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Israel Verfehlte Kriegsziele

14.08.2006 ·  Israels Militär ist über die Waffenruhe erleichtert, denn einen zermürbenden Kampf gegen die Hizbullah hätte es wohl kaum gewinnen können. Die Opposition sieht das anders und setzt Ministerpräsident Olmert unter Druck.

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Israel habe im Südlibanon die selbst gesteckten Ziele nicht erreichen können, aber immerhin habe die Armee die Chance eröffnet eine neue politische Realität zu schaffen. So etwa wird in Jerusalem das Ergebnis von einem Monat Krieg gegen die Miliz der schiitischen Hizbullah zusammengefaßt.

Die rechte Opposition mit dem Likud-Vorsitzenden Netanjahu an der Spitze lastet den relativen Mißerfolg allein Ministerpräsident Olmert an. Er habe zu früh der internationalen Gemeinschaft nachgegeben und einer Waffenruhe zugestimmt, bevor die Armee ihren „Job“ erledigte, sagen die Rechten, obwohl viele Militärfachleute sagen, daß mit Krieg allein die Hizbullah nicht „erledigt“ werden könne.

„Wie von Feindeshand“ gestoppt

Netanjahu darf sich bei seinen Vorwürfen nach den Zeitungskommentaren auf Olmert selbst berufen. Der habe vor vier Wochen proklamiert, die zwei entführten Soldaten und die sterblichen Überreste einer Panzer-Mannschaft zurückzuholen. Das gelang nicht. Er habe Israels Norden von der Bedrohung durch Hizbullah-Raketen befreien und „eine neue libanesische Wirklichkeit“ schaffen wollen.

Statt dessen seien noch am letzten Tag einige Dutzend Katjuscha-Raketen auf Israels Norden niedergegangen und die Hizbullah sei nach wie vor eine schlagkräftige Truppe. Die Armee sei bis fast zum Litani-Fluß vorgedrungen, dann aber unvermittelt – „wie von Feindeshand“ – gestoppt worden; nur weil es die Vereinten Nationen mit ihrer Resolution 1701 so gewollt hätten.

Israel, das sich stets gegen internationale Einmischung bei der Absicherung seiner Existenz gewehrt habe, begebe sich nun in den Schutz einer Unifil-Truppe, die zwar verstärkt und mit einem „robusten“ Mandat versehen werden solle, die aber doch von einer Mehrheit der Nationen ausgeschickt werde, die sich traditionell gegen Israel wende, lautet die Kritik.

„Grausame Fernsehbilder erzeugt“

Die Militärfachleute in Israel ziehen eine andere Bilanz: Israel habe die Hizbullah gar nicht besiegen können. Seit dem israelischen Abzug im Mai 2000 habe sich die pro-iranische Miliz auf diesen Krieg vorbereitet. Sie habe nicht nur die alten Stellungen der Kämpfer der Südlibanesischen Armee (SLA) verstärkt, die sich 1976 während des libanesischen Bürgerkriegs gegründet und mit Israel bei der Besetzung des Südlibanons kollaboriert hatte.

Die Schiitenorganisation hatte demnach zudem eigene Tunnel und Gräben gebaut, sich vor allem in den Orten im Schutz ziviler Wohnungen darauf vorbereitet, Israel in einen direkten Kampf zu locken, der die humanitäre Krise erzeugt – und jene grausamen Fernsehbilder, die das Weltgewissen wachrufen. Das sei der Hizbullah gelungen. Die Organisation habe zum Beispiel in Kana hinterhältig nachgeholfen. Anscheinend hätten Hizbullah-Anhänger Flüchtlinge in die Keller eines von Israel halbzerstörten Hauses gelockt, noch Leichen nebenan hingelegt, um das Haus Stunden nach dem israelischen Raketenangriff selbst zum endgültigen Einsturz zu bringen.

Noch viele Hinterhalte

Diese Militärbeobachter sagen weiter, es sei nötig gewesen, den Krieg jetzt zu beenden. Israel müsse sich möglichst rasch wieder aus dem Libanon zurückziehen, denn die Hizbullah habe noch viele Hinterhalte gestellt. Die Armee könnte in einen zermürbenden Kampf verwickelt werden. Die Hizbullah brauche die israelische Armee geradezu als Besatzer libanesischen Bodens, um ihre Existenz zu rechtfertigen.

Die Hizbullah sei in den vergangenen Wochen nicht moderater geworden, heißt es weiter, sondern sehe sich als Sieger. So wie in der ideologischen Weltsicht der Schiiten schon Israels Abzug im Mai 2000 als Hizbullah-Sieg gefeiert wurde und die Hamas im Gaza-Streifen anfeuerte, so sieht sich Hizbullah demnach auch jetzt wieder als „die einzige muslimische Armee, die Israel eine Niederlage bereitete“. Dieser Eindruck werde nur noch verstärkt, sollten israelische Soldaten im Libanon als Besatzer in eine ebenso prekäre Lage geraten wie im Westjordanland: an Straßensperren bei der demütigenden Kontrolle von Zivilisten oder bei nächtlichen Razzien Haus für Haus.

Hizbullah nicht zu schlagen

In der israelischen Regierung heißt es, Hizbullah sei nicht zu schlagen, solange Syrien und Iran diese Miliz förderten. Die UN-Resolution müsse das nun ändern. So wie sich Israel im Mai 2000 auf die internationale Grenze zurückgezogen habe, werde sich die Regierung Olmert jetzt auf diese internationale Resolution stützen.

Sollten die Vereinten Nationen Erfolg haben, dann habe sich der Krieg gerechtfertigt; verfehle die UN-Mission ihr Ziel, habe Israel das moralische Recht, wieder Waffen sprechen zu lassen. Während Israel bei seinem einseitigen Abzug 2000 in Beirut keinen Ansprechpartner hatte, sei die libanesische Regierung nun „die Adresse“: Beirut müsse 15.000 Mann zur Sicherung der Grenze in den Süden schicken, Beirut habe die Versorgung mit iranischen Waffen zu stoppen und die syrischen Nachschubwege zu kappen.

Daran, daß der libanesischen Regierung dies gelingen wird, daran gibt es in Israel Zweifel: Wohlmöglich lade Israel seinen Konflikt auf zu schwache Schultern in Beirut ab, wo Hizbullah-Minister im Kabinett und ein pro-syrischer Präsident andere Ziele verfolgten als andere gesellschaftliche Gruppen wie die Drusen und Maroniten – in einem Staat, der erst vor zehn Jahren seinen Bürgerkrieg überwunden habe.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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