07.08.2006 · Bei dem israelischen Luftangriff auf den libanesischen Ort Hula ist wohl nur ein Mensch umgekommen und nicht 40, wie Libanons Ministerpräsident Siniora zunächst angegeben hatte. Die Arabische Liga stellte sich hinter den Friedensplan seiner Regierung.
Bei dem israelischen Luftangriff auf den libanesischen Ort Hula ist anscheinend nur ein Mensch ums Leben gekommen und nicht mehr als 40, wie anfangs angegeben. Libanons Ministerpräsident Fuad Siniora korrigierte seine eigenen Angaben am Montag abend in Beirut. Beim Treffen der Außenminister der Arabischen Liga in der libanesischen Hauptstadt hatte er zuvor gesagt, bei dem israelischen Angriff seien mehr als vierzig Menschen umgekommen. Er habe sich dabei auf fremde Informationen berufen, sagte Siniora später auf einer Pressekonferenz. Einzelheiten zu der Panne nannte er nicht.
Libanesische Polizeiberichte hatten von „Dutzenden Toten und Verletzten“ gesprochen, nachdem israelische Kampfflugzeuge mehrere Häuser in Hula bombardiert hatten. Bewohner der Ortschaft äußerten die Befürchtung, daß unter den Trümmern der fünf getroffenen Häuser etwa 60 Menschen liegen könnten, darunter viele Kinder. Wegen andauernden israelischen Beschusses sei es Rettungskräften nicht möglich gewesen, sofort in die Ortschaft zu eilen, hieß es in Sicherheitskreisen.
Siniora: „Staatsterrorismus“
Bei einem Treffen von Außenministern der Arabischen Liga in Beirut hatte Siniora gesagt: „Vor einer Stunde gab es ein schreckliches Massaker im Dorf Hula, bei dem mehr als 40 Märtyrer Opfer bewußter Bombardierung wurden.“ Siniora mußte seine Rede vor den Ministern mehrmals unterbrechen, um sich die Augen zu wischen und die Tränen zurückzuhalten. Die israelischen Streitkräfte erklärten, den Vorfall überprüfen zu wollen. In Hula lieferten sich Hizbullah-Kämpfer und israelische Bodentruppen in den vergangenen Tagen immer wieder heftige Gefechte.
Siniora warf Israel „Staatsterrorismus“ vor und rief die arabische Welt zu Geschlossenheit auf, um so Änderungen an dem von Frankreich im UN-Sicherheitsrat eingebrachten Resolutionsentwurf zu erreichen. Er forderte eine „sofortige und bedingungslose Waffenruhe sowie die „Freilassung aller Gefangenen“.
Wird die Bodenoffensive nochmals ausgeweitet?
Die Außenminister der Arabischen Liga stellten sich hinter den Friedensplan der libanesischen Regierung. Das sagte ein libanesischer Regierungsvertreter am Rande des Treffens. Der libanesische Plan sieht einen unverzüglichen Waffenstillstand und den Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon vor. Die Minister beschlossen, eine eigene Delegation nach New York zu entsenden, um den Libanon bei diesen Beratungen zu unterstützen, hieß es.
Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez sagte, Israel wolle seine Bodenoffensive im Libanon in Kürze ausweiten, sollten die Bemühungen um einen Waffenstillstand keine Fortschritte machen. Wenn der diplomatische Prozeß nicht zu einem erfolgreichen Abschluß komme, würden die israelischen Truppen in wenigen Tagen „die notwendigen Einsätze beginnen, um Kontrolle über Raketen-Abschußrampen an jeder Stelle zu erhalten“.
Seit Beginn der israelischen Offensive gegen die Hizbullah Mitte Juli sind laut amtlichen libanesischen Angaben 925 Menschen bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen. 75 würden vermißt und seien vermutlich tot, sagte Gesundheitsminister Mohammed Chalifeh am Montag in Beirut.