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Eisschnelllauf Waffenstillstand mit Anni Friesinger

04.02.2010 ·  Pechstein und die Folgen: Der Ärztestreit im Lager der Eisschnellläufer scheint bereinigt. Doch die Auseinandersetzung wird in Vancouver mit Sicherheit wieder aufflammen.

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Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat für Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma nach deren Kritik an der Nominierung von Mannschaftsarzt Gerald Lutz eine hervorragende medizinische Betreuung in Vancouver zugesichert. Sie wird nun bei den Olympischen Winterspielen vom Mediziner der deutschen Shorttrack-Läufer, Mario Bottesi, betreut. Der Dresdner Sport-Orthopäde Bottesi gilt als Spezialist für Schulter- und Kniegelenk-Chirurgie. DOSB-Präsident Thomas Bach versuchte vor dem Abflug nach Kanada, die Gemüter zu beruhigen. „Das ist sicher der Aufregung vor den Olympischen Spielen geschuldet. Aber wir können nicht für jeden Athleten einen persönlichen Arzt mitnehmen“, sagte Bach am Donnerstag am Frankfurter Flughafen.

Die 16-malige Eisschnelllauf-Weltmeisterin hatte gesagt, dass sie nach der Affäre um die gesperrte Claudia Pechstein kein Vertrauen zu Teamarzt Gerald Lutz aus Erfurt habe. Lutz hatte im Fall Pechstein zunächst Fakten unterdrückt. Im Februar 2009 hatte er nach dem Bekanntwerden der erhöhten Retikulozyten-Werte von Claudia Pechstein in Abstimmung mit der Teamleitung für die Öffentlichkeit die Diagnose eines grippalen Infekts gestellt.

„Dies ist ein Kompromiss, aber nicht die optimale Lösung“

Die Inzellerin lehnt ihn deshalb ab und wollte gerne ihren Arzt Volker Smasal aus München – bis 2006 Teamarzt der Eisschnellläufer, bevor er im Streit ging – mit nach Vancouver nehmen. Smasal hatte im Sommer 2008 eine Knieoperation bei Friesinger vorgenommen und die Athletin auch weiterhin rundum medizinisch versorgt. Da auf ihre Wünsche von Seiten des Verbandes nicht eingegangen worden sei, fühle sie sich „im Stich gelassen“, hatte Friesinger-Postma erklärt. Verband und DOSB wiesen allerdings darauf hin, dass mit ihr längst über die Frage der medizinischen Betreuung gesprochen worden sei – und man habe sich auf den Kompromiss mit Dr. Bottesi geeinigt. „Dies ist ein Kompromiss, aber nicht die optimale Lösung zur Betreuung einer so verdienstvollen Athletin“, sagte ihr Manager Klaus Kärcher, dem es nicht gefallen haben dürfte, dass so viel von Pechstein und so wenig von seiner Klientin die Rede war in den letzten Monaten.

Das Klima scheint vergiftet. Von beiden Seiten, von der Deutschen Eislauf-Gemeinschaft (DESG) sowie von Friesinger-Postma und deren Arzt sind harte Töne gewählt worden. DESG-Präsident Gerd Heinze drohte der Athletin „Konsequenzen“ an, sie stelle mit ihren Äußerungen sich ins Abseits. „Mit Drohungen setzt man Sportler so unter Druck, dass sie am Ende auch in ihrer Leistung limitiert sind“, erwiderte Friesingers Vertrauensarzt Volker Smasal, der dem Verband seit längerem „eine Doping-Mentalität“ zuschreibt. Tatsächlich bleibt, wenn man das Wortgetöse mal verklingen lässt, die Frage im Raum, warum der Verband und sein Chefarzt in der Sache Pechstein zunächst die Wahrheit verschwiegen haben? Mediziner Lutz hat damit, strenggenommen, ein falsches Attest ausgestellt und gegen Standesregeln verstoßen.

Das Team steht auf Seiten des Arztes

Wie zu erwarten, stellte sich der Großteil der Mannschaft auf die Seite des Teamarztes. „Ich stehe voll hinter Doktor Lutz und habe Vertrauen zu ihm“, sagte Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms. „Er betreut Tag und Nacht und nimmt ungewöhnliche Strapazen auf sich.“ Unverständnis äußerte Monique Angermüller bei der Verabschiedung des Olympiateams auf dem Flughafen: „Ich kann das absolut nicht verstehen. Wir sollten froh sein, dass wir einen so engagierten Arzt haben.“ Anni Friesinger-Postma wolle doch nur einen Schuldigen haben, falls es bei Olympia nicht gut läuft, vermutete Robert Lehmann. „Sie steht mit ihrer Meinung mit Sicherheit ganz allein. Das Engagement von Lutz ist einmalig“, sagte der Erfurter Läufer. Gold-Hoffnung Jenny Wolf ging routiniert mit der Aufregung um. „Es war ja fast klar, dass vor Olympia noch irgendetwas kommt. Wir sind ja Unruhe gewohnt, davon hatten wir zuletzt ja jede Menge. Jetzt lässt mich das fast kalt“, sagte die Weltmeisterin.

Smasal machte nochmals deutlich, dass er auf keinen Fall nach Vancouver reisen werde. „Ich hatte erklärt, dass ich für ein Gespräch mit dem DOSB zur Verfügung stehe. Aber ein solches hat es nicht gegeben, bis mich vorige Woche Olympia-Arzt Bernd Wohlfarth fragte, ob ich denn ausschließlich zur Betreuung von Anni mit nach Vancouver reise“, sagte Smasal und stellte fest: „Ich wäre da nur ein Störfaktor, es wäre für alle Seiten nicht befriedigend gewesen. Ich muss da jetzt nicht hin, um eine schöne Jacke zu kriegen.“

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