22.09.2006 · Der Führer der Hizbullah-Miliz, Scheich Nasrallah, hat erstmals seit Beginn der militärischen Handlungen im Libanon eine öffentliche Rede gehalten. Darin kritisierte er Bundeskanzlerin Merkel scharf für die Entsendung der deutschen Marine.
Mit scharfer Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich der Chef der schiitischen Hizbullah-Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, am Freitag in der Öffentlichkeit zurückgemeldet. Bei einer Großkundgebung seiner Bewegung in Beirut wandte er sich vor hunderttausenden Anhängern gegen die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel, das deutsche Marinekontingent im Libanon-Einsatz diene der Sicherheit Israels.
„Sie (Frau Merkel) sagt, ihr Ziel sei es, Israel zu schützen“, rief Nasrallah in die Menge, die ihm bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem 12. Juli in Sprechchören zujubelte. „Aber ich sage ihr“, fuhr er fort, „selbst wenn sie die See, den Luftraum und das Land überwachen, unsere Bewegung wird dadurch nicht geschwächt.“
„Wir haben jetzt mehr als 20.000 Raketen“
Nasrallah dankte Gott „für den Sieg“ nach der mehr als 30 Tage langen bewaffneten Auseinandersetzung mit Israel, die am 14. August durch eine Waffenruhe beendet wurde, und rief: „Ihr seid das großartigste Volk der Welt!“ An die Israelis gewandt, deren Militär angegeben hatte, den Großteil der weiterreichenden Raketen der Hizbullah zerstört zu haben, sagte er: „Ich kann ihnen versichern, daß wir unsere militärische Infrastruktur erneuert und jetzt mehr als 20.000 Raketen haben.“
Der Führer der Hizbullah war in den Untergrund gegangen, nachdem Israel mit einer militärischen Offensive auf die Verschleppung zweier Soldaten durch Hizbullah-Kämpfer reagiert hatte. Israel hatte ihm gedroht, auch ihn persönlich als militärisches Ziel zu betrachten. Seitdem hatte er sich in Fernseh-Botschaften an die libanesische und an die internationale Öffentlichkeit gewandt. Israel nahm die Warnung bislang nicht zurück.
Beirut will Hizbullah-Miliz in Streitkräfte integrieren
„Sie haben uns gedroht, diese Tribüne zu bombardieren, und ihr habt euch als mutig erwiesen“, rief er seinen Anhängern zu. „Vor euch zu stehen, bedeutet eine große Gefahr für euch und für mich. Aber ich habe mich geweigert, diese Rede über den Fernsehschirm zu halten, und möchte trotz der Gefahr direkt zu euch sprechen.
Die libanesische Regierung will indessen die Hizbullah-Miliz in eine Brigade der Streitkräfte integrieren und im Südlibanon einsetzen. Diese Brigade „könnte unter Kontrolle der Armee eine Rolle beim Schutz der Dörfer im Süden haben“, sagte Verteidigungsminister Elias Murr der Pariser Zeitung „Le Monde“. Er wolle Hizbullah-Führer Nasrallah glauben, daß die Waffen seiner Miliz dem Schutze des Libanons dienten und „keine Karte des Irans“ seien.
Neutralität nicht gewünscht
Michael Krause (MFK1)
- 22.09.2006, 21:21 Uhr
Worte gegen Raketen?
C. B. Sturm (CBest)
- 22.09.2006, 21:43 Uhr
Heuschler und noch undankbar
Raif Toma (Raif.Toma)
- 22.09.2006, 21:46 Uhr
Was soll das mit Merkel zu tun haben ?
Elisabeth Müller (liemue)
- 23.09.2006, 11:16 Uhr
Voraussetzungen für den nächsten Konflikt
Michael Krause (MFK1)
- 23.09.2006, 11:37 Uhr