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Trauerfeier im Libanon Die Wut auf Syrien wird leiser

21.09.2007 ·  Das antisyrische Bündnis „14. März“ trug schon sein achtes prominentes Mitglied zu Grabe. Doch nur wenige kamen zur Trauerfeier für den libanesischen Abgeordneten Ghanem. Von der Wut auf Syrien ist nicht mehr viel zu spüren.

Von Markus Bickel, Beirut
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Leiser Beifall mischt sich in die über Lautsprecher nach außen übertragene Trauermusik, als May Chidiac das Kirchengelände durch den Seiteneingang verlässt. Ein Lächeln huscht über das Gesicht der beliebten libanesischen Fernsehmoderatorin, die im September vor zwei Jahren bei einem Autobombenanschlag ein Bein und einen Arm verlor. Dann verschwindet die Syrien-Kritikerin, gestützt auf eine schwarz gekleidete Begleiterin, im Gewühl der Polizisten, Soldaten und privaten Sicherheitsleute, die sich rund um die Kirche Sacré Coeur im Osten Beiruts geschart haben.

Seit dem Morgen ist die vierspurige Straße, an der die katholisch-maronitische Kirche liegt, für den Verkehr gesperrt. Männer mit dunklen Sonnenbrillen, Walkie-Talkies und Maschinenpistolen in der Hand patrouillieren vor dem schmucklosen Gotteshaus. Vom Glockenturm herab hängt eine Banderole mit stilisierten grünen Zedern auf weißem Grund - dem Symbol der christlichen Kataib-Partei. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen findet an diesem Freitagmittag die Trauerfeier für deren Parlamentsabgeordneten Antoine Ghanem statt, der am Mittwoch im christlichen Beiruter Stadtteil Sin al-Fil ermordet wurde.

Auch das Versteckspiel rettete Ghanem nicht

Den ganzen Sommer hatte der Politiker aus Angst vor einem Anschlag in Abu Dhabi verbracht. Erst am Sonntag war der 64 Jahre alte Abgeordnete in den Libanon zurückgekehrt. In seinem ausgebrannten Wagen fand sich nach dem Anschlag das abmontierte Sondernummernschild für Parlamentarier. Doch das Versteckspiel rettete Ghanem nicht, die Mörder fanden ihn auch so. Bei dem Anschlag wurden außerdem zwei seiner Leibwächter und zwei Passanten getötet.

„Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir kommen immer wieder“, sagt Ilija Rabaa. In den Händen hält er eine Fahne mit dem Wappen der Forces Libanaises, die im Bürgerkrieg die Miliz der Kataib waren. Rabaa war auch auf der Trauerfeier, nachdem im November vergangenen Jahres der Sohn des Kataib-Vorsitzenden Amin Gemayyel, der damalige Industrieminister Pierre Gemayyel, erschossen worden war. Und natürlich war er am 14. Februar dieses Jahres dabei, dem zweiten Todestag des ermordeten früheren Ministerpräsidenten Rafiq Hariri: Zehntausende waren an dem grauen Wintertag zum Märtyrerplatz im Zentrum Beiruts geströmt, um sich zwei Jahre nach der „Zedernrevolution“ selbst Mut zu machen.

Höchstens 3000 Menschen kamen zur Trauerfeier

Von der euphorischen Stimmung jener Tage, die mit dem Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon ihren Höhepunkt erreichte, ist an diesem Freitag vor der Kirche Sacré Coeur nichts mehr zu spüren. Höchstens 3000 Menschen sind gekommen, vor allem junge Leute mit Kataib-Fahnen in der Hand, aber auch einige Anhänger der Future-Bewegung von Hariris Sohn Saad und der Sozialistischen Fortschrittspartei Walid Dschumblats. Meist stumm lauschen sie den Trauerrednern.

Gut zweieinhalb Jahre nach dem „Beiruter Frühling“, der die von den Vereinigten Staaten und der EU unterstützte Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora ins Amt brachte, sieht sich dessen Allianz in der Defensive. Mit Ghanem verlor das Bündnis „14. März“ - benannt nach dem Datum der größten antisyrischen Demonstration - sein achtes prominentes Mitglied. Die Demonstranten sagen offen, wen sie hinter den Anschlägen vermuten: Syrien. Doch die Wut auf die langjährige Protektoratsmacht ist fast drei Jahre nach dem Beginn der Serie von Anschlägen auf Kritiker des syrischen Regimes leiser geworden.

Kein Zeichen des Friedens zum Abschluss der Feier

Zugleich wächst die Angst: Am kommenden Dienstag soll in Beirut das Parlament über einen Nachfolger für den prosyrischen Präsidenten Emile Lahoud beraten. Die Abgeordneten der antisyrischen Regierungsmehrheit um Hariri, Gemayyel und Dschumblat fürchten um ihr Leben. Aus Sicherheitsgründen haben sich mehr als drei Dutzend ihrer nach dem jüngsten Mord nur noch 68 Abgeordneten in einem Sondertrakt des Luxushotels „Phoenicia“ verschanzt. Verlassen verboten.

Auch der Prominenz in Sacré Coeur folgen die Leibwächter am Ende der Zeremonie auf Schritt und Tritt. Zum Abschluss der stillen Feier wird es einmal laut: Als der Vorsitzende der Forces Libanaises, Samir Geagea, die große Treppe hinabsteigt, jubelt ihm die Menge zu. Das ist kein Zeichen des Friedens: Der im Sommer 2005 nach elf Jahren Haft entlassene „14. März“-Politiker gilt als einer der unversöhnlichsten Politiker des Regierungsbündnisses. Ein Mann der Kompromisse wie der ermordete Ghanem ist er nicht.

Quelle: F.A.Z., 22.09.2007, Nr. 221 / Seite 6
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