17.02.2010 · München kann sich als Sieger des Prologs der drei Olympiabewerber für 2018 sehen - trotz eines Schnitzers von Oberbürgermeister Ude während der Präsentation in Vancouver. Doch die Nervosität vor allem wegen des Konkurrenten Pyeonchang ist berechtigt.
Von Evi Simeoni, VancouverDieser olympische Wettbewerb wird noch lange dauern, weit über die Schlussfeier der Spiele von Vancouver hinaus: München, Pyeongchang und Annecy sind erst bei der Aufwärmrunde für den Dreikampf um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2018 angelangt. Sieger des Prologs, der Präsentationen vor der Weltpresse in Vancouver, war München. Konzentriert, professionell und über weite Strecken gut vorbereitet stellte die Delegation ihr Programm vor, während Katarina Witt als Chef-Botschafterin der Bewerbung für die nötige Stimmung sorgte.
Er wolle, sagte der für Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), nur wenige klare Bemerkungen machen: „Die Bundeskanzlerin, die Regierung, das deutsche Parlament mit allen Parteien und die deutsche Öffentlichkeit unterstützen die Bewerbung.“ Maizière berief sich auf Umfragen, die ergäben, dass 75 Prozent der Deutschen für Winterspiele in München seien. „Als Innenminister kann ich Ihnen versichern, dass wir sichere, friedliche und freundliche Spiele ausrichten können. Wir haben das bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bewiesen.“
Die Aussage von Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), dass es in 200 Jahren Oktoberfest keinen einzigen „major security incident“ gegeben habe, was man als „Anschlag“ übersetzen könnte, war allerdings eine Panne - denn am 26. September 1980 starben 13 Menschen, als auf dem Oktoberfest eine Rohrbombe explodierte. Ude las schlicht falsch aus dem englischen Manuskript vor. Später entschuldigte sich Ude, seine Aussage habe sich auf den Münchner Olympiapark und nicht auf das Volksfest auf der Theresienwiese bezogen.
Das entwaffnende Lächeln lieferte Katarina Witt auf überschwengliche Weise, und die anwesenden Herren einschließlich der Bewerber selbst - Multi-Funktionär Thomas Bach, Ude, Bond-Filmer Willy Bogner, begleitet vom bayerischen Staatsminister Siegfried Schneider (CSU) - zeigten sich leicht entflammbar. „Wintersport ist in unserer DNA“, diagnostizierte die ehemalige Eiskunstläuferin, die als Carmen vor 22 Jahren auf kanadischem Boden, in Calgary, olympisches Gold gewann.
Gute Figur trotz Udes Schnitzer
Angesichts des unordentlichen, improvisiert wirkenden Auftritts von Mitbewerber Annecy und der steifen und zugeknöpften Haltung von Pyeongchang haben die Deutschen trotz Udes Schnitzer die beste Figur gemacht. Doch haben sie auch die besten Argumente? Als starker Gegner ließ Pyeongchang seine finanziellen Möglichkeiten ahnen. Als Anführer der Delegation trat Yang Ho Cho auf, der Chef von Korean Air. Nicht dabei, aber in Gedanken anwesend war Kun Hee Lee, der erst vor wenigen Tagen von der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wieder als Mitglied eingesetzt worden ist.
Der ehemalige Chef von Samsung war im Sommer vergangenen Jahres wegen Steuerbetrugs und Vertrauensbruchs zu drei Jahren Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von 62 Millionen Euro verurteilt worden. Aus durchsichtigen Gründen hatte ihn der koreanische Staatspräsident am 31. Dezember begnadigt: Er wird für die Olympiabewerbung gebraucht. Diesmal macht Korea alle verfügbaren Kräfte mobil: Schon zweimal ist Pyeongchang beim IOC gescheitert. Lee, der reichste Mann des Landes, ist zwar als Samsung-Chef zurückgetreten, doch ist der Multi-Konzern ein Familienunternehmen.
Pyeongchangs Vorteil heißt Samsung
Das Besondere daran: Als einer der Top-Sponsoren des IOC (bis 2016) darf Samsung den Mitgliedern, die am 6. Juli 2011 in Durban den Austragungsort der Winterspiele 2018 wählen, kleine Aufmerksamkeiten zukommen lassen. Anderen Bewerbern droht in solchen Fällen eine Rüge durch die Ethik-Kommission. „Wenn jemand amnestiert worden ist, schaut man nach vorne“, sagte Yang Ho Cho ausweichend, während Yong Sung Park, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Korea, ankündigte: „Lee wird als eines von zwei koreanischen IOC-Mitgliedern für die Bewerbung arbeiten.“ München, das keine Kritik an Mitbewerbern üben darf, hofft nun insgeheim darauf, dass Lees durchsichtige Rehabilitation den Unmut rechtschaffener IOC-Mitglieder ausgelöst hat.
Annecy, das von einer Handvoll ehemaliger Sportler, angeführt vom einstigen Ski-Freestyler Edgar Grospiron, und der Sportministerin Roselyne Bachelot vertreten wurde, scheint seiner Zeit noch ein bisschen hinterherzuhinken. Und doch könnte das Städtchen in Hochsavoyen, falls im Juni alle drei vom IOC als offizielle Kandidatenstädte anerkannt werden, theoretisch Münchens Stolperstein werden. Schließlich müssten sich die beiden in der ersten Runde die europäischen Stimmen teilen. Die Nervosität, die auch die deutsche Präsentation umgab, ist also berechtigt. Obwohl Thomas Bach schließlich die weltumspannende Fraktion der Autofahrer für München aktivierte, indem er ihnen schnelle Verkehrswege zwischen München, Königssee und Garmisch-Partenkirchen in Aussicht stellte: auf der beliebten deutschen Autobahn.