07.02.2006 · Bei Protesten gegen Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen sind in Afghanistan vier Demonstranten getötet worden. In Somalia kam ein Jugendlicher ums Leben, in Teheran wurden die dänische und die österreichische Botschaft angegriffen. Auch deutsche Flaggen gehen in Flammen auf.
Die Welle gewaltsamer Proteste gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen erfaßt immer mehr muslimische Länder. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurden am Montag in Afghanistan vier Demonstranten getötet, auch in Somalia kam ein Demonstrant ums Leben. In Teheran warfen aufgebrachte Muslime Steine gegen die österreichische Botschaft, schlugen Fensterscheiben ein und legten Feuer. Protestaktionen gab es auch in Indien, Ägypten, Indonesien, Thailand und im Gazastreifen.
Vor dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt im afghanischen Bagram wurden nach Angaben der örtlichen Regierung zwei Demonstranten erschossen, als Polizisten rund 2000 Protestierende mit Schüssen daran hindern wollten, auf das Gelände vorzudringen. In Mihtarlam tötete die Polizei zwei Demonstranten, nachdem ein Mann aus der Menge heraus auf die Beamten geschossen hatte. Mindestens 19 Menschen wurden bei den Ausschreitungen verletzt. Kurz danach beschossen Rebellen nach Militärangaben eine amerikanische Patrouille in der Nähe, wobei ein amerikanischer Soldat getötet wurde. Die Angreifer seien geflohen, als die Soldaten das Feuer erwidert hätten. In der Provinz sind sowohl Anhänger der radikalislamischen Taliban als auch andere Rebellengruppen aktiv.
Karzai ruft zur Mäßigung auf
In Kabul setzte die Polizei Schlagstöcke und Gewehrkolben ein, um die Menge aufzulösen. Auch auf drei geparkte Fahrzeuge der Schutztruppe Isaf wurden Steine geschleudert.
Der afghanische Präsident Hamid Karzai hatte am Vortag die Muslime weltweit zur Vergebung aufgerufen. Die Muslime sollte über der Auseinandersetzung stehen und sich nicht auf die gleiche Stufe mit jenen begeben, die die Karikaturen veröffentlicht hätten, sagte Karzai dem amerikanischen Nachrichtensender CNN. Auch in Indonesien, dem größten muslimischen Staat, kam es zu Protesten.
Dänische und österreichische Botschaft in Teheran im Visier
In Bossaso in Somalia wurde ein Jugendlicher getötet, als die Polizei eine protestierende Menge mit Schüssen in die Luft zerstreuen wollte. Im Irak wurden dänische Soldaten nahe der Stadt Basra nach einem Verkehrsunfall aus einer aufgebrachten Menge heraus beschossen. Wie Verteidigungsminister Søren Gade am Montag in Kopenhagen sagte, soll untersucht werden, ob Hintergrund des Angriffes vom Vortag möglicherweise Proteste gegen die dänischen Mohammed- Karikaturen waren. Das sei aber noch ungewiß, sagte Gade. Es sei auch denkbar, daß die Menge die Soldaten für die Schuldigen bei dem Unfall gehalten habe, bei dem mehrere Kinder ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden waren.
Vor der österreichischen Botschaft in Teheran haben am Montag rund 200 Demonstranten gewaltsam gegen die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen demonstriert. Sie schleuderten Steine und Brandbomben gegen die Vertretung. Die zweistündige Demonstration war der erste Ausbruch von Gewalt im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Karikaturen in Iran, wo bislang friedlich protestiert worden war. Demonstranten zündeten dort am Montag auch eine deutsche Flagge an. Bereits am Samstag war beim Überfall auf die deutsche Vertretung in Gaza-Stadt die Flagge der Bundesrepublik heruntergerissen und angesteckt worden.
Am Montag abend haben wütende Demonstranten das Gelände der dänischen Botschaft in Teheran gestürmt. Einer kleinen Gruppe von Iranern gelang es, über das Gitter um die Vertretung zu klettern. Etwa hundert Polizisten drängten die Demonstranten wieder von dem Gelände zurück. Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Menge vor. Zuvor hatten rund 400 Mitglieder der Basidsch-Miliz, die gegen die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen protestierten, Molotow-Cocktails und Steine auf das Gebäude geworfen.
„Wollte kein Blutbad anrichten“
Die libanesische Regierung entschuldigte sich unterdessen bei Dänemark für den Brandanschlag auf dessen Konsulat in Beirut. Das Kabinett verurteile die Gewalt, sagte Informationsminister Ghasi Aridi. Tausende Demonstranten hatten am Sonntag die dänische Vertretung gestürmt und Feuer gelegt. Mindestens ein Mensch wurde getötet, 30 erlitten Verletzungen.
Nur Stunden später bot der libanesische Innenminister Hassan Sabeh seinen Rücktritt an. Ihm war mangelnde Härte gegenüber den Demonstranten vorgeworfen worden. Er habe sich geweigert, auf die Demonstranten schießen zu lassen, sagte Sabeh am Sonntag abend bei einer Dringlichkeitssitzung des Kabinetts. „Ich wollte nicht für ein Blutbad verantwortlich sein.“
Annan: Groll kann keine Gewalt rechtfertigen
Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), ein Zusammenschluß von 57 islamischen Staaten, stimmte unterdessen einem Treffen mit dem dänischen Außenminister Per Stig Møller zu. Ziel solle es sein, die gewalttätigen Proteste einzudämmen.
Nach den schweren Ausschreitungen in Syrien und im Libanon hat UN-Generalsekretär Kofi Annan abermals ein Ende der Gewalt wegen der Mohammed-Karikaturen gefordert. Der Generalsekretär sei „beunruhigt“ wegen der Angriffe der vergangenen Tage, hieß es in einer Erklärung seines Sprechers in New York. Annan teile zwar die Gefühle vieler Muslime, die ihre Religion durch die Veröffentlichung der Karikaturen beleidigt sähen, jedoch wolle er klarmachen, daß „dieser Groll keine Gewalt rechtfertigen kann“.
Dänemark weitet Reisewarnung aus, Iran setzt Handelsabkommen aus
Annan forderte die Muslime nochmals dazu auf, die Entschuldigung der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ anzunehmen. Sie hatte die zwölf umstrittenen Karikaturen im September vergangenen Jahres als erste Zeitung veröffentlicht.
Das dänische Außenministerium in Kopenhagen weitete seine Reisewarnungen am Montag auf 16 islamische Länder aus. Neben Syrien und dem Libanon sollten Dänen nun auch Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Sudan, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Qatar, Bahrain, Jordanien, Iran, Pakistan und Afghanistan meiden, sofern die Reisen „nicht notwendig“ seien. Dänen wurden jedoch nicht - wie in den Fällen von Syrien und Libanon - zur Ausreise aufgefordert.
Alle Arten von Handelsabkommen oder -verhandlungen mit Dänemark seien ab sofort unterbrochen, sagte der iranische Handelsminister Masud Mir-Kasemi am Montag. Die Handelsvereinbarungen seien eingefroren, auch gegenseitige Besuche von iranischen und dänischen Handelsdelegationen werde es bis auf weiteres nicht geben, sagte Minister Mir-Kasemi weiter. Er bezifferte das jährliche Handelsvolumen zwischen dem Iran und Dänemark auf umgerechnet 234 Millionen Euro.
„Es reicht mit Haß und Intoleranz“
In Paris ist die Redaktion des französischen Boulevardblatts „France Soir“ wegen eines Bombenalarms am Montag für knapp drei Stunden evakuiert worden. Die Zeitung hate am vergangenen Mittwoch die dänischen Mohammed-Karikaturen als erste in Frankreich nachgedruckt.
Frankreich hat am Montag die arabischen Länder zur Mäßigung im Karikaturenstreit aufgerufen. „Ich appelliere an alle arabischen Länder, mit Mäßigung zu sprechen“, sagte Außenminister Philippe Douste-Blazy im Rundfunk. „Beruhigen wir die Gemüter. Es reicht mit dem Haß und der Intoleranz.“
Douste-Blazy fügte hinzu: „Der Dialog der Kulturen, Zivilisationen und Religionen ist der große Kampf des 21. Jahrhunderts.“ Es dürfe keinen Religionskrieg geben. „Es gibt keine Religion auf der Welt, die sagt, daß man töten oder Flaggen verbrennen muß. Es gibt Leute, die mit der Religion Politik machen wollen. Das sind Fanatiker.“ Manche glaubten sich im Krieg der Zivilisationen. Andere wie „die Syrer und die Bin Ladins reiben sich die Hände.“
wo seit ihr meine christlichen brüder?
christian rohloff (elvisthe)
- 06.02.2006, 14:10 Uhr
an soncha
Silke Röttger (sledzik)
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Michael Schultz (Offensichtlich)
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Martin Scharmach (alkoholikerhilfe)
- 06.02.2006, 19:01 Uhr
Demokratie in Europa sollte NIEMANDEN verletzten
Thomas Mecha (Alimekka)
- 06.02.2006, 19:21 Uhr