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Paralympics „Das ist falsch, das ist schief“

26.02.2010 ·  Olympiasieger erhalten 15.000 Euro, bei den Paralympics gibt es für eine Goldmedaille „nur“ 4500 Euro. Die Sporthilfe weist den Vorwurf der Diskriminierung zurück. Und es gibt „starke Signale“ für das Gemeinschaftsgefühl.

Von Michael Reinsch, Berlin
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Der Vorwurf der Diskriminierung stand handfest im Raum, als Friedhelm-Julius Beucher die Ungleichbehandlung der deutschen Paralympics-Teilnehmer im Vergleich mit Olympiateilnehmern beklagte. Doch er, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), vermied das Wort. „Wir sind noch nicht da angekommen, wo wir hinwollen“, sagte er, nachdem er am Mittwoch den Sportausschuss des Deutschen Bundestages – dem er in seiner Zeit als Parlamentarier von 1998 bis 2002 vorsaß – dazu gebracht hatte, bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe schriftlich gegen die vergleichsweise geringe Prämierung von Paralympics-Erfolgen zu protestieren. Olympiasieger bekommen 15.000 Euro, Goldmedaillengewinner der Behindertenspiele müssen sich mit 4500 Euro zufriedengeben. „Das ist falsch, das ist schief“, klagte Beucher und forderte die im Grundgesetz verankerte Gleichbehandlung.

Beucher beklagt Ungleichbehandlung nicht nur bei der Sporthilfe, sondern auch bei den vom Bund mit zwölf Millionen Euro geförderten Instituten für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig und für die Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin. Obwohl sein Verband dem Trägerverein angehöre, stelle das IAT ihm Leistungen wie die Überarbeitung der Boote von Paralympics-Seglern in Rechnung. Diese könnten nur mit zusätzlicher Förderung vom Innenministerium beglichen werden. Im Wintersport gebe es keinerlei Zusammenarbeit. „Wir profitieren von den Forschungsgeldern deutscher Unternehmen“, sagte Beucher. „Ebenso könnten uns staatlich finanzierte Institute helfen.“

Je ein Dutzend 100-Meter-Läufe

Der Geschäftsführer der Sporthilfe, Michael Ilgner, gerade in Vancouver und Whistler unterwegs, wurde von den Vorwürfen überrascht. „Sie sind neu, und sie sind sachlich nicht zutreffend“, sagte er. Mit 630.000 Euro für 201 Athleten ging nach Auskunft der Sporthilfe im vergangenen Jahr die größte Fördersumme aus dem Etat der Sporthilfe an den Behindertensport; mehr als an Ruderer und an Skiläufer auf den folgenden Plätzen. 2008 erhielten 172 Sportler mit Handicap, einschließlich Paralympics-Prämien, sogar 677.000 Euro (Vorjahr 525.000 für 231). Die Stiftung weist darauf hin, dass fünf der 13 topgeförderten Behindertensportler im vergangenen Jahr mit mehr als 20.000 Euro unterstützt wurden. Das entspreche der Eliteförderung von Olympiakandidaten.

Ilgner stellte zudem fest, dass seit Peking die Prämiensumme für die Paralympics nicht mehr gedeckelt seien. Das kann für die Sporthilfe insofern teuer werden, als es im Gegensatz zu Olympischen Spielen bei Paralympics für Männer und Frauen je ein Dutzend 100-Meter-Läufe unterschiedlicher Schadensklassen gibt. Alpiner und nordischer Skilauf sind in je drei Kategorien unterschieden.

Stellenpool für Spitzensportler mit Behinderung

Angela Merkel setzte ein Zeichen der Gleichbehandlung, als sie nach Peking 2008 Olympia- und Paralympics-Teilnehmer gemeinsam im Kanzleramt empfing. Bei der Welcome-Party am kommenden Dienstag in München werden zugleich die 153 Olympiateilnehmer gefeiert und die zwanzig Paralympics-Starter nach Vancouver verabschiedet. Beucher lobt das als starkes Signal.

Jenseits von Symbolen planen unterdessen Finanzministerium und Haushaltsausschuss einen Stellenpool für Spitzensportler mit Behinderung. Innen-Staatssekretär Christoph Bergner berichtete, dass so die Personalkosten von voraussichtlich zehn Athleten bestritten werden sollen, die in Ministerien oder Bundesbehörden angestellt werden. Bund und Parlament wollen damit, ohne den Etat für Sportförderung zu belasten, eine Entsprechung zur Spitzensportförderung durch Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll schaffen. Sie beschäftigen mehr als tausend Athleten.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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