31.01.2010 · „Es hat in den vergangenen Wochen immer geheißen, Lindsey sei unbesiegbar“, sagte Maria Riesch nach ihrem Abfahrtserfolg, der auch ein Sieg über ihre Freundin Lindsey Vonn war: „Das hat schon ein bisschen an mir genagt.“
Von Michael Eder, St. MoritzDie letzte Abfahrt vor Olympia ist geschlagen, und sie ist genau so ausgegangen, wie sich das Maria Riesch ausgemalt hatte. Die Partenkirchenerin holte auf der anspruchsvollen Corviglia-Piste in St. Moritz ihren ersten Abfahrtssieg seit mehr als drei Jahren. Das wäre Grund genug zur Freude gewesen, doch noch besser fühlte sich das Rennen für die Deutsche an, weil es gleichzeitig die erste Saisonniederlage für Lindsey Vonn seit der WM in Val d'Isère brachte; seither hatte die Amerikanerin alle sechs Abfahrtsrennen gewonnen.
Maria Riesch war in St. Moritz mit einer Laufzeit von 1:41,31 Minuten 79 Hundertstelsekunden schneller als die zweitplazierte Französin Ingrid Jacquemod, Fabienne Sutter aus der Schweiz lag als Dritte weitere 17 Hundertstelsekunden zurück. Lindsey Vonn verlor mit einem Rückstand von 1,21 Sekunden als Fünfte nicht nur das Rennen, sondern musste ihre Freundin Maria Riesch auch im Gesamt-Weltcup unangenehm nahe an sich heranrücken lassen. Ihr Vorsprung vor der auch in den technischen Disziplinen starken Deutschen beträgt noch 61 Punkte.
Vonn geht nicht mehr als haushohe Favoritin ins olympische Abfahrtsrennen
„Es hat in den vergangenen Wochen immer geheißen, Lindsey sei unbesiegbar“, sagte Maria Riesch nach ihrem Triumph. „Das hat schon ein bisschen an mir genagt. Der Sieg ist eine ungeheure Befreiung und Erleichterung für mich. Dass es heute endlich mal wieder zu einem Erfolg in der Abfahrt gereicht hat, sehe ich als Belohnung.“ Schließlich sei sie auch bei den letzten Hochgeschwindigkeitsrennen gut unterwegs gewesen, „nur zum ganz großen Erfolg hat es halt nie gereicht, was teils an meinen eigenen Fehlern lag, teils an Lindseys Dominanz“.
In die Abfahrt von St. Moritz hat sich die Partenkirchenerin am Samstag mit dem Willen gestürzt, bei letzter Gelegenheit vor Olympia noch einmal für ein Ausrufezeichen zu sorgen, und das Ausscheiden tags zuvor im Super-G des Kombinationswettbewerbs hat zu ihrer Entschlossenheit nur noch beigetragen. „Sie hat gestern gesagt, sie würde zurückschlagen“, sagte die Oberstdorferin Gina Stechert, die auf den elften Rang fuhr, „und das hat sie getan. Sie hat gezeigt, dass Lindsey nicht unschlagbar ist.“ Die Amerikanerin versuchte, gute Miene zum schwachen Ergebnis zu machen. Sie sei mit dem Ski in einem Loch auf der Piste hängen geblieben und habe dabei viel Zeit verloren. Und das Gefühl zu verlieren, kenne sie ja auch zur Genüge, allerdings bislang nur in den technischen Disziplinen.
Auch Maria Riesch hatte im ruppigen Mittelteil der Strecke Probleme („Mich hat's auch verschlagen“), doch im Gegensatz zu ihrer amerikanischen Rivalin schaffte sie es, das Tempo mit in den flacheren Schlussabschnitt zu nehmen. „Klar“, sagte Maria Riesch, „hat Lindsey einen Fehler gemacht, aber sie lag auch zu diesem Zeitpunkt schon hinten.“ Lindsey Vonn geht nicht mehr als haushohe Favoritin und mit dem Nimbus der Unbesiegbarkeit ins olympische Abfahrtsrennen - dafür hat ihre Freundin Maria Riesch in St. Moritz gesorgt.