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Gaza Mehr als 20 Tote bei Kämpfen unter Islamisten

16.08.2009 ·  Die Hamas hat am Wochenende einen Aufruhr islamistischer Fundamentalisten niedergeschlagen. Bei den Kämpfen in Rafah starben 24 Personen, 150 wurden verletzt. Unter den Toten war auch der Anführer der radikalislamischen Gruppe Dschund Ansar Allah.

Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem
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Bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften der Hamas und einer radikalen islamistischen Gruppe, die Al Qaida nahestehen soll, sind am Wochenende im Süden des Gazastreifens 24 Person ums Leben gekommen und mehr als hundert verletzt worden. Neben sechs Polizisten und einem kleinen Mädchen starb nach Angaben des Innenministeriums in Gaza auch Abdel-Latif Moussa, der Anführer der Gruppe „Dschund Ansar Allah“ (Armee der Helfer Gottes).

Er habe am Samstagmorgen Selbstmord begangen, indem er einen Sprengstoffgürtel zündete, hieß es. Dabei sei auch ein ranghoher Hamas-Funktionär umgekommen: Abu Dschibril Schimali, der angeblich die Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit organisiert hatte, war als Vermittler zu dem Prediger geschickt worden.

„Islamisches Emirat“ in Gaza ausgerufen

Moussas Anhänger hatten am Freitag eine von der Hamas kontrollierte Moschee in Rafah in ihre Gewalt gebracht und dort die Hamas-Regierung als „weltlich“ beschimpft und ein „Islamisches Emirat“ ausgerufen, das sich bald auf den gesamten Gazastreifen erstrecken werde. Moussa war von mehr als hundert zum Teil schwarz gekleideten, mit Sturmhauben vermummten und schwer bewaffneten Mitgliedern seiner Gruppe begleitet worden.

In den Kämpfen mit den Sicherheitskräften der Hamas setzten sie später auch Granatwerfer ein. Weitere Selbstmordattentäter zündeten offenbar ihre Sprengsätze. Teile Rafahs wurden zum militärischen Sperrgebiet erklärt und mehr als 90 Personen verhaftet.

Ein Hamas-Sprecher sagte, man werde in Gaza niemanden dulden, der sich über das Gesetz stelle. Die Mitglieder der Gruppe seien „psychisch krank“; vor der Polizeiaktion habe man vergeblich versucht, sie zu einem „moderaten“ Verständnis des Islams zu bekehren. Die Gruppe stecke hinter früheren Angriffen auf Cafés, CD-Läden und eine Hochzeitfeier.

Auch eines vereitelten Terroranschlag auf israelische Soldaten im Juli, bei der mit Sprengstoff beladene Pferde zum Einsatz kamen, wird sie bezichtigt. Nach Informationen palästinensischer Journalisten soll die Gruppe Al Qaida ideologisch nahestehen, aber keine organisatorischen Verbindungen zu dem Terrornetz haben.

Islamisten gefährlicher als Fatah

Am Sonntag kehrte in Gaza wieder Ruhe ein. Radikale Islamisten drohten der Hamas im Internet jedoch mit Vergeltung. Die bewaffneten Auseinandersetzungen waren die heftigsten Kämpfe im Gazastreifen seit der israelischen Militäroffensive zu Jahresbeginn. Nach Ansicht von Beobachtern in Gaza zeigen sie, dass die gefährlicheren Gegner der Hamas in Gaza mittlerweile aus den Reihen der Islamisten kommen und nicht mehr von der Fatah, die sie dort 2007 gewaltsam von der Macht vertrieben hatte.

In der Vergangenheit zerschlug die Hamas-Regierung schon mehrere solcher kleiner radikalen Islamistengruppen, die zwar jeweils kaum mehr als hundert bewaffnete Mitglieder hatten, aber sich offenbar wachsenden Zulaufs erfreuten. Sie hatten Namen wie „Tawhid und Dschihad“, „Armee des Islam“ oder „Armee Muhammads“. Diese Gruppen erkennen die Regierung der Hamas und die Waffenruhe gegenüber Israel nicht an, die die diese seit Monaten einhält.

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Jahrgang 1967, politischer Korrespondent für Israel und die Palästinensergebiete mit Sitz in Jerusalem.

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