12.03.2006 · Die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen debattiert über den Karikaturenstreit. Mohammed sei ein Botschafter des Friedens. Der Wissenschaftler Micha Brumlik widerspricht: „Mohammed war auch kriegerisch.“
Von Stefan ToepferÜber das Gewaltpotential im Islam und von dessen Begründer, Mohammed, ist es gestern bei einer Veranstaltung der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) in Gießen zu einem Disput zwischen der Organisation und dem jüdischen Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik gekommen.
Zu der Veranstaltung, an der den Organisatoren zufolge rund 600 Menschen teilnahmen, hatte die IRH im Zuge des Streits über die Mohammed-Karikaturen eingeladen. Vertreter der Organisation verwahrten sich gegen den Eindruck, Mohammed habe den Islam mit Gewalt auszubreiten gesucht. Kriege in Geschichte und Gegenwart seien politisch bedingt und gingen nicht auf einen Auftrag im Koran zurück, den Islam gewaltsam zu verbreiten.
Zuvor hatte der an der Frankfurter Universität lehrende Brumlik gesagt, Mohammed sei auch ein kriegerischer Mann gewesen. Als Beispiel führte er an, daß Mohammed Männer eines jüdischen Stammes habe umbringen lassen, als diese sich ihm nicht hätten anschließen wollen. Die Einladung Brumliks war nicht unumstritten, wie der IRH-Vorsitzende Ramazan Kuruyüz sagte. Man habe sich entschlossen, in einem eigenen Beitrag auf seine Rede zu reagieren.
Botschafter des Friedens
Die IRH hob hervor, daß Mohammed, aber auch Abraham, Moses und Jesus Botschafter des Friedens seien. Brumlik setzte einen deutlichen Kontrapunkt. Jene Propheten verkündeten zwar eine Botschaft umfassenden Friedens, seien aber in ihrem Eifer nicht immer frei von der Versuchung gewesen, „sich zur Durchsetzung von Gottes Friedensbotschaft gewaltsamer, unfriedlicher Mittel zu bedienen“. So sei Abraham versucht gewesen, beim Erfüllen des Willens Gottes Gewalt auszuüben, wie die Geschichte von der geplanten Opferung seines Sohnes Isaak zeige.
Moses habe einmal viele jener Israeliten, die Gottes Weisungen nicht befolgt hätten, töten lassen. Und das Buch der Apokalypse sei eines, das alle Feinde des Glaubens im Feuer zugrunde gehen lasse. „Wir stehen heute in einer von Gewalt, Krieg und Tod gezeichneten Welt vor der Aufgabe, uns selbstkritisch und demütig des Gewaltpotentials in unserer eigenen religiösen Geschichte und Gegenwart zu besinnen“, um der Botschaft des Friedens den Weg zu bereiten, so Brumlik.
Der Psychoanalytiker und Sozialphilosoph Horst-Eberhard Richter erinnerte an einen Teil, der den drei großen Religionen trotz ihrer Unterschiede gemeinsam sei, eine „einheitliche Werteordnung der Menschlichkeit und des Friedens“. Entstanden in der Zeit der Kreuzzüge, sei diese Auffassung eine „wichtige Versöhnungsidee“ gewesen.
„Vertrauen ist der Nährboden für Frieden“
Er warb dafür, Zuwanderern mit Achtung und nicht mit Argwohn zu begegnen. „Vertrauen ist der unverzichtbare Nährboden für Frieden.“ Kuruyüz sagte, es müsse mit aller Kraft gegen jene Muslime vorgegangen werden, die durch Gewaltanwendung, Terror und Selbstmordanschläge den Islam mißbrauchten und damit der Religion und der ganzen Menschheit schadeten. Zugleich müsse aber auch eine westliche Politik auf Ignoranz, Arroganz und Machtdemonstration verzichten, denn diese provoziere Gegengewalt.
Die IRH ist vor allem bekannt geworden, weil sie versucht, als Träger für einen islamischen Religionsunterricht anerkannt zu werden. Das lehnt das Kultusministerium ab. Dagegen klagt die Organisation genauso wie gegen die Erwähnung im hessischen Verfassungsschutzbericht. Die Aufnahme in diesen Bericht sei politisch motiviert und unglaubwürdig.-