02.02.2007 · Rivalisierende Palästinenser haben sich im Gazastreifen die heftigsten Gefechte seit Beginn der Waffenruhe geliefert. Die Fatah besetzte die Islamische Universität und umstellte das von der Hamas geführte Innenministerium. Mehrere Menschen wurden getötet.
Kämpfer der rivalisierenden Palästinensergruppen Fatah und Hamas haben sich in der Nacht und am Freitag in Gaza heftige Feuergefechte geliefert. Laut Angaben der Sicherheitskräfte wurden dabei am Freitagmorgen im Lager Dschabalija bei Gaza-Stadt zwei Mitglieder der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas getötet. Bei einem Angriff auf das Hauptquartier des Geheimdienstes im nördlichen Gazastreifen wurde laut Angaben von Sicherheitskräften zudem ein ranghohes Fatah-Mitglied getötet.
Bei einem Granatenangriff radikaler Hamas-Anhänger auf ein Trainingslager der Präsidentengarde sollen zudem zwischen 40 und 50 neue Mitglieder der Garde verwundet worden sein. Ob es auch Tote gegeben habe, sei noch nicht klar, sagte ein Fatah-Sprecher.
Zuvor stürmten Kämpfer der Fatah das Gelände der islamischen Universität in Gaza. Laut BBC übernahm die Fatah die Kontrolle über die Hochschule, die als Bastion der radikalislamischen Hamas galt. In Teilen der Universität seien Brände ausgebrochen, hieß es. Zudem habe Abbas' Präsidentengarde das von der Hamas geführte Innenministerium in Gaza umstellt. Die Hamas setze offensichtlich in Gaza auch Kassem-Raketen gegen Fatah-Ziele ein, sagte der BBC-Korrespondent. Mindestens zwei Menschen seien verletzt worden.
Angeblich mehrere Iraner gefangengenommen
Die Fatah hat in der Universität von Gaza nach eigenem Bekunden mehrere iranische Waffenexperten gefangengenommen, berichteten BBC und CNN. Nach israelischen Medienangaben handelt es sich um sieben Iraner. Sie sollen für die Hamas als militärische Ausbilder gearbeitet haben, berichtete die israelische Zeitung „Haaretz“ in ihrer Internetausgabe unter Berufung auf die Fatah. Einer der Iraner habe sich selbst getötet.
Die Hamas erklärte dagegen laut BBC, auf dem Campus hätten sich keine Iraner befunden. Eine unabhängige Bestätigung für die Anwesenheit der Iraner gab es in der Nacht nicht. Laut CNN wurde dort auch ein riesiges Waffenlager entdeckt. Es sollen laut israelischen Medienberichten etwa 1400 Schusswaffen und auch Raketen gefunden worden sein. Das Waffendepot sei offenkundig das Ziel der Operation der Fatah-Kämpfer gewesen, berichtete der BBC-Korrespondent.
Schlimmste Schießereien seit Beginn der Waffenruhe
Nach einem Bericht des israelischen Onlinedienstes „ynet“ vom frühen Freitagmorgen entführten Bewaffnete der zur Fatah gehörenden Al-Aqsa-Brigaden zwei Hamas-Mitglieder in Ramallah im Westjordanland. Zu heftigen Gefechten sei es am Donnerstag auch an den Hauptzufahrten zu zwei Flüchtlingslagern im zentralen Gazastreifen gekommen. Palästinensische Augenzeugen sprachen von den schlimmsten Schießereien seit Beginn der jüngsten Waffenruhe am frühen Dienstagmorgen.
Schon am Donnerstag waren die Kämpfe zwischen den rivalisierenden Palästinensergruppen wieder voll entbrannt. Dabei wurden mindestens sechs Anhänger der Fatah getötet, wie israelische Medien berichteten. Wenigstens 65 Menschen seien verletzt, mindestens ein Dutzend Gefolgsleute von Fatah und Hamas entführt worden.
Zelte statt Waffen
Die jüngste Feuerpause war nach einem tödlichen Angriff der Hamas auf einen Transportkonvoi der Präsidentengarde vollends zusammengebrochen. Umgehend gab es im Westen Gazas nahe einem Büro und der Residenz von Abbas neue Kämpfe, bei denen aus Panzerfäusten und Sturmgewehren geschossen wurde.
Der von der Hamas angegriffene Konvoi sei südlich von Gaza auf dem Rückweg vom Grenzübergang Rafah gewesen. Die Hamas sei offensichtlich davon ausgegangen, dass sich in den Containern Waffen aus Ägypten für die Fatah befänden, hieß es. Tatsächlich seien aber Zelte und Generatoren transportiert worden.
Israel tötet zwei Palästinenser bei Ramallah
Hamas und Fatah hatten sich in der Nacht zum Dienstag auf eine Einstellung der Kämpfe geeinigt. Im saudi-arabischen Mekka ist ein Treffen geplant, bei dem abermals über die Bildung einer gemeinsamen Regierung gesprochen werden soll. Hamas stellt die Regierung, nachdem die Organisation vor etwa einem Jahr die Parlamentswahlen gewonnen hatte.
Unterdessen haben israelische Soldaten haben am frühen Freitagmorgen zwei palästinensische Sicherheitskräfte im Westjordanland getötet. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Wafa. Die beiden Palästinenser seien bei einer Razzia in der Stadt Betunia in der Nähe von Ramallah getötet worden. Wafa nannte keine Einzelheiten.
Steinmeier in Washington, Merkel in den Nahen Osten
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ist am Freitag zum ersten substanziellen Arbeitstreffen des Nahost-Quartetts seit fast einem Jahr in Washington eingetroffen. Das Quartett zur Vorbereitung der Rückkehr zu dem als Roadmap bekannten Nahost-Friedensplan wird gebildet aus den Vereinigten Staaten, der EU, den UN und Russland. Steinmeier reist als Vertreter der deutschen EU-Präsidentschaft. Erstes Ziel ist ein Neustart bei den Bemühungen um Frieden im Windschatten des noch brüchigen Waffenstillstands zwischen Israel und den Palästinensern.
Bundeskanzlerin Angela Merkel will an diesem Samstag für eine viertägige Reise nach Ägypten, Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Kuweit aufbrechen. (Siehe auch: Merkel bereist Nahen Osten)
Fatah ist Geschichte
hyder farhat (farhat)
- 02.02.2007, 12:43 Uhr