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Olympia-Kommentar Lästiger 87. Wettbewerb

14.02.2010 ·  Der offiziellen Zahl der Olympia-Wettbewerbe, 86, muss man leider einen hinzufügen. Nämlich die gerne vergessene, übersehene, verdrängte, verpönte, hässliche, zerstörerische Manipulation. Zyniker sprechen sogar von einer Kern-Sportart. Nie gewollt, aber leider von Anfang an qualifiziert.

Von Anno Hecker
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Wer diese österreichischen Skispringer gesehen hat, muss an die Auftriebskraft des guten Geistes glauben. Vier Siegertypen schlugen mit den Flügeln. So fröhlich, so erwartungsvoll, so gespannt auf einen wahrscheinlich aufregenden, spannenden, also schwierigen Wettbewerb an diesem Samstag. Vielleicht werden die vier von guten Gedanken weit getragen. Sie schwebten jedenfalls schon drei Tage vor ihren ersten Flügen um Medaillen.

Seien wir nicht naiv. Auch Sportlerhirne sind nicht gefeit vor dem Einfluss finsterer Gedanken. Sonst hätte das Internationale Olympische Komitee nicht die Zahl der Kontrollen auf 2000 ausgedehnt. Und sonst gäbe es nicht Heerscharen von Kontrolleuren, die Dopingproben sammeln, Anzüge prüfen, Ski vermessen oder Schlitten zerlegen. Nein, der offiziellen Zahl der Wettbewerbe, 86, muss man leider einen hinzufügen. Nämlich die gerne vergessene, übersehene, verdrängte, verpönte, hässliche, zerstörerische Manipulation. Zyniker sprechen sogar von einer Kern-Sportart. Nie gewollt, aber leider von Anfang an qualifiziert.

Manchmal, so wie vor vier Jahren in Turin, hat die Manipulation sogar recht sportive Auswirkungen. Damals mündete sie in eine Verfolgung zur Nachtzeit: Carabinieri jagt Biathlet. Natürlich ist das alles andere als lustig. Und doch gibt es immer wieder Momente, in denen sich die Menschen vor lauter Leistungssucht als Lachnummern entlarven. Die von Professoren ausgedachte rektale Luftunterstützung zur besseren Wasserlage westdeutscher Schwimmer bei den Sommerspielen 1976 in Montreal produzierte nicht etwa Medaillen, sondern allenfalls Flatulanten.

Der gute Geist wird es schwerhaben, sich durchzusetzen

Gelacht haben auch deutsche Skeletonkonstrukteure über die Vorwürfe des kanadischen Skeletonfahrers. Jeff Pain sprach von verbotenen elektromagnetischen Feldern in deutschen Schlitten. Das ist kein Witz, sondern ein ernster Fall. Denn Pain, ein leidenschaftlicher, rechtschaffener Sportler, glaubt an das, was er sagt. So ähnlich wie der amerikanische Preisrichter, der vermutet, seinen europäischen Kollegen im Eiskunstlauf könnte es an der nötigen Objektivität beim olympischen Wettbewerb gegenüber Amerikanern fehlen. Beweise blieben beide bislang schuldig.

Die schlechten Gedanken aber sind, ob nun in guter Absicht oder mit voller Absicht, freigesetzt. Und sie kommen an, weil die Manipulation auch im Sport eine schlechte Tradition hat. Der gute Geist wird es also auch in Vancouver und Whistler schwer haben, sich durchzusetzen. Es bleibt aber ein Trost: Hinter Manipulationen mögen intelligente Typen stecken. Im Grunde aber sind sie Kleingeister.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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