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Olympia-Kommentar Grüße vom grünen Hügel

18.02.2010 ·  Ein grüner Hügel mit Meerblick in den Bergen von West Vancouver. Sehr idyllisch - aber olympiatauglich? Bei der Standortauswahl war der wichtigste Vorteil der Cypress Mountains nicht die Schneesicherheit , sondern die Nähe zur Olympiastadt.

Von Michael Eder, Cypress
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Cypress Mountain muss man sich in diesen Tagen so vorstellen: ein grüner Hügel mit Meerblick in den Bergen von West Vancouver, darauf ein paar Pisten und eine Halfpipe, allesamt mühsam präpariert. Als die Organisatoren der Olympischen Spiele nun noch einmal 20.000 und damit jetzt schon 28.000 Tickets für die Wettbewerbe in Cypress sperren mussten, weil nach dem Regen der vergangenen Woche die Sicherheit der Stehtribünen nicht mehr gewährleistet war, wurde die Kritik so laut, dass sie beim besten Willen nicht mehr zu überhören war.

Vor allem die englische Presse hat sich auf die kanadischen Veranstalter eingeschossen, addiert die Pannen bei der Eisaufbereitung im Eisschnelllauf, den Todessturz auf der Bobbahn und die Wetterprobleme der ersten Tage in Cypress und Whistler zu einem vernichtenden Gesamturteil. Die kanadischen Kommentatoren weisen die Vorwürfe zurück, vor kleineren Pannen und größeren Wetterkapriolen sei keine Freiluftveranstaltung gefeit, der tödliche Crash im Eiskanal sei ein tragischer Unfall gewesen, wie er im Sport vorkomme, und überhaupt sollten sich die Engländer besser um die Vorbereitung ihrer Sommerspiele 2012 kümmern.

Einen Kritikpunkt aber nehmen die Kanadier ernst: die Entscheidung, Cypress als Austragungsort für die publikumswirksamen Freestyle-Wettbewerbe der Skifahrer und Snowboarder gewählt zu haben. Das Risiko sei von Beginn an klar gewesen, denn die Pisten im 25 Kilometer nördlich von Vancouver gelegenen Wintersportgebiet liegen alle unterhalb von 1200 Metern. Auch der wärmste Februar seit 114 Jahren könne nicht als Ausrede dienen, jeder wisse, das sei nicht der erste Winter, in dem Cypress Probleme mit Schnee und Wetter habe, die Organisatoren seien das Risiko eingegangen und zahlten nun den Preis dafür.

Für viele Fans geht die Rechnung nicht auf

Cypress Mountain wird, wie fast alle Skigebiete in Kanada, privat betrieben. Eigentümer ist der amerikanische Immobilieninvestor CNL, der 20 Millionen Dollar investierte, um die Infrastruktur am Berg zu verbessern und den Zuschlag als Olympiastandort zu bekommen. Das Organisationskomitee der Spiele steuerte noch einmal 16 Millionen bei. Genügen wird diese Summe nicht, die Kosten werden am Ende noch einmal deutlich gestiegen sein, denn um die Pisten und die Halfpipe bei frühlingshaften Temperaturen überhaupt herrichten zu können, mussten mit Lastwagen und Hubschraubern mehr als 5000 Kubikmeter Schnee aus höherliegenden Gebieten herangeschafft werden.

Warum Cypress? Man habe die Sache verteilen wollen, heißt es, sprich nicht alle Schneewettbewerbe oben in Whistler, wo man die Halfpipe und Freestyle-Pisten deutlich höher hätte plazieren können. Cypress aber hatte als wichtigsten Standortvorteil nicht die Schneesicherheit, sondern die Nähe zu Vancouver. Es ist das winterliche Naherholungsgebiet der Großstadt am Pazifik, und die Aussicht war verlockend, einfach mal 25 Minuten mit dem Bus zu fahren, um sich die Freestyle-Wettbewerbe anzuschauen – für viele Zuschauer geht diese Rechnung nicht auf.

Einziger Trost für die Kanadier: Was die Medaillenausbeute betrifft, hat Cypress Hill die Erwartungen bislang erfüllt: Die Snowboarderin Maelle Ricker und der Buckelpistenfahrer Alexandre Bilodeau gewannen auf dem grünen Hügel jeweils Gold.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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