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Paralympics Gold für Biathletin Verena Bentele

14.03.2010 ·  Ein Jahr nach ihrem schweren Sturz hat Biathletin Verena Bentele bei den Paralympics die Goldmedaille gewonnen. Die blinde 28-Jährige siegte im Verfolgungs-Wettbewerb. In Vancouver will sie noch vier Mal mit ihrem Begleitfahrer an den Start gehen.

Von Arne Leyenberg, Whistler
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Er führte sie zum Sieg im Callaghan Valley, auf das Siegertreppchen der Medal Plaza und zur Party ins Deutsche Haus. Zur Belohnung gab es die Goldmedaille von Whistler gleich in doppelter Ausfertigung: für die blinde Verena Bentele, die zum achten Mal bei Paralympischen Winterspielen siegte und für ihren Begleitläufer Thomas Friedrich, der im vierten Anlauf das erste Gold gewann. Drei Fehlschüsse konnte sich die Studentin in der Biathlon-Verfolgung über drei Kilometer am Samstag erlauben - weil sie und Friedrich läuferisch harmonierten wie kein anderes Team. „Sie war nervös und hektisch, ich habe versucht, sie zu beruhigen“, sagte Friedrich. Sein rhythmisches „Hopp“ schallte immer wieder über die Strecke - der Laut, an dem sich Verena Bentele in der Loipe orientiert. Wenn sie ihm zu dicht auffuhr, nahm er das Tempo raus. „Ich habe nicht gedacht, dass ich es schaffe. Aber ich habe gemerkt, dass Thomas ganz ruhig war“, sagte Verena Bentele. Der ausgeglichene Hesse und die energiegeladene Münchnerin - eine goldene Gemeinschaft, die erst in der Not zusammenfand.

Nach einer schweren Wettkampfverletzung im vergangenen Jahr wandte sich Verena Bentele an Friedrich, der schon mit ihrem ebenfalls sehbehinderten Bruder Michael gelaufen war. „Wenn ich Thomas nicht gefunden hätte, hätte ich es sein gelassen“, sagt die 28 Jahre alte Studentin. Kurz zuvor hatte ihr damaliger Begleitläufer links und rechts verwechselt, Verena Bentele war in einen Abgrund gefahren.

Friedrich ließ sich auf die schwere Mission ein, der blinden Athletin nach dem Sturz die Angst zu nehmen, obwohl er 1996 nach drei Paralympischen Spielen als Begleitläufer aufgehört hatte. „Sie war ängstlich und verunsichert. Aber ich kannte ihr Potential, die Aufgabe hat mich total gereizt“, sagt Friedrich. Der Arbeitgeber spielte mit, die Familie auch. Seit Juni vergangenen Jahres ist Friedrich von seiner Bonner Firma praktisch freigestellt, 150 Tage trainierte er mit Verena. „Die Familie und der Arbeitgeber haben zurückgesteckt“, sagt Friedrich.

„Ein absolutes Geschreie“

Normalerweise dauere es zwei Jahre, bis sich Athlet und Begleitläufer aneinander gewöhnt hätten, sagt der 40 Jahre alte Sportwissenschaftler. Er und Verena harmonierten nach wenigen Monaten derart, dass sie in dieser Saison den Gesamtweltcup im Langlauf und im Biathlon gewannen. Und nun die Goldmedaille bei den Paralympischen Spielen von Vancouver. „Wir sind schon lange befreundet, haben beide viel Erfahrung, das hat menschlich gepasst“, sagt Friedrich.

In Hessen zählte Friedrich als Schüler und Jugendlicher zu den erfolgreichsten Langläufern, während des Studiums in Köln wurde er zum Begleitläufer für Sehbehinderte. Er bestimmt Richtung, Taktik und Rhythmus seiner Athleten. Und muss, ganz entgegen seiner Art, manches Mal richtig laut werden. Als Verena Bentele im Callaghan Valley mit großem Vorsprung auf die Russin Liubow Wassiljewa auf die Zielgerade einbog und die Zuschauer der Siegerin zujubelten, musste Friedrich brüllen, damit ihn Verena Bentele noch wahrnehmen konnte. „Das war ein absolutes Geschreie“, sagte er.

Nach dem Zielstrich musste er seine Athletin auffordern zu bremsen, dann lagen sich die beiden in den Armen. „Diese Medaille ist eine ganz besondere“, sagte Verena Bentele. „Heute vor einem Jahr konnte ich mich kaum bewegen.“ Viermal gehen Verena Bentele und Thomas Friedrich in den nächsten Tagen in Whistler noch an den Start, an diesem Montag im Langlauf über 15 Kilometer Freistil. Nach den Paralympics hört Friedrich mit dem Sport auf. „Es ist total schade, aber auf diesem Niveau nicht mehr machbar“, sagt er. Auch Verena Bentele wird ihre Karriere dann wohl beenden. Sie will sich keinen neuen, wie sie sagt, „Blindenhund“ suchen. Thomas Friedrichs Spitzname „Wauzi“ wird dagegen wohl bleiben.

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