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Maria Riesch Die Frontfrau

17.02.2010 ·  Maria Riesch ist der Star in ihrer Mannschaft. Bei der Olympia-Lotterie hat sie die große Auswahl. Eine Goldmedaille ist Pflicht. Es könnte auch mehr werden. Am Mittwoch um 20 Uhr startet ihr olympisches Abenteuer mit der Abfahrt.

Von Michael Eder, Vancouver
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Nebel, Schnee und Regen. Der erste schwere Gegner bei Olympia ist das Wetter. Am Freitag musste Maria Riesch die langen Ski wieder in die Ecke stellen, nachdem wegen des miserablen Wetters das Abfahrtstraining für den Kombinationswettbewerb gestrichen worden war. Die Partenkirchenerin schnallte die Slalomski an und vertrieb sich die Zeit mit ein paar Fahrten durch den Stangenwald. Als die Veranstalter dann auch die für diesen Sonntag geplante Kombination absagten, war dies im deutschen Lager nicht nur Grund zum Ärger.

Maria Riesch und ihre Kolleginnen machten sich flugs auf den Weg nach Vancouver zur Eröffnungsfeier. „Das war von Anfang an der Wunsch von uns allen gewesen“, sagte sie. Doch die Trainer hatten sie mühsam davon überzeugt, dass die insgesamt dreistündige Autofahrt samt Aufenthalt in Vancouver nicht mit dem Start am Sonntag zu vereinbaren sei. Der Sport gehe vor.

Nun aber, da die Kombination erst am Donnerstag stattfindet, war die Eröffnungsfeier für die deutschen Alpinen eine willkommene Abwechslung. Für alle acht Fahrerinnen ist Vancouver die olympische Premiere. Maria Riesch hatte ihre Teilnahme 2006 wegen eines kurz vor Beginn der Turiner Spiele erlittenen Kreuzbandrisses verpasst. Olympia vor dem Fernseher? „Sehr deprimierend, es ist mir sehr schwergefallen damals.“ Diesmal ist sie live dabei, mitsamt Eröffnungsfeier.

„Ich habe überall gute Chancen“

Gemeinsam gab man sich im deutschen Lager Mühe, Ärger oder Nervosität wegen der Absagen gar nicht erst aufkommen zu lassen. „Dass heute nicht gefahren wurde, war eine gute Entscheidung, es wäre unverantwortlich gewesen“, sagte Maria Riesch. Die Piste in Whistler war nach stundenlangem Nieselregen durchnässt und aufgeweicht. „Wir haben uns darauf eingestellt, wir wussten, hier kann so etwas passieren. Whistler und der kanadische Westen sind bekannt für Schlechtwetterperioden, aber auch für schnell wechselnde klimatische Bedingungen.

Maria Riesch hat in Whistler bislang einen starken Eindruck hinterlassen. Sie ist nicht nur der Star ihrer Mannschaft, sondern auch deren Anführerin, eine Rolle, die ihr offensichtlich Spaß macht. Sie ist gern die Frontfrau, die vorn an der Bühne steht. Ruhig und souverän, freundlich und selbstbewusst stand sie in den vergangenen Tagen Rede und Antwort.

Sie ist körperlich in glänzender Verfassung und hat bei ihrem Abfahrtssieg vor zwei Wochen, als sie der Amerikanerin Lindsey Vonn die erste Saisonniederlage zufügte, noch einmal eine ordentliche Portion Souveränität und Zuversicht hinzugewonnen. „Ich bin selbst überrascht, wie locker ich noch bin“, sagt sie. „Ich weiß, ich bin überall gut drauf und habe viele Chancen.“

Wandlung zur Athletin in Balance

Es sind fünf, um genau zu sein. Die Partenkirchenerin startet in allen Disziplinen, und zumindest in Abfahrt, Super-G, Slalom und Kombination zählt sie zu den Medaillenkandidatinnen. Ihr Vorteil: Sie hat bei der Olympia-Lotterie die große Auswahl, zieht sie eine Niete, ist längst nicht alles verloren. „Wenn in einer Disziplin etwas danebengeht, ist das nicht der Weltuntergang“, sagt sie. Und am Ende soll das große Los dabei sein. „Ich träume von einer Goldmedaille. Das ist das Ziel.“

Die Wandlung der Maria Riesch von einer Rennfahrerin, die nicht nur gegen Berg und Konkurrenz, sondern auch gegen die eigenen Nerven kämpft, zu einer Athletin in Balance könnte ihren Ursprung in einem einzigen Rennen haben. Bei der Weltmeisterschaft in Val d'Isere im vergangenen Jahr hatte sie trotz eines schweren Sturzes im Training und unnötig vergebener Medaillenchancen ganz am Ende doch noch den WM-Titel im Slalom gewonnen. Seit diesem Tag hat sie den ersehnten großen Titel, seit diesem Tag weiß sie, dass sie sich auch in extremen Situationen auf sich selbst verlassen kann. „Das ist gut zu wissen.“

Im Männerski langsamer

Was ihr Selbstvertrauen in dieser Saison auf harte Proben gestellt hat, war das Material. Oder besser gesagt: ihre amerikanische Freundin Lindsey Vonn, die mit einigem Selbstbeweihräucherungs-Brimborium als einzige Frau im Weltcup auf härteren, schwerer zu fahrenden Männer-Ski unterwegs war und damit die ersten fünf Abfahrten gewann. Bis vor zwei Wochen genoss und pflegte sie den Nimbus der Unschlagbarkeit - bis Maria Riesch in St. Moritz gewann, auf Frauen-Ski.

Dennoch hat die Deutsche vor dem Abflug nach Kanada in Garmisch noch einmal getestet, wie sie mit den Männerski zurechtkommt. „Wir wollten nichts unversucht lassen.“ Ergebnis: „Das geht auf die Schnelle nicht. Ich war deutlich langsamer als mit meinen gewohnten Ski.“ Somit ist alles geklärt: Maria Riesch startet in Whistler mit frischem Selbstvertrauen und altem Material.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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