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Beispiel Lillehammer Was kommt nach 16 Olympia-Festtagen?

08.02.2010 ·  Lillehammer lebt mit dem Blick in den Rückspiegel: Die norwegische Kleinstadt steht für die gute, alte Winterspiele-Zeit und schwelgt in Erinnerungen an das Wintermärchen vor sechzehn Jahren. Es fehlt aber an Geld für das olympische Erbes.

Von Alex Westhoff, Lillehammer
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Heute, sechzehn Jahre danach, erscheint es unbegreiflich, wie dieses Städtchen den olympischen Andrang verkraften konnte, ohne zu platzen. Lillehammer 1994 – das steht für die alte Winterspiele-Zeit. Ein kleiner Ort mit 26.000 Einwohnern (damals 22.000) mit einem Zentrum – keine Metropolregion wie Turin oder Vancouver. Eine beschauliche Kommune 180 Kilometer nördlich von Oslo in der norwegischen Provinz Oppland, die Olympia intensiv gelebt hat und noch immer lebt. Keine weitgehend schneefreie Großstadt, die sich spätestens am Tag nach der Schlussfeier wieder den Alltagsgeschäften widmet. Winter ist hier zu Hause.

Lillehammer lebt noch immer mit dem Blick in den Rückspiegel: Dort sehen die Menschen „the best Olympic Winter Games ever“ (Juan Antonio Samaranch bei der Schlussfeier), mit nahezu perfekten klimatischen Begleitumständen. Auf Lillehammer, da gab es keinen Widerspruch, passte das olympische Pauschalurteil des streitbaren Spaniers, das er während seiner Regentschaft an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees den meisten Gastgebern zuteilwerden ließ. Auch die professionellen Chronisten überschlugen sich mit Superlativen – und zogen weiter. Sie hinterließen ein Land, das mit seiner Begeisterungsfähigkeit und Fairness beeindruckte und mit sich im Reinen war.

Spätestens 2014 ist das Geld aufgezehrt

Die blühende Erinnerung an das sechzehntägige norwegische Wintermärchen vor sechzehn Jahren ist das eine, die Verwaltung des olympischen Erbes das andere. Eine Studie hat gezeigt: Die fünf Ringe sind bis heute Lillehammers stärkster Trumpf. Doch die Gemeinde setzt ihn nicht genug ein. Von den 1,5 Millionen Gästen im Jahr kommen nur zwanzig Prozent aus dem Ausland. Das soll sich ändern. Im Jahr 2020, hat man sich vorgenommen, sollen es allein zwei Millionen ausländische Gäste sein. Die Besucher tragen mit ihrem Geld schließlich auch dazu bei, die olympischen Sportstätten instand zuhalten und auszulasten.

Ove Gjesdal, der als Manager des Olympiaparks sein Büro in Håkons Hall hat, der Eishockeyhalle mitten in der Stadt, ist in Sorge. Nach den Spielen stellte die norwegische Regierung für den Unterhalt der olympischen Anlagen einen Fonds von 140 Millionen Kronen (rund 17 Millionen Euro) zur Verfügung. Spätestens im Jahr 2014, sagt Gjesdal, werde das Geld aufgezehrt sein. Es gebe drei verschiedene Szenarien, was mit den olympischen Altlasten zu tun sei.

Ein großes, leeres, zugiges Denkmal

Die schlimmste: Einige Sportstätten müssen dichtgemacht werden. Die zweite: Der Fonds wird für weitere zwanzig Jahre bestückt und ein Konzept für einen Strukturwandel erarbeitet. Die unwahrscheinlichste: Es wird auch Geld für eine umfassende Modernisierung des Olympiaparks bereitgestellt – die Voraussetzung, dass Lillehammer sich um die Austragung von Weltmeisterschaften in den verschiedenen Disziplinen bewerben kann und sogar wieder um Olympische Spiele. Die Lösung werde irgendwo in der Mitte sein, glaubt Gjesdal. Er stelle sich auf jeden Fall auf ein „zähes Ringen mit der Regierung“ ein.

Beispiel Bob- und Rodelbahn: Sie ist und bleibt – wie an so vielen ehemaligen Schauplätzen von Winterspielen – unrentabel seit in ihrem Schatten kein olympisches Edelmetall mehr verliehen wird. Die Norweger sind keine Schlittennation, sondern ein Volk von Langläufern. Beispiel Håkons Hall, die bauchige Halle mit Platz für mehr als 10.000 Zuschauer.

Hallenfüllende Events gibt es in der Kleinstadt Lillehammer halt so gut wie nie. So wirkt sie wie ein großes, leeres, zugiges, aber begehbares olympisches Denkmal. Passend dazu ist in ihrem Bauch auch das sehenswerte Olympia-Museum untergebracht. Vor zwei Jahren fand in Håkons Hall zwar die Handball-Europameisterschaft statt, aber eine Eisfläche ist hier drinnen seit 1999 nicht bereitet worden.

Kleingruppen statt Touristenströmen

Eine olympische Erinnerung mit hohem Nutzwert sind dagegen das Vikingskipet, die hölzerne Eisschnelllaufhalle in Form eines umgekippten Wikingerschiffs, und die das Stadtbild prägenden Lysgaards-Skischanzen. Neben dem Schanzentisch, von dem Jens Weissflog damals zu Gold abhob, klebt heute ein Sportgymnasium am Hang. Vor allem die Schüler sind dafür verantwortlich, dass dort immer noch mehr als 100.000 Sprünge im Jahr absolviert werden.

Lillehammers Sportstätten sind zwar nicht mehr topmodern. Ein unschlagbarer Standortvorteil ist aber der zuverlässig frühe Schnee. Weil man in der Olympiaregion Lillehammer in der Regel schon im Oktober auf echtem Eis und Schnee üben kann, bereiten sich viele Nationalmannschaften vor. Die ersehnten Touristenströme können solche Kleingruppen aber nicht ersetzen.

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