19.03.2010 · Die „Begleitläufer“ sind bei den Paralmypics die wichtigen Helfer im Schatten. Im Wortsinne folgen ihnen die behinderten Sportler blind. Im Vordergrund steht für die Begleiter nicht das Geld von der Sporthilfe, sondern das Glück ihrer Athleten.
Von Jörg HahnAuf die Vorschlagsliste für die „Sportler des Jahres“ hat es noch keiner von ihnen geschafft, und auch bei anderen Sportlerehrungen stehen sie eher im Hintergrund. Das mag auch an der Bezeichnung „Begleitläufer“ liegen, die den Wert ihrer Arbeit eher verschleiert. Blinde oder sehgeschädigte Athleten kommen ohne sie nicht aus – im Wortsinne folgen ihnen die behinderten Sportler blind.
Verena Bentele, jetzt die herausragende deutsche Teilnehmerin (mit bislang viermal Gold bei vier Starts) bei den Winter-Paralympics in Whistler und Vancouver, hat einen hohen Preis für einen Fehler ihres früheren Partners gezahlt. Bei einem Sturz nach einer falschen Richtungsangabe zog sie sich schwerste Verletzungen zu, sie hat seither nur noch eine funktionierende Niere.
Erst durch die Berichte über dieses Los ist vielen die hohe Verantwortung der Begleiter bewusst geworden. Für die Öffentlichkeit waren sie lange unsichtbar. Thomas Friedrich, auf den Verena Bentele sich jetzt verlässt, muss für die Athletin sehen, sie mit Worten leiten, motivieren; im Training, im Wettkampf, aufgrund der intensiven Zusammenarbeit manchmal auch in Alltagssituationen.
Vier deutsche Begleitläufer sind in Kanada im Einsatz, und sie führen selbst das Leben von Leistungssportlern, fokussiert auf den Sport, freigestellt von der Arbeit, für Freunde und Familie oft nicht präsent. Friedrich, der zehn Jahre lang verschiedenen Athleten beistand, hatte diese Mühle schon hinter sich gelassen und nach den Paralympics 2006 in Turin aufgehört.
Für Verena Bentele kehrte der Vierzigjährige nochmals zurück, in wenigen Tagen ist endgültig Schluss. Der Sportwissenschaftler wird, wie die drei anderen Begleitläufer, auch von der Stiftung Deutsche Sporthilfe unterstützt: In den vergangenen achtzehn Monaten flossen an die unverzichtbaren Helfer rund 40.000 Euro. Im Vordergrund steht aber nicht das Geld, sondern das Glück ihrer Athleten.