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Paralympics Blindes Vertrauen

13.03.2010 ·  Ein neuer Begleitläufer soll Verena Bentele bei den Paralympics zum Sieg führen. Seine Stimme ist die einzige Orientierung für die blinde Skiläuferin. Ihr vorheriger Begleiter führte sie in einen Abgrund: Er hatte links und rechts verwechselt.

Von Arne Leyenberg, Vancouver
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Seit sechs Monaten ist die Angst weg. Seit sechs Monaten kann Verena Bentele wieder vertrauen. Dem Mann, der drei Meter vor ihr läuft und ihr die Richtung vorgibt. Die Stimme ihres Begleitläufers Thomas Friedrich ist die einzige Orientierung für die blinde Skisportlerin in der Loipe. „Es harmoniert zwischen uns“, sagt Verena Bentele, die an diesem Samstag bei ihrem ersten von fünf Rennen bei den Paralympischen Spielen in Whistler antritt. Bei den deutschen Meisterschaften in Isny im vergangenen Jahr schickte ihr damaliger Begleitläufer sie einen Abgrund hinab. „Er hat links und rechts verwechselt“, sagt Verena Bentele.

Eine Verwechslung mit drastischen Folgen. Nach Kreuzbandriss, Kapselrissen an zwei Fingern und Verletzungen an Leber und einer Niere, die letztlich entfernt werden musste, sah es so aus, als könnte die Langläuferin und Biathletin nie wieder Sport treiben. „Aber ich bin ein Stehauf-Weiblein“, sagt die 28 Jahre alte Verena Bentele. Als wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die zierliche Studentin aus Tettnang am Bodensee eine Kämpfernatur ist, hat sie sich nach dem Unfall zurück an die Weltspitze gearbeitet. „Ich wollte meine Karriere nicht mit einem Sturz beenden“, sagt sie. Im Juni kehrte sie mit ihrem neuen Begleitläufer, der zuvor schon mit ihrem sehbehinderten Bruder Michael gearbeitet hatte, in die Loipe zurück. Im September hatte sie die Angst überwunden.

Sie will ihre achte paralympische Goldmedaille

Im Langlauf und im Biathlon gewann Verena Bentele in diesem Winter den Gesamtweltcup, deshalb zählt die viermalige Weltmeisterin auch in Whistler zu den Favoriten. „Wenn ich sagen würde, ich will nur dabei sein, wäre ich nicht ehrlich“, sagt sie. Sie will ihre achte paralympische Goldmedaille. „Ich möchte in jedem Rennen Top-leistung bringen und einmal ganz oben stehen.“ Die Strecken ist sie in den vergangenen Tagen im Training das erste Mal abgefahren, eine Vorstellung von ihnen hatte sie schon. Im Trainingslager in Südtirol habe sie bei den Übertragungen der Olympischen Spiele in den vergangenen Wochen am Fernseher „geklebt“, ihre Teamkameraden und ihr Begleitläufer erklärten ihr die Strecken. Beim Langlauf über 15 Kilometer Freistil und bei ihren zwei Einsätzen im Biathlon rechnet sie sich die größten Chancen aus. „Da kann was gehen“, sagt Verena Bentele.

Vancouver 2010 wird wohl der Abschluss ihrer Karriere. Ihr Begleitläufer Friedrich hört nach den Spielen auf, und Verena Bentele will sich nicht mehr auf einen neuen einstellen. Auf die erfolgreichste deutsche nordische Behindertensportlerin wartet jedoch schon die nächste Herausforderung. In München studiert sie Literaturwissenschaft, bis Anfang Juli will sie ihre Magisterarbeit mit dem Thema „Die Gestaltung von Büchern in Hörbuchfassung“ abgegeben haben. Sie weiß: „Das wird der nächste Wettkampf.“

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