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Paralympics „Wie haltet Ihr es mit den Prämien?“

16.03.2010 ·  Die Paralympics finden seit einigen Olympiaden stets am selben Ort statt wie die Olympischen Spiele. Dennoch führen die Spiele der Behinderten auch in Vancouver ein Schattendasein. Ein deutscher Funktionär fordert nun Gleichstellung bei den Prämien.

Von Arne Leyenberg, Vancouver
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Friedhelm Julius Beucher ist in Whistler fast allgegenwärtig. Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) steht an den Rennstrecken, um seine Athleten anzufeuern, gehört am Abend im Deutschen Haus zu den ersten Gratulanten, und nimmt sich zwischendrin auch noch die Vorsitzenden der anderen nationalen paralympischen Komitees vor. Wie haltet Ihr es mit den Prämien?, lautet seine Frage. Von der ukrainischen Verbandsspitze bekam er zu hören, für einen Sieg bei den Paralympischen Spielen gäbe es 76.000 Dollar pro Athlet.

Auch aus Italien höre man ganz wunderbare Summen, sagt Beucher. Der italienische Präsident habe auf seine Anfrage jedoch noch nicht geantwortet. Seit langem schon plädiert der frühere Bundestagsabgeordnete der SPD für eine Anhebung der Prämien für behinderte Sportler. Während die Deutsche Sporthilfe für einen Sieg bei den Olympischen Spielen 15.000 Euro ausbezahlt, bekommen die Athleten des DBS lediglich 4500 Euro für Gold. Die Sportler und der DBS sind sich einig: das muss sich ändern. „Wir wollen Respekt und Anerkennung, kein Mitleid“, sagt Beucher.

In seinen Forderungen bekräftig sieht sich der Präsident, weil der deutsche Alpinskifahrer Kevin Wermeester unlängst seinen Arbeitsplatz verlor. Wermeesters Arbeitgeber wollte den halbseitig gelähmten Athleten nicht mehr länger für den Sport freistellen. Obwohl Arbeitgeber der Mitglieder des „Top Teams“ des DBS einen finanziellen Ausgleich von bis zu 1500 Euro im Monat erhalten. Die Athleten bekommen eine monatliche Grundförderung von 200 Euro.

Annäherung an die Olympischen Spiele erwünscht

Steffi Nerius ist in diesen Tagen als Botschafterin des DBS in Whistler. Die Meinung des Präsidenten muss sie dennoch nicht teilen. Leistungen behinderter und nichtbehinderter Sportler seien nicht miteinander zu vergleichen und demnach letztlich auch unterschiedlich zu honorieren, sagt die Weltmeisterin im Speerwurf und Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele von Athen. In Leverkusen bereitet Steffi Nerius als Trainerin Athleten auf die Paralympischen Sommerspiele von London vor. Sie weiß also, wovon sie redet. Leistungsdichte, Teilnehmerzahl, Niveau - die olympischen und paralympischen Spiele seien schlicht nicht miteinander zu vergleichen.

Der Erfinder der Paralympischen Spiele, ein Kanadier, hat in den Tagen von Vancouver einen kühnen Vorstoß gewagt. Robert Steadward forderte, die Olympischen und Paralympischen Spiele künftig zusammenzulegen. Steadwards Nachfolger als Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Sir Philip Craven, winkte schon ab. Es sei gut so, wie es ist. Das sieht auch Beucher so. „Eine Zusammenlegung ist logistisch unvorstellbar und wäre nicht finanzierbar. Außerdem ist unsere Gesellschaft nicht so weit, dass sie die Wettbewerbe als gleich bewerten würde.“ Der DBS-Präsident plädiert stattdessen für Demonstrationswettbewerbe im Rahmen Olympias. „Dann wären wir mittendrin dabei.“

Finanzielle Augenhöhe

Der frühere Bremer Fußballmanager Willi Lemke, als Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Sport in Whistler, warnt: „Man sollte die beiden Wettbewerbe nicht gegeneinander ausspielen.“ Die Athleten lassen sich jedoch manches Mal dazu hinreißen. „Was Verena heute geleistet hat, ist mehr wert, als fünf Goldmedaillen von Magdalena Neuner“, hatte etwa Aktivensprecher Frank Höfle am Samstag nach der Goldmedaille der blinden Biathletin Verena Bentele gesagt. Höfle legte noch am gleichen Abend nach und sprach in einem Interview davon, dass die Athleten mit dem Fördergeld ruhiggestellt würden. Am Montag widerrief Höfle. Dazu sah sich der sehbehinderte Athlet nach der Kritik, unter anderen vom deutschen Chef de Mission Karl Quade, wohl genötigt. „Ein Vergleich Neuner-Bentele ist nicht unsere Wahrnehmungsform“, sagte auch Beucher. „Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal: Menschen mit Handicap. Wir wollen zeigen, dass wir mit den Olympioniken auf einer Stufe stehen.“

Zumindest finanziell will man schnell auf Augenhöhe gelangen. Am Sonntag tagte Beucher auch deshalb mit Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, dem der DBS angehört, und Mitgliedern des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Auch Hubert Hüppe, der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, ist in Whistler und sicherte Beucher seine Unterstützung zu. „Wir sind in Deutschland noch weit von einer Inklusion der Behinderten in die Gesellschaft entfernt“, sagte der CDU-Politiker. Nach den Paralympischen Spielen wird Beucher das Gespräch mit der Sporthilfe führen. „Ich weiß, dass die Deutsche Sporthilfe keine unendlich druckende Geldmaschine ist“, sagt Beucher. „Aber ich fordere eine öffentliche Anerkennung ein. Mir geht es um den Grundsatz.“ Die Einführung des ukrainischen Prämienmodells hält Beucher immerhin für unrealistisch. „Ich frage ja gar nicht erst, wo das Geld herkommt.“

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