12.02.2010 · Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele gibt es einen Todesfall. Der Rennrodler Nodar Kumaritaschwili stürzte im Training und prallte gegen einen Eisenpfosten. Das Unglück bestärkt nun die Kritiker der extrem schnellen Bahn.
Von Anno Hecker, VancouverDer Rennrodler Nodar Kumaritaschwili ist am Freitag beim Training auf der Olympiabahn von Whistler tödlich verunglückt. Ein Augenzeuge berichtete der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der 21 Jahre alte Georgier sei nach einem Fahrfehler in der Zielkurve aus der Bahn geschleudert worden. Zuvor hatte er seinen Helm verloren.
Kumaritaschwili prallte gegen einen Eisenpfosten der Bahnüberdachung. Die Geschwindigkeit der Rodler beträgt an der Unfallstelle etwa 140 Kilometer pro Stunde. Der Rodler wurde zwar sofort reanimiert, starb aber im Krankenhaus. Das tragische Unglück bestärkt die Kritiker der auf Geschwindigkeitsrekorde getrimmten Bahn. Das Unfallrisiko ist wesentlich höher als in anderen Eiskanälen.
Bei den Trainingsfahrten der Männer und Frauen stürzten bislang rund zwölf Athleten, darunter am Freitag auch der überragende italienische Rodler Armin Zöggeler. Wie die meisten anderen geriet Zöggeler aber in der heiklen Kurvenkombination 11/12/13 aus der Balance und kontrollierte seinen Sturz.
„Man muss mit dem Rodel nicht 150 fahren“
Kumaritaschwili, rund drei Sekunden langsamer als die Schnellsten, verlor die Kontrolle in der Schlusskurve. Er wurde über eine Bande hinaus katapultiert, die nach der ersten Inspektion der Bahn um 30 Zentimeter erhöht worden war. Kunsteiskanäle sind in der Regel so gebaut, dass Athleten selbst bei groben Fahrfehlern immer in der Fahrspur bleiben. Deshalb findet man selbst unmittelbar neben den Bahnen keine Polsterungen oder Sicherheitszonen.
Trotzdem sind solche tragischen Unglücke immer wieder vorgekommen. 2004 starb die Anfängerin Yvonne Cernota, nachdem sie mit ihrem Bob aus der Bahn am Königssee geschleudert worden war. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagte der Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), Thomas Schwab, am Freitag: „Der Unfall ist furchtbar, aber man darf es sich bei der Beurteilung nicht zu einfach machen.“
Schwab bleibt allerdings bei seiner Grundkritik: „Man muss mit dem Rodel nicht 150 fahren.“ Ob und wie die Wettbewerbe fortgesetzt werden, ist noch unklar. Zur Diskussion stehen eine Verlegung des Starts nach unten und die Montage von Schutzschilden aus Plexiglas an der Unfallstelle.