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Paralympics Bodychecks auch im Sitzen

17.03.2010 ·  Sledge-Hockey ist rasant und kurzweilig, es gelten die gleichen Regeln wie beim Eishockey. Auch Bodychecks sind erlaubt: die Spieler - vielen fehlt ein Bein - fahren sich einfach mit ihren Schlitten über den Haufen.

Von Arne Leyenberg, Vancouver
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Wer in Kanada den Fernseher einschaltet, bekommt meist eines zu sehen: Hockey. Eishockey auf allen Kanälen. In diesen Tagen kommt sogar noch eine Variante hinzu: das Sledge-Eishockey. Der Wettbewerb der Paralympischen Spiele ist der einzige, der live und landesweit im kanadischen Fernsehen übertragen wird. Die Liebe der Kanadier zum Eishockey macht vor der Version auf dem Schlitten nicht halt.

Am Sonntag soll es gar zum Traumfinale kommen: dem Spiel Kanadas, des Titelverteidigers, gegen die Vereinigten Staaten, den amtierenden Weltmeister. „Das ist das Spiel, das jeder will“, erklärt der kanadische Stürmer Herve Lord. „Über nichts anderes wird mehr gesprochen“, ergänzt der amerikanische Spieler Nikko Landeros. Die Kanadier wollen den Hattrick: nach dem Olympiasieg der Männer und Frauen nun auch noch Gold im Sledge-Eishockey. Die Amerikaner wollen dagegen Revanche für das olympische Eishockeyfinale, das sie erst in der Verlängerung gegen den Gastgeber verloren.

„Go, Canada, go“ schallt es am Dienstagabend durch die UBC Thunderbird Arena, als das Team Canada in einer Neuauflage des paralympischen Finales von 2006 Norwegen 5:0 besiegt. 6800 Zuschauer fasst das Eisstadion auf dem Campus der Universität von Vancouver, die Spiele der Kanadier und das Finale waren schon vor Beginn der Paralympics ausverkauft. Beim Vorrundenspiel gegen Italien, das die Kanadier 4:0 gewannen, saß der kanadische Premierminister Stephen Harper im Publikum, neben all den Fans in Rot. Sogar für das Duell der Tschechen gegen Südkorea am Dienstagmorgen konnten die Organisatoren stolz den Verkauf von 4791 Tickets vermelden.

Den meisten Sledge-Eishockeyspielern fehlt ein Bein

Sledge-Eishockey ist rasant und kurzweilig. Die Spieler sind auf einem Schlitten aus Aluminium festgeschnallt, an der Sitzschale aus Plastik ist eine doppelte Kufe befestigt, auf der die Athleten über das Eis gleiten. Bis zu 20 Kilometer pro Stunde werden sie schnell - dank ihrer beiden Schläger. Mit den verkürzten Schlägern können sie nicht nur passen und schießen, sondern sich auch abstoßen. Am hinteren Ende sind Dornen aus Draht angebracht, die sich in das Eis bohren.

Den meisten Sledge-Eishockeyspielern fehlt ein Bein. Was der Italiener Andrea Chiarotti so erklärt: „In Italien haben wir schönes Wetter, lange Sommer - und viele Motorräder.“ Ihm musste nach einem Motorradunfall das rechte Bein oberhalb des Knies amputiert werden. Um die Spieler früher für den Sport, der seit 1994 im Programm der Paralympischen Spiele ist, zu gewinnen, sollen in Italien verstärkt Menschen mit angeborenen Behinderungen angesprochen werden. „Wir müssen sie erreichen, wir haben zu wenige Spieler“, sagt Chiarotti. Seine Mannschaft verlor in der Vorrunde alle drei Spiele. Die deutsche Nationalmannschaft, 2005 Europameister und 2006 Vierter der Paralympics von Turin, konnte sich nicht für das Turnier von Vancouver qualifizieren.

Bodycheck: die Spieler fahren sich einfach über den Haufen

Gespielt wird Sledge-Eishockey nach den gleichen Regeln wie Eishockey. Auch hier gibt es den Bodycheck: die Spieler fahren sich einfach mit ihren Schlitten über den Haufen. Und manches Mal fliegen die Fäuste auf dem Eis. Auch Frauen dürfen mitspielen - theoretisch. Für Vancouver hat jedoch kein Team eine Frau nominiert.

Der kanadische Cheftrainer Jeff Snyder hat sich für seine Mannschaft eine Motivationshilfe der besonderen Art ausgedacht. Vor den Spielen lässt er per Telefon Eishockeylegenden zu seinen Spielern sprechen. Zunächst Steve Yzerman, der als Manager das Olympiateam von Vancouver zusammenstellte, dann Mark Messier. Auf die Frage eines Journalisten, ob denn auch Superstar Sydney Crosby, Schütze des entscheidenden Tores im olympischen Finale, dieser Tage mal in der Kabine anrufen werde - natürlich am besten vor dem Finale gegen die Vereinigten Staaten -, zuckte Snyder nur mit den Achseln. Und grinste.

Vorrunde, Gruppe A
1. Vereinigte Staaten 3 Spiele / 14:0 Tore / 9 Punkte
2. Japan 3 / 7:7 / 6
3. Tschechien 3 / 5:7 / 3
4. Südkorea 3 / 2:14 / 0

Gruppe B
1. Kanada 3 / 19:1 / 9
2. Norwegen 3 / 4:7 / 5
3. Schweden 3 / 3:12 / 4
4. Italien 3 / 1:7 / 0

Halbfinale (Do., 18.03.)
Vereinigte Staaten - Norwegen (21:00 Uhr MEZ)
Kanada - Japan (+02:00 Uhr MEZ)

Finale (Sa., 20.03.)
Vereinigte Staaten/Norwegen - Kanada/Japan (21:00 Uhr MEZ)

Quelle: FAZ.NET
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