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Krieg im Nahen Osten Dutzende Tote bei israelischem Luftangriff nahe syrischer Grenze

04.08.2006 ·  Nach der Drohung der Hizbullah, Tel Aviv mit Raketen anzugreifen, hat Israels Armee am Freitag weitere Ziele im Libanon aus der Luft angegriffen. Dabei sollen nahe der Grenze zu Syrien mindestens 23 Landarbeiter ums Leben gekommen sein.

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Bei einem israelischen Luftangriff nahe der libanesischen Grenze zu Syrien sind am Freitag mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen, wie ein Mitarbeiter des libanesischen Zivilschutzes mitteilte. Bei den Opfern soll es sich um Landarbeiter handeln, die im Niemandsland zwischen dem Libanon und Syrien Gemüse ernteten.

Kampfflugzeuge hätten mit Früchten gefüllte Lastwagen auf einem Bauernhof im Bekaa-Tal nahe der syrischen Grenze beschossen, hieß es. Der Angriff habe sich in der Nähe der Ortschaft Kaa im Nordteil des Tals ereignet. Sie liegt nur etwa zehn Kilometer von Hermel entfernt, einer Hochburg der Hizbullah-Miliz. Viele der Opfer seien Kurden und Syrer. Einige Leichen und zahlreiche Verletzte seien in Krankenhäuser nach Syrien gebracht worden.

Der Angriff ließ Erinnerungen an einen ähnlichen israelischen Angriff auf Zivilisten vom vergangenen Wochenende im südlibanesischen Dorf Kana aufkommen. (Siehe auch: Libanon-Offensive: Was geschah wirklich in Kana?)

Auch am Freitag feuerte Hizbullah wieder mehr als hundert Raketen auf Städte im Norden Israels; dabei kamen zwei Israelis um.

Israel weitet Luftangriffe aus

Ungeachtet der Drohung der Hizbullah, Tel Aviv mit Raketen anzugreifen, hatte Israels Armee schon am frühen Morgen begonnen, abermals den Süden Beiruts und weitere Ziele im Libanon anzugreifen. Kampfflugzeuge bombardierten in der Nacht zum Freitag mehrere südliche Vororte der Haupstadt, in denen sie Kommandozentralen der schiitischen Milizen vermutet.

Im Beiruter Stadtteil Dahieh seien Einrichtungen der Hizbullah und ein Büro der Hamas Ziele der Luftangriffe gewesen, teilten die Streitkräfte mit. Erstmals seit Beginn des Konflikts griff Israel auch den Stadtteil Ouazi an, der ebenfalls als Hizbullah-Hochburg gilt. Fernsehbilder zeigten dort große Feuer. Die israelischen Streitkräfte hatten am Donnerstag abend Flugblätter abgeworfen, in denen die Bewohner zum Verlassen der Gegend aufgefordert wurden. Auch Kriegsschiffe beschossen dem libanesischen Fernsehen zufolge Beiruter Vororte. Bombardiert wurde auch ein wichtiges Elektrizitätswerk, das die Bekaa-Ebene mit Strom versorgt.

Gefechte im Grenzgebiet

Am frühen Freitag wurde auch vier Brücken entlang der nördlichen Küstenstraße nach Syrien bombardiert, darunter auch eine in der vorwiegend von Christen bewohnten libanesischen Ortschaft Dschunije. Mindestens zwei Menschen wurden nach libanesischen Angaben bei den Angriffen getötet. Ein anders Ziel war die Madfoun-Brücke, die den Norden Libanons mit dem Rest des Landes verbindet und als eine der letzten verbliebenen Verbindungen nach Syrien galt.

Ein Armeesprecher sagte, man wolle auf diese Weise Waffenlieferungen in den Süden des Landes verhindern. Mehrere Hilfsorganisationen wiesen darauf hin, daß der Transport von Hilfsgütern in die Krisenregion durch die Angriffe erheblich erschwert werde.

Bei den Luftangriffen wurden mindestens vier Zivilisten getötet. Auch in den südlichen Regionen um Tyrus und Nabatije flog die israelische Luftwaffe in der Nacht Dutzende Angriffe. In einem Dorf nahe Baalbek wurde bei einem israelischen Luftangriff nach Polizeiangaben eine junge Frau getötet. Bei Dschuaja starben beim Einschlag einer Rakete zwei Zivilisten in ihrem Auto. Auch Ziele in der östlichen Bekaa-Ebene wurden aus der Luft bombardiert. Im südlibanesischen Grenzgebiet zu Israel lieferten sich Armee und Hizbullah schwere Gefechte. Vier israelische Soldaten kamen ums Leben.

Nasrallah droht mit Raketen auf Tel Aviv

Hizbullah-Führer Scheich Hassan Nasrallah hatte am Donnerstag erstmals mit Raketenangriffen auf Tel Aviv gedroht. Sollte Israel das Zentrum Beiruts bombardieren, werde die Hizbullah auch Tel Aviv bombardieren, sagte Nasrallah in einer Fernsehansprache. Er bot eine Einstellung der Raketenangriffe auf israelische Städte an, wenn Israel seinerseits die Luftangriffe im Libanon beende.

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums wies dies zurück. Nasrallah wolle sich mit einem Waffenstillstand lediglich etwas Luft verschaffen, damit sich die Hizbullah wieder bewaffnen und neu organisieren könne. Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman sagte CNN, das Angebot Nasrallahs sei ein „Zeichen von Schwäche“. (Siehe auch: Hizbullah-Chef droht mit Angriff auf Tel Aviv)

Olmert: Deutsche Soldaten für Friedenstruppe

In Israel wird unterdessen über die Ausweitung der Bodenoffensive diskutiert. Nach Angaben von Israels Verteidigungsminister Amir Peretz sollte die Armee in der „nächsten Etappe“ der Offensive die Kontrolle über den Südlibanon von der internationalen Grenze bis zum Fluß Litani übernehmen, um den Beschuß Israel mit Katjuscha-Raketen zu unterbinden.Der Litani verläuft fünf bis 30 Kilometer nördlich der Grenze zwischen Israel und dem Libanon. Ministerpräsident Olmert soll diesem Plan skeptisch gegenüberstehen.

Olmert hat sich unterdessen für den Einsatz deutscher Soldaten im Rahmen einer internationalen Friedenstruppe im Libanon ausgesprochen. „Ich wünsche mir auch eine Beteiligung deutscher Soldaten“, sagte Israels Ministerpräsident der „Süddeutschen Zeitung“. Er habe dies auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesagt. (Siehe auch: „Ein Präzedenzfall”: Deutsche Soldaten im Nahen Osten?)

Rice rechnet mit Waffenruhe

In New York dauerten die Verhandlungen über eine Resolution des UN-Sicherheitsrates an. Sie hoffe auf eine Entschließung in den nächsten Tagen, sagte die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice im Fernsehsender CNN.

Auch Frankreichs Außenminister Philippe Douste-Blazy äußerte sich im BBC-Fernsehen optimistisch: Er glaube „mehr denn je“, daß ein dauerhafter Waffenstillstand in greifbarer Nähe sei.

Diplomaten bezeichneten die Aussicht darauf, daß eine Resolution noch in dieser Woche verabschiedet werden kann, als gering. Der von Paris eingebrachte Entwurf sieht die sofortige Einstellung aller Feindseligkeiten zwischen Israel und den Hizbullah vor. Eine zweite Resolution soll die Zusammensetzung der geplanten internationalen Sicherheitstruppe für das Grenzgebiet im Süden des Libanons und die Bedingungen für einen dauerhaften Waffenstillstand festlegen sowie eine politische Lösung für den Konflikt festlegen.

Rice wies Vorwürfe zurück, Washington habe durch seine Haltung ein Ende der Kämpfe verhindert. Man wolle aber keinen Waffenstillstand, „der im Moment des Inkrafttretens schon wieder gebrochen wird“.

Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora rief in einem Interview den britischen Premier Tony Blair auf, für einen sofortigen Waffenstillstand einzutreten. Im britischen BBC-Fernsehen rief Siniora Blair und andere Staatschefs auf, Israel zum Rückzug vom Gebiet der umstrittenen Scheebaa-Farmen und zur Rückgabe libanesischer Gefangener zu bewegen. Im Gegenzug werde sein Land sich für die Freilassung der von der Hizbullah entführten israelischen Soldaten einsetzen. (Siehe auch: FAZ.NET-Glossar: Streitfragen zwischen Israel und dem Libanon)

Rußland, wie Frankreich und Amerika ständiges Sicherheitsratsmitglied, forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Das Andauern des Blutvergießens sei nicht mehr hinzunehmen, erklärte das Außenministerium in Moskau. Venezuela zog aus Protest gegen die israelische Offensive seinen Botschafter aus Israel zurück. Präsident Hugo Chávez beschuldigte Israel des „Völkermords“ an Libanesen und Palästinensern.

Aktionen im Gazastreifen

Auch im Gazastreifen kamen am Freitag morgen zwei Palästinenser ums Leben, deren Haus von einem Panzer beschossen wurde. Die israelischen Streitkräfte erklärten, ein Flugzeug habe zwei bewaffnete Palästinenser angegriffen. Die Luftwaffe beschoß zudem zwei Häuser in Gaza-Stadt mit Raketen, es gab keine Verletzten. Anwohner berichteten, am frühen Freitag morgen hätten israelische Soldaten Häuser im südlichen Gazastreifen durchsucht und zwölf Palästinenser festgenommen.

Die Vereinten Nationen mahnten, angesichts der Kämpfe im Libanon „die Tragödie im Gazastreifen“ nicht zu vergessen.

Quelle: FAZ.NET mit AFP/AP/dpa/Reuters
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