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Maria Riesch Die goldige „Stehauffrau“

19.02.2010 ·  Nach der bitteren Pille in der Abfahrt ist Maria Riesch am Ziel ihrer Olympiaträume: Gold in der Kombination. Silber hatte sie nach ihrem Lauf sicher - dann stürzte Lindsey Vonn. Es war ein Sieg, der sich schon lange abgezeichnet hatte.

Von Peter Penders
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Diesmal stand Maria Riesch schon ganz gelöst unten im Zielraum. Die Silbermedaille in der Kombination war ihr da schließlich schon sicher gewesen, aber ihre überragende Bestzeit in diesem Kombinationsslalom ließ sogar auf den ganz großen Wurf hoffen. Kaum war sie im Ziel gewesen, hatte sie schon die Arme jubelnd hochgerissen, und das vielleicht nicht nur aus Erleichterung darüber, dass ihr die ersehnte Medaille schon sicher war. Diese Fahrt aber schien zu gut gewesen, um nur mit Silber belohnt zu werden.

Oben stand nur noch ihre Freundin Lindsey Vonn, die wie am Vortag in der Spezialabfahrt wieder die Schnellste in der Schussfahrt gewesen war. Aber Maria Riesch, die Slalomweltmeisterin des vergangenen Jahres, ist in der Zickzack-Fahrt wesentlich konstanter als die Amerikanerin, die Goldmedaille schien also zum Greifen nahe. Und prompt war der Druck, den die Deutsche mit ihrer fulminanten Fahrt auf die Amerikanerin ausgeübt hatte, zu groß - nach der letzten Zwischenzeit fädelte die Amerikanerin ein und sorgte nicht nur bei den Deutschen für riesigen Jubel.

Denn hinter Maria Riesch und Julia Mancuso, die nach dem zweiten Platz in der Abfahrt abermals alle überraschte, schnappte sich eine Fahrerin die Bronzemedaille, die ihr jeder gönnte. Nur 24 Stunden nach ihrem schrecklichen Sturz in der Abfahrt war Anja Pärson trotz ihrer schweren Prellungen wieder an den Start gegangen und wurde mit Bronze belohnt. Ungeachtet ihrer Schmerzen warf sich die Schwedin danach voller Freude bäuchlings in den Schnee.

„Nach so einem Rennen wieder aufzustehen, ist sensationell“

Maria Riesch aber hatte wieder die Stärke gezeigt, die sie in den vergangenen Jahren immer ausgezeichnet hatte. Nach Niederlagen und Rückschlägen schafft sie es, ganz schnell aufzustehen. Platz acht in der Abfahrt war eine bittere Pille für sie gewesen, dazu hatte Matthias Berthold ihre Fahrt als mutlos kritisiert.

Aber der Cheftrainer kennt seine Vorzeigefahrerin und weiß genau, wie er das Letzte aus ihr herauskitzeln kann. Schon der erste Teil der Kombination hatte gezeigt, dass sie diesmal mit einer ganz anderen Einstellung an den Start gegangen war - auf der verkürzten Strecke hatte sie diesmal nach der Schussfahrt nur 0,33 Sekunden hinter Lindsey Vonn zurückgelegen. Das schien machbar im Slalom, und das war machbar, wie sich herausstellen sollte.

Es war der erste deutsche Olympiasieg eines alpinen Starters des Deutschen Ski-Verbandes seit den Winterspielen von 1998, als Hilde Gerg die goldenen Tage von Nagano nach den beiden Siegen von Katja Seizinger mit ihrem Triumph im Slalom abgeschlossen hatte. „Maria ist eine ganz Große. Nach so einem Rennen wie gestern wieder aufzustehen, ist sensationell“, sagte Hilde Gerg über ihre Nachfolgerin. Quasi im Vorbeifahren beendete Maria Riesch mit ihrer Goldfahrt außerdem nach 18 Wettbewerben die bleierne Zeit des DSV ohne Olympia-Medaille seit der Kombinations-Bronze von Martina Ertl 2002 in Salt Lake City.

„Die Maria wird in Vancouver ein ganz großes Ding raushauen“

Es war eine Goldmedaille, die sich schon im vergangenen Jahr abgezeichnet hatte - Matthias Berthold hatte sie da nach dem WM-Titel im Slalom bereits angekündigt. „Die Maria wird in Vancouver ein ganz großes Ding raushauen“, sagte er, nachdem sein Aushängeschild auch bei der WM nach vielen Enttäuschungen die Nerven behalten und im letzten Rennen doch noch triumphiert hatte. „Die Maria“, sagte Berthold nun, „die Maria kann mit Druck umgehen.“

Schließlich hatte sie dem Rückschlag auf der Spezialabfahrtsstrecke, in der sie nach ihrem Weltcupsieg kurz vor Olympia in St. Moritz ebenfalls zu den Medaillenfavoriten gezählt hatte, ganz schnell weggesteckt. „Ich hatte heute auch eine innere Ruhe, weil ich wusste, dass mir der Lauf liegt, und dass ich eine Medaille gewinnen würde, wenn ich einfach nur fahre, was ich kann“, sagte die 25 Jahre alte Partenkirchnerin. Eine kleine Schrecksekunde hatte sie in der Kombinationsabfahrt überstehen müssen, als sie eine Bodenwelle übersah und weit von der Ideallinie abkam. Danach aber legte sie eine couragierte Fahrt hin und hielt den Rückstand vor dem Slalom so entscheidend in Grenzen.

„Verdammt knapp. Sie hätte dabei leicht zu Tode kommen können“

Am Morgen hatten sich viele Zuschauer die Augen gerieben, als Anja Pärson nach ihrem spektakulären Sturz in der Abfahrt tatsächlich zu dieser Kombination angetreten war. 58 Meter war sie da am Vortag beim Sprung im Zielhang durch die Luft geflogen und auf die Piste geprallt. „Das war verdammt knapp. Sie hätte dabei leicht zu Tode kommen können“, sagte ihr entsetzter Vater und Trainer Anders Pärson. Doch mit schweren Prellungen, Blutergüssen „und einer Menge Wut im Bauch“ kehrte seine Tochter tags darauf wieder an die Strecke zurück und wollte diesen Berg nun bezwingen, der entschärft worden war. Für die Kombinations-Abfahrt war der Zielsprung auch mit Blick auf die Slalom-Fahrerinnen unter den Kombinationsstartern noch ein weiteres Mal abtragen worden.

Als Julia Mancuso, die seit ihrem Olympiasieg vor vier Jahren im Riesenslalom nach vielen Verletzungen und Materialproblemen meistens nur hinterher gefahren war, ihre Slalomfahrt aber meisterte, schien aller Einsatz vergebens. Die Schwedin war schließlich hinter Maria Riesch und der Amerikanerin auf den dritten Rang zurückgefallen, und genauso wie Maria Riesch, aber sicher nicht ganz so gelöst wie die Deutsche, hatte sie das Rennen von Lindsey Vonn verfolgt. Und als die Amerikanerin schließlich einfädelte, gab es für beide kein Halten mehr.

Damen, Kombination:
Gold: Maria Riesch (Partenkirchen) 2:09,14 Min. (Abfahrt 1:24,49 Min./Slalom 44,65 Sek.)
Silber: Julia Mancuso (USA) 2:10,08 (1:24,96/45,12)
Bronze: Anja Pärson (Schweden) 2:10,19 (1:25,57/44,62)

4. Kathrin Zettel (Österreich) 2:10,50 (1:26,01/44,49); 5. Tina Maze (Slowenien) 2:10,53 (1:25,97/44,56); 6. Fabienne Suter (Schweiz) 2:10,85 (1:25,29/45,56); 7. Sarka Zahrobska (Tschechien) 2:11,02 (1:27,33/43,69); 8. Johanna Schnarf (Italien) 2:11,29 (1:25,72/45,57); 9. Michaela Kirchgasser (Österreich) 2:11,35 (1:27,09/44,26); 10. Marie Marchand-Arvier (Frankreich) 2:11,82 (1:25,41/46,41); Gina Stechert (Oberstdorf) ausgeschieden (1:25,44/-)

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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