12.05.2006 · Nach dem Freitod eines Pakistaners in Berliner Untersuchungshaft ist es in Islamabad abermals zu Protesten gegen Deutschland gekommen. Der Mann hatte versucht, wegen des Abdrucks der Mohammed-Karikaturen den Chefredakteur der „Welt“ mit einem Messer anzugreifen.
Nach dem Tod eines Pakistaners in einem Berliner Untersuchungsgefängnis ist es am Freitag in Pakistan abermals zu Protesten gegen Deutschland gekommen. Augenzeugen berichteten, in der Hauptstadt Islamabad seinen rund tausend Islamisten auf die Straße gegangen. Sie forderten unter anderem die Ausweisung des deutschen Botschafters aus Pakistan und die Verhängung eines Wirtschaftsboykotts gegen Deutschland. Zu Ausschreitungen kam es nicht. Vor einer Moschee trampelten Religionsschüler auf einer deutschen Flagge.
Die Demonstranten warfen den deutschen Behörden vor, den 28 Jahren alten Aamir C. gefoltert und ermordet zu haben, der sich am 3. Mai in Haft in seiner Zelle erhängt hatte. Eine Obduktion hatte kein Fremdverschulden ergeben. Er soll sich mit einer aus seiner Kleidung gefertigten Schlinge erhängt. Seit dem 20. März saß er in Untersuchungshaft.
Der Mann soll versucht haben, den Chefredakteur der Zeitung „Die Welt“ anzugreifen, weil diese die Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ abgedruckt hatte. Laut Staatsanwaltschaft war er in das Bürohaus des Axel- Springer-Verlages in Berlin-Kreuzberg mit einem Messer eingedrungen. Er war jedoch von der Polizei überwältigt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage wegen Nötigung in einem besonders schweren Fall und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte erhoben. Der Tod des jungen Mannes hat schon am vergangene Wochenende in Pakistan starke Proteste ausgelöst. Mehrere islamistische Parteien riefen zudem zum Boykott deutscher Produkte auf.