Ein Mann kann nicht ohne. Nicht ohne Wettkämpfe, nicht ohne Siege, nicht ohne Medaillen. Seit 18 Jahren startet Gerd Schönfelder bei Paralympischen Winterspielen, seit 18 Jahren ist der Deutsche der dominante Athlet in der stehenden Klasse der Alpinen. Schon bei seinen ersten Paralympics 1992 in Albertville gewann der einarmige Skiläufer dreimal Gold. Am Freitag holte der 39 Jahre alte Schönfelder sein drittes Gold der Spiele von Vancouver: nach den Siegen in Abfahrt und Riesenslalom machte er mit seinem Erfolg im Super-G in Whistler das goldene Triple perfekt. Zudem wurde er Zweiter im Slalom.
Der „Stier von Kulmain“, wie sich Schönfelder nennt, hatte sich mit Spitzengeschwindigkeiten von rund 120 Kilometern pro Stunde die berüchtigte Abfahrtsstrecke von Whistler Creekside hinuntergestürzt. „Franz`s Run“ hatte bei den Olympischen Spielen viele nicht behinderte Athleten überfordert und zu Fall gebracht. „Du musst dich überwinden“, sagte der einarmige Schönfelder nach dem Gewinn seiner 15. Goldmedaille bei Paralympics.
Mit dem Unfall vor 20 Jahren hadert er nicht mehr
Schönfelder überflügelte dank seiner 21. Olympiamedaille den nordischen Skisportler Frank Höfle und ist nun der erfolgreichste deutsche Athlet der paralympischen Winterspiele. „Das ist schön, aber das war nicht unbedingt mein Ziel. Ich wollte gut Ski fahren, ich wollte Spaß haben und aggressiv Ski fahren“, sagte er bescheiden. Außerdem wurde er in seiner Karriere schon achtmal Weltmeister und gewann sechsmal den Gesamtweltcup. Er kann sich ganz auf seinen Sport konzentrieren, nur gelegentlich hilft er im elterlichen Elektrofachgeschäft oder im Sportgeschäft eines Freundes aus.
Im Alter von 19 Jahren verlor der Franke seinen rechten Arm. Nach der Arbeit hatte der Elektrotechniker den anfahrenden Zug noch erwischen wollen. Beim Versuch aufzuspringen, geriet er zwischen Waggon und Bahnsteig und wurde mitgeschleift. Ein Arm und drei Finger der linken Hand mussten amputiert werden. Nur fünf Monate nach dem Unfall stand Schönfelder wieder auf Skiern. Mit dem Unfall vor 20 Jahren hadert er nicht mehr. Denn das Schicksal hat ihn auch hierhin geführt, an die Skipiste von Whistler Creekside - an der am Ziel, wie immer bei seinen Wettkämpfen, sein Fanclub wartet. „Was ich im Sport erlebt habe, möchte ich nicht missen“, sagt der lebensfrohe Schönfelder: „Lassen wir es so, wie es ist.“
