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Im Gespräch: Curling-Skip Schöpp „Fast wie Schachspielen“

16.02.2010 ·  Die 44 Jahre alte Curling-Nationalspielerin Andrea Schöpp vom SC Riessersee nimmt zum vierten Mal an Winterspielen teil. Im Interview pocht sie darauf, dass ihr Sport ernst zu nehmen sei und sie wundert sich über olympischen Größenwahn.

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Die 44-Jährige Andrea Schöpp vom SC Riessersee nimmt zum vierten Mal an Winterspielen teil. Im Interview pocht sie darauf, dass ihr Sport Curling ernst zu nehmen sei - was übrigens auch ein FAZ.NET-Video zeigt.

Warum sind Sie überhaupt nach Vancouver gekommen?

Weil ich ein Team habe, das sich unglaublich auf die Olympischen Spiele gefreut hat und weil ich furchtbar gerne auf diesem Niveau Curling spiele.

Aber eigentlich mögen Sie Olympia doch gar nicht? Das war jedenfalls zu hören.

Das habe ich nie gesagt. Ich habe nur gesagt, dass viele Dinge, die mit Olympia zusammenhängen, für die Athleten mühsam sind. Es ist für uns schwieriger als sonst, ein Umfeld zu schaffen, in dem wir Topleistungen bringen können. Du hast nie den direkten Zugang, die Flüge oder die Zimmer so zu organisieren, wie du es haben willst, weil alles über noch mehr Personen läuft als bei einer Europameisterschaft oder einer Weltmeisterschaft. Das macht es für den Athleten schwieriger: Es kostet einen ganz kleinen Tick mehr Nerven als im Normalfall.

Stimmt es also nicht, dass Sie Olympia grundsätzlich zu groß, zu laut und nervend finden?

Natürlich werden die Olympischen Spiele immer größer, immer aufgeblasener, es steckt immer mehr Geld drin. Die Entwicklung in den letzten zwanzig Jahren war extrem, und die Grenze nach oben wird es nicht geben. Man sollte sich aber vielleicht mal überlegen, was der olympische Gedanke ursprünglich war. Natürlich ist das ein Problem: Wie fährst du so was wieder runter auf Normalmaß?

Wird man, wie Sie mal gesagt haben, als Curler, als „Amateur-Heini“, tatsächlich manchmal schräg angeschaut von anderen Sportlern?

Es sind ja Erfahrungen, die ich schon in Garmisch gemacht habe. Ich persönlich finde mich nicht komisch, ich muss mich vor niemandem verstecken. Ich habe meinen Weg auch im normalen Leben gemacht, den andere vielleicht noch vor sich haben, die hier sind. Ich muss mich nicht ins Eck verkriechen, weil ich nur Curling spiele und nicht Ski fahre. Es ist auch nicht bei allen Athleten so. Aber es gibt eben auch einige, wo du das Gefühl hast: Ich bin für die Luft, weil ich eigentlich gar kein richtiger Sportler für sie bin. Manche schauen erst mal ein bisschen konsterniert, wenn du sagst, dass du Curling spielst. Sie wissen einfach nicht richtig, wie sie reagieren sollen.

Wie verhalten Sie sich dann?

Wenn sie gar nicht wissen, was es ist, sage ich: Das ist das auf dem Eis, wo man mit dem Besen vorne dran wischt. Dann versuche ich zu erklären, dass das doch ein Sport ist, den man ernst nehmen muss. Dass es ein Sport ist, in dem man in extremem Maß physische und mentale Fähigkeiten benötigt. Ich brauche schon ein bisschen was im Kopf. Es ist fast wie Schachspielen - unter erschwerten Bedingungen, weil kein Spieler eine Schachfigur ist, und wenn ein Spieler einfach nicht macht, was ich ihm sage, muss ich umdenken.

In Kanada, wo Curling sehr populär ist, müssen Sie auf alle Fälle nicht um Anerkennung kämpfen. Ihnen dürfte doch jetzt das Herz aufgehen?

Tut's mir auch. Hier zu spielen, das ist nicht zu toppen.

Mit welchen sportlichen Hoffnungen treten Sie an?

Das Problem ist, dass alle Mannschaften absolut gleichwertig sind. Es gibt da keinen Favoriten in meinen Augen. Aber wir können jeden schlagen, wir haben auch schon jeden geschlagen. Unser Vorteil ist vielleicht, dass wir so ziemlich das einzige Team sind, das nicht so extrem fixiert war auf Olympia. Bei allen anderen Nationen hat sich ein immenser Druck aufgebaut, weil die Spielerinnen zwei Monate lang oder ein ganzes Jahr gar nicht mehr gearbeitet haben. Das geht bei uns nicht. Wir können nicht vom Spaß am Curling leben.

Die Fragen stellte Rainer Seele.

Quelle: F.A.Z.
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