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Irakische Reaktionen Schiiten feiern Saddams Tod, Sunniten sind entsetzt

30.12.2006 ·  Im Irak brach spontan Freude, aber auch Trauer über die Hinrichtung des ehemaligen Staatsoberhauptes aus: In den Schiitenhochburgen wurde der Tod Saddam Husseins gefeiert, in seiner Heimatstadt Takrit betrauert.

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In den schiitischen Hochburgen des Iraks herrschte am Samstag doppelter Festtag: Die Schiiten feierten die Hinrichtung ihres langjährigen Unterdrückers Saddam Hussein, die ihre Regierung ausgerechnet zum Auftakt des islamischen Opferfestes vollstrecken ließ. Für die Sunniten wurde der ehemalige Diktator dagegen zum Opfer gemacht, zu einem Märtyrer ihres Kampfes gegen die von den Vereinigten Staaten gestützte Regierung.

Die Schiiten konnten kaum fassen, was sie im staatlichen Fernsehen zu sehen bekamen: „Was heute geschehen ist, ist einfach unglaublich. Meine Freude ist so groß, daß ich sie kaum ausdrücken kann“, sagte der 20jährige Journalist Mohammed Kadhim aus Basra im Süden des Iraks. „Saddam wird zum Galgen geführt und dort gehängt, wo er Zehntausende von unschuldigen Irakern auf dieselbe Weise umgebracht hat.“ Auch die 45jährige Hausfrau Salua Aluan empfand die Nachricht als späte Genugtuung für den Tod ihres Mannes und drei ihrer Brüder durch Saddams Henker: „Auf ihren Totenscheinen stand, daß sie gehängt wurden. Und heute sehe ich, daß Saddam gehängt wird. Das ist die himmlische Gerechtigkeit.“

Freudentänze in Bagdad, Trauer in Takrit

In Nadschaf und im Bagdader Stadtviertel Sadr strömten die Menschen auf die Straßen und tanzten vor Freude. Viele Autofahrer begrüßten die Nachricht mit lautem Hupen. Süßigkeiten wurden verteilt. Auch die Exilgemeinden in den Vereinigten Staaten und in Australien feierten das Ereignis ausgelassen: Dutzende aus dem Irak stammender Männer verbrachten die Nacht in Detroit im amerikanischen Bundesstaat Michigan gemeinsam auf einem Parkplatz und zählten die Stunden bis zur Vollstreckung des Todesurteils. In der Stadt lebt die größte arabische Gemeinde in den Vereinigten Staaten.

In einigen sunnitischen Gebieten verhängte die Polizei Ausgehverbote, um Unruhen zu verhindern, darunter in der Heimatstadt von Saddam Hussein, Takrit, und in Samarra. In mehreren Orten kam es zu friedlichen Protesten gegen die Hinrichtung. Hunderte Menschen trugen irakische Flaggen, Bilder des Gehängten und Plakate durch die Straßen. Trotz des Ausgehverbots schossen in Takrit Männer in die Luft und forderten Rache.

Aufruf der Baath-Partei

Saddam Husseins Baath-Partei hat einem Aufruf im Internet zufolge Rache für die Hinrichtung des irakischen früheren Präsidenten gefordert.“Greift ohne Gnade den gemeinsamen Feind im Irak an - Amerika und den Iran“ hieß es in dem am Samstag veröffentlichten Schreiben, dessen Echtheit nicht bestätigt werden konnte.

Die inzwischen verbotene Baath-Partei herrschte etwa drei Jahrzehnte im Irak. Während dieser Zeit wurde das Land von der sunnitischen Minderheit kontrolliert. Die Baath wirft den Vereinigten Staaten und der schiitischen Regierung des Irans vor, für die anhaltende Gewalt zwischen den Religionsgruppen im Irak verantwortlich zu sein.

Im Gazastreifen verbreitete sich die Neuigkeit per SMS und Telefonanrufen. Während sie fürs Opferfest Schafe und Ziegen schlachteten, schalteten die Menschen die Fernseher an und verfolgten die Bilder aus Bagdad. „Was ist Saddam eigentlich? Ein Schaf?“, empörte sich Abu Mohammed Salama. „Ich glaube, die Amerikaner wollen allen arabischen Regierungschefs, die ihre Diener sind, damit vor allem eines sagen: Ihr seid wie Saddam, nicht mehr als ein Schaf, das zum Opferfest geschlachtet wird.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters
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