell auf seine Bedürfnisse abgestimmt. Felix Neureuther zum Beispiel arbeitet mit dem Life-Kinetik-Trainer Horst Lutz zusammen. Durch ungewöhnliche Bewegungsabfolgen werden dem Körper visuelle und koordinative Aufgaben gestellt, damit kann unter anderem die Konzentration verbessert werden.

Wäre das nicht auch etwas für Sie?

Wir hatten bei Horst Lutz einen Einführungskurs, aber wir haben das nur als Koordinationstraining gesehen und nicht als spezielle Konzentrationsübung für das Slalomfahren. Ich habe das Buch, das Lutz und Felix geschrieben haben, zwar mal in der Hand gehabt, mich aber damit bisher zu wenig beschäftigt, um beurteilen zu können, ob das etwas für mich wäre.

Gibt es spezielle Konzentrationsübungen für den Slalom?

Nein, es hat viel mit der Startvorbereitung zu tun. Und da hat jeder sein eigenes Ritual. Die einen kommen erst ganz kurz vor dem Start, andere nehmen sich viel Zeit.

Wie machen Sie es?

Ich bin zehn Minuten vorher am Start, dann mach ich Aufwärmübungen. Ich gehöre zu denjenigen, die sich noch gern eine oder zwei Läuferinnen im Fernseher anschauen. Wenn es dort keinen Fernseher gibt, schaue ich neben dem Starthaus runter. Da sehe ich dann, wie sie die ersten Tore fahren. Drei Läuferinnen, bevor ich an der Reihe bin, steige ich in die Ski. Dann gehe ich immer wieder die Kurssetzung und die Schlüsselstellen durch. Kurz vor dem Start gibt uns ein Trainer noch letzte Informationen.

Es gibt ganz besonders lockere Typen wie Ted Ligety, die kurz vor dem Start noch Scherze machen, oder ganz verbissene wie Weltmeister Martin Pranger, der sich abschottet. Welcher Typ sind Sie?

Weder der eine, noch der andere. Mir hilft es am besten, wenn ich mir gar nicht so viele Gedanken mache, wo es welche Schwierigkeiten geben könnte.

Ein Slalomlauf hat rund 60 Tore. Wie schaffen Sie es, sich den gesamten Kurs zu merken?

Man muss sich nicht jedes Tor merken. Ich merke mir, wann Übergänge und die Kombinationen kommen, und ob es eine enge oder eine weite Kombination ist. Dadurch weiß ich, mit wie viel Risiko ich sie schnellstmöglich passieren kann.

Wie verarbeitet man Einfädler?

Das geht natürlich einfacher, wenn es davor ganz gut lief, man erfolgreich war. Dann muss man es eigentlich nicht verarbeiten, denn du weißt ja, dass ein Einfädler nichts mit deiner Leistung oder deiner Form zu tun hat. Man zieht den Schwung vielleicht eine Zehntelsekunde, einen Wimpernschlag, zu früh an, dann greift die Kante, und man fährt mit einem Ski innen statt außen am Tor vorbei.

Das hat schon mit Konzentration zu tun, oder?

Im Prinzip ja. Als mir das in Flachau passiert ist, als Führende nach dem ersten Durchgang, da war es bei mir die Aufregung. Wenn man nervös ist am Start, denkt man vielleicht an zu viele Dinge und leistet sich einen Konzentrationsfehler.

Ist die Angst des Slalomläufers vor dem Ausscheiden immer präsent?

Wenn man gut drauf ist, denkt man natürlich nicht ans Ausscheiden, dann verlässt man sich auf seine gute Form. Aber wenn man anfängt zu überlegen, ist man schnell draußen.

Wie sehr beeinflussen Unterbrechungen die Konzentrationsphase?

Unterbrechungen kommen beim Slalom nicht so oft vor, wenn überhaupt, dauern sie nicht sehr lang. Für mich war in Flachau ungewohnt, dass sich bei den letzten drei das Startintervall etwas verlängert hat, weil das Fernsehen im Zielraum länger bei den Läufern bleibt. Das war für mich neu, weil ich ja zum ersten Mal nach dem ersten Durchgang geführt hatte und deshalb als Letzte gestartet war. Ich habe gehofft, dass es möglichst schnell weitergeht. Aber auf diese etwas längere Konzentrationsphase muss man sich eben einstellen.

Das Gespräch führte Elisabeth Schlammerl.

Quelle: F.A.S.
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