18.02.2006 · Die libysche Polizei hat vor dem italienischen Konsulat mindestens zehn Demonstranten erschossen. Auslöser der Proteste war offenbar der italienische Minister Calderoli, der im Fernsehen ein T-Shirt mit Mohammed-Karikatur getragen hatte. Nun tritt er zurück.
Der wegen seiner heftigen Angriffe auf den Islam umstrittene italienische Reform-Minister Roberto Calderoli hat seinen Rücktritt eingereicht. Das meldete am Samstag die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Calderoli erklärte, er habe seinen Rücktritt eingereicht, um „die schändliche Ausnutzung zu stoppen, die in diesen Stunden gegen mich gerichtet worden ist“.
Calderoli beugte sich dem Druck seiner Kabinettskollegen. Der Politiker der rechtspopulistischen Liga Nord hatte am Mittwoch bei einem Fernsehauftritt ein T-Shirt getragen, auf dem eine der umstrittenen Mohammed-Karikaturen zu sehen war. Daraufhin war es zu Protesten vor dem italienischen Konsulat im libyschen Bengasi gekommen, bei denen die Polizei mindestens zehn Demonstranten erschoß. In Pakistan wurden bei gewalttätigen Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen vier Menschen von Polizisten angeschossen.
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte Calderoli zum Rücktritt aufgefordert. Calderoli hatte angekündigt, er werde ein T-Shirt mit Karikaturen Mohammeds tragen und war am Freitag dann tatsächlich mit einem solchen T-Shirt im staatlichen Fernsehen RAI zu sehen gewesen. Calderolis Ankündigungen hatten in Libyen für großes Aufsehen gesorgt.
Innenminister suspendiert
Die Demonstranten in Bengasi warfen Steine und Flaschen auf das Konsulatsgebäude und legten anschließend Feuer. Die Polizei schoß mit scharfer Munition und Tränengas auf die mehr als 1.000 Menschen. Trotzdem dauerte es rund sechs Stunden, bis sie die Menge aufgelöst hatten. Ein italienischer Diplomat sprach von zehn Toten - alle seien Libyer. Die Behörden vor Ort bezifferten die Zahl der Toten und Verletzten auf insgesamt elf, darunter auch Polizisten. Genauere Angaben machten sie nicht. Wegen der tödlichen Schüsse wurde am Samstag der libysche Innenminister Nasr al Mabruk suspendiert. Das teilte das Parlamentssekretariat mit.
Das italienische Konsulat ist die einzige westliche Vertretung in Bengasi. In der Hauptstadt Tripolis gab es keine Demonstrationen vor der italienischen Botschaft. Unterdessen erklärte Ministerpräsident Berlusconi, man habe die Büros der Lega Nord in Italien unter besonderen Schutz gestellt. Berlusconis Büro veröffentlichte am späten Freitag abend eine Erklärung, in der das Verhalten von Calderoli als unvereinbar mit dessen Posten bezeichnet wurde. Es stehe zudem in Kontrast zu der Haltung der italienischen Regierung. Deswegen habe man ihn aufgefordert, seinen Rücktritt anzubieten.
Ein Signal von der islamischen Welt
Der frühere EU-Kommissionspräsident und jetzige Oppositionsführer Romano Prodi machte Calderoli mit für die gewaltsamen Proteste in Libyen verantwortlich. Calderoli selbst erklärte zunächst, er werde zurücktreten, sobald er ein Signal von der islamischen Welt bekommen habe, daß eine solche Geste hilfreich sei. Mittlerweile ist sein Rücktritt erfolgt.
In der ostpakistanischen Kleinstadt Chaniot schoß die Polizei am Samstag auf Demonstranten, die bei ihrem Protest gegen die Karikaturen versuchten, Geschäfte in Brand zu setzen. Polizisten seien mit Steinen beworfen worden, sagte ein Polizeisprecher in dem Ort, der 300 Kilometer nordöstlich von Multan liegt. Ein Krankenhausarzt teilte mit, vier Personen seien mit Schußverletzungen eingeliefert worden, zwei davon befänden sich im kritischen Zustand.
Bei Demonstrationen gegen die zuerst in einer dänischen Zeitung veröffentlichten Karikaturen wurden in der vergangenen Woche mindestens fünf Menschen in Pakistan getötet.
Zehn Tote auf Konto Calderoli!
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 18.02.2006, 14:31 Uhr
Danke, Signore Calderoni
gisbert heimes (gisbert4)
- 19.02.2006, 00:23 Uhr
Was ist nur mit unserer Meinungsfreiheit los?
Roman Ochsner (Romanov88)
- 19.02.2006, 01:29 Uhr
Schade sehr Schade
EroY Cibil (Lysandus)
- 19.02.2006, 13:02 Uhr
Der Westen darf sich nicht beugen
Angela Mirna (Angela.Mirna)
- 19.02.2006, 16:24 Uhr