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Olympia-Kommentar Sauber gemacht

01.03.2010 ·  Der pharmazeutische Mehrkampf soll in Vancouver ausgeblieben sein. Bislang findet sich keine Spur von Blutpanschern und anderen kriminellen Manipulatoren. Doch der Markt für neueste Dopingmittel ist nach wie vor sehr ausgeprägt.

Von Anno Hecker
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Hat es doch nur 15 Sportarten gegeben bei den Winterspielen? Der pharmazeutische Mehrkampf soll diesmal ausgeblieben sein. Bislang findet sich zumindest keine Spur von Blutpanschern und anderen kriminellen Manipulatoren. Das Ergebnis passt zur Antidoping-Politik des Internationalen Olympischen Komitees. Nie zuvor hat es bei Winterspielen so viele Dopingkontrollen (2000) gegeben. Nie war das Abschreckungspotenzial größer. Vor vier Jahren scheuten sich die Olympier unter Rogge nicht, erstmals mit der Exekutive eines Staates zusammenzuarbeiten. Und so flüchteten Österreicher - inflagranti erwischt - aus ihren Quartieren, als die Karabinieri anrückten und das Wettkampf-Programm erweiterten: Polizei jagt Skijäger. Wer würde angesichts der geballten Fahndungsenergie also noch ein Risiko ein gehen?

Inzwischen gibt es zunehmend kluge Zielfahndungen, ein für den gemeinen Bürger nicht zumutbares Meldesystem für Top-Athleten in „gefährdeten“ Sportarten und schließlich die Chance, bislang unentdeckbare Substanzen in den kommenden acht Jahren doch noch aus den solange aufbewahrten Proben herauszufiltern. Angeblich reicht ein Blick auf den Medaillenspiegel um zu erkennen, wo die Drohgebärden Einfluss hatten. Nationen, denen man ein nachlässiges nationales Kontrollsystem nachsagt, deren Dopingnester aufgeflogen sind, hatten nicht mehr die Erfolge vergangener Jahre in den Ausdauerdisziplinen.

Bachs Aussage ist schwer zu verstehen

Ein renommierter deutscher Analytiker aber warnte, nur nach unten oder gen Osten zu schauen. Oben, tief im Westen, sei der Markt für die neuesten Dopingmittel nach wie vor sehr ausgeprägt, die Belieferung geradezu ein Kinderspiel. Vor diesem Hintergrund ist es schwer zu verstehen, dass Deutschlands Sportchef Thomas Bach, alles andere als naiv, der deutschen Mannschaft in Whistler und Vancouver eine vollständige Sauberkeit nachsagt. Man kann das glauben, hoffen und sich inständig wünschen. Aber wissen?

Die Analytiker in den Laboren sind sich bewusst, dass der Trend zur Null-Lösung noch kein Beleg ist für einen großen Sprung in der Doping-Bekämpfung. Das hat der Fall der Sprinterin Marion Jones bewiesen. Die Amerikanerin wurde in 159 Tests kein einziges Mal positiv getestet. Obwohl sie laut eigener Aussage ständig unter Stoff stand.

Turin 2006 kann den Dopern Hoffnung machen

Das Dilemma der Fahnder, immer wieder nach verbotenen Substanzen suchen zu müssen, die sie nicht kennen, wird dem Sport leider erhalten bleiben. Dazu kommt die ernüchternde Erkenntnis, dass nicht jedes Anti-Doping-Labor jeden Test anwendet, den es nach Vorgabe der Welt-Anti-Doping-Agentur beherrschen muss. Das Spielfeld für Chemiker unter den kriminellen Manipulatoren bleibt also groß genug. Sie werden von Athleten kontaktiert, die alles riskieren. Zum Beispiel ihr Leben für eine Medaille bei Olympia.

Diese Doper wird auch die Aussicht, in den nächsten acht Jahren vielleicht entlarvt zu werden, nicht bremsen. Vielleicht machen sie sich sogar Hoffnungen: Die Proben der Spiele von Turin 2006 sind bislang schließlich nicht auf Cera, den beliebten Nachfolger des für Blutdoping eingesetzten Medikamentes Erythropoietin (Epo), untersucht worden.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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